FAB-3000
sowjetische / russische Fliegerbombe
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FAB-3000 (russisch ФАБ-3000; фугасная авиационная бомба) bezeichnet eine Serie von Fliegerbomben mit einem Gewicht von rund 3000 Kilogramm die in der Sowjetunion entwickelt wurden.
| FAB-3000 | |
|---|---|
| Allgemeine Angaben | |
| Bezeichnung: | FAB-3000 |
| Typ: | Fliegerbombe |
| Herkunftsland: | |
| Hersteller: | GSKB-47, NPO Basalt |
| Entwicklung: | 1940-Jahre |
| Indienststellung: | 1949 |
| Einsatzzeit: | im Dienst |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 3.001–3.067 kg |
| Länge: | 3,32–3,33 m |
| Durchmesser: | 820 mm |
| Spannweite: | 820–1.002 mm |
| Ausstattung | |
| Gefechtskopf: | 1.387–1.400 kg Sprengstoff |
| Zünder: | Aufschlagzünder, Zeitzünder |
| Waffenplattformen: | Bomber |
| Liste von Bomben nach Herkunftsnation | |
Entwicklung
Nach dem Zweiten Weltkrieg schritt die Entwicklung von Strahlflugzeugen in der Sowjetunion schnell voran. Für die sich in Entwicklung befindenden strahlgetriebenen Bomber Jak-28 „Brewer“, Il-28 „Beagle“ sowie Tu-16 „Badger“ wurde eine neue Fliegerbombe mit großer Sprengkraft benötigt, woraufhin die Einwicklung der FAB-3000 angestoßen wurde. Mit der Entwicklung wurde das Konstruktionsbüro Nr. 47 (GSKB-47) beauftragt, welches dem Ministerium für Landmaschinen unterstand. Das Ursprungsmodell FAB-3000M-46 war im Jahr 1949 bereit und Ausführung FAB-3000M-54 wurde 1954 eingeführt. Daneben entstanden die Modelle FAB-3000M-51 und FAB-3000M-62, welche aber nicht in Serie gingen. Heute werden die FAB-3000-Bomben bei NPO Basalt produziert und der Vertrieb erfolgt durch Aviaexport, Techmasch und Rosoboronexport.[1][2][3]
Technik
Die FAB-3000 sind schwere Mehrzweck-Sprengbomben, die gegen ein breites Zielspektrum eingesetzt werden können. Aufgrund ihrer Größe und dem Gewicht können Bomber nur eine geringe Anzahl der Bomben mitführen. Bei der Explosion entstehen eine Detonationswelle und eine starke Hitzeentwicklung; der Bombenkörper wird in scharfkantige Splitter zerlegt. Die Bombenkörper haben eine zylindrische, längliche Rumpfform, mit einem kreisrunden Querschnitt und einer ogiven Spitze mit einem Kopfring. Zum Bombenheck hin verjüngt sich der Rumpfdurchmesser. Der Bombenkörper besteht aus mehreren zusammengeschweißten Teilen aus St25-Gussstahl. Am Heck befinden sich vier bis acht Stabilisierungsflügel (Heckflossen) aus Blechen, um die ein oder zwei Boxwing angebracht ist. Als Sprengstoff wird TNT oder TGAN-5 (Mischung aus TNT, RDX und Aluminiumpulver) verwendet. Der Sprengstoff wird in flüssigem Zustand in den Bombenkörper gegossen. Die Masse des Sprengstoffs in der Bombe beträgt 45 bis 46 % ihres Gewichts. Der Bombenkörper hat entweder einen feldgrauen oder schwarzen Anstrich. Bezündert sind die Bomben mit einem Kopf- und/oder Heckzünder. Dafür sind an der Bombenspitze eine und am Heck zwei Vertiefungen mit einem Durchmesser von 52 mm sowie einem Gewinde angebracht. Es können verschiedene Aufschlagzünder und Verzögerungszünder verwendet werden. Letztere werden nur im Bombenheck eingesetzt. Unter den Zündern können in einer Vertiefung zusätzliche Verstärkerladungen aus jeweils dreimal 510 g Tetryl geladen werden. Die Bombenschlösser zur Befestigung am Flugzeug haben einen Abstand von 480 mm. Verschiedene Bomber sowjetischer und russischer Bauart können die FAB-3000-Bomben einsetzen. Die Bomben können, je nach Modell aus großer und mittlerer Flughöhe abgeworfen werden. Weiter kann an die FAB-3000-Bomben der UMPK-Rüstzusatz montiert werden, womit sie als präzisionsgelenkte Gleitbomben eingesetzt werden können.[1][2][3][4][5][6]
Varianten
FAB-3000M-46
Die Ende des Zweiten Weltkrieges entwickelte FAB-3000M-46 (Zeichnungsnummer 3-01719) war 1949 einsatzbereit und ist für den Abwurf aus dem Waffenschacht von Strahlflugzeugen konzipiert. Der Bombenkörper ist auf darauf ausgelegt Transsonischen Strömungen standzuhalten. Die Wanddicke beträgt 20 mm und vergrößert sich zur Bombenspitze hin auf 160 mm. An der spitz zulaufenden Bombenspitze ist ein schmaler Kopfring angebracht, um ein Wegrutschen auf der Erd- oder Wasseroberfläche zu verhindern. Am langgezogenen Bombenheck sind vier Stabilisierungsflügel mit zwei Boxwing angebracht. Verwendet wird entweder der mechanische AW-139-Zünder oder die elektromechanischen Zünder WDW-1 oder WDW-2. Alternativ kann auch der APUW-1-Zünder aus der Zeit vom Zweiten Weltkrieg eingesetzt werden. Die FAB-3000M-46 wird mit Unterschallgeschwindigkeit aus mittlerer und großer Flughöhe abgeworfen. Wird die FAB-3000M-46 mit dem Verzögerungszünder aus großer Höhe abgeworfen, so kann sie bis zu 12 m in das Erdreich eindringen bevor sie detoniert.[1][3][7]
| Bombe | Länge | Durchmesser | Spannweite | Sprengstofffüllung | Gewicht |
| FAB-3000M-46 | 3,332 m | 820 mm | 820 mm | 1400 kg TNT | 3001 kg |
FAB-3000M-51
Dieses Bombenmodell (Zeichnungsnummer 3-01930) entstand Anfang der 1950er-Jahre. Über die FAB-3000M-51 ist nur wenig bekannt und die Bombe wurde nie in Großserie hergestellt.[3]
| Bombe | Länge | Durchmesser | Spannweite | Sprengstofffüllung | Gewicht |
| FAB-3000M-51 | unbek. | unbek. | unbek. | unbek. | ~3000 kg |
FAB-3000M-54

Das Modell FAB-3000M-54 (Zeichnungsnummer 3-02304) war im Jahr 1954 einsatzbereit. Die Bombe ist für den Abwurf aus dem Waffenschacht von schnellfliegenden Bombern konzipiert. Die Wanddicke wurde gegenüber dem Vorgängermodell vergrößert. An der spitz zulaufenden Bombenspitze ist ein breiter Kopfring angebracht. Am Bombenheck sind acht Stabilisierungsflügel mit einem Boxwing angebracht. Verwendet wird entweder der mechanische AW-139-Zünder oder die elektromechanischen Zünder WDW-1 oder WDW-2. Die FAB-3000M-54 verursacht bei der Explosion eine Detonationswelle, welche Gebäude herkömmlicher Bauart in einem Radius von rund 38 m komplett zerstört. Bei Menschen kann die Druckwelle auf 160 m zu Barotraumata führen. Die FAB-3000M-54 kann aus einer Flughöhe von bis zu 16.000 m sowie mit einer maximalen Geschwindigkeit von 1.200 km/h abgeworfen werden.[2][7][8][9][10]
| Bombe | Länge | Durchmesser | Spannweite | Sprengstofffüllung | Gewicht |
| FAB-3000M-54 | 3,32 m | 820 mm | 1002 mm | 1387 kg TGAN-5 | 3067 kg |
FAB-3000M-62
Dieses Bombenmodell entstand Anfang der 1960er-Jahre. Um von überschallschnellen Bombern eingesetzt werden zu können, hat der Bombenkörper einen geringen Strömungswiderstand. Über die FAB-3000M-62 ist nur wenig bekannt und die Bombe wurde nie in Großserie hergestellt.[11][12]
| Bombe | Länge | Durchmesser | Spannweite | Sprengstofffüllung | Gewicht |
| FAB-3000M-62 | unbek. | unbek. | unbek. | unbek. | ~3000 kg |
Trägerflugzeuge
Kriegseinsätze
Während der sowjetischen Intervention in Afghanistan setzten die Luftstreitkräfte der Sowjetunion die FAB-3000 gegen Stellungen und Dörfer der Widerstandskämpfer ein. Während des Ersten Golfkriegs (auch Iran-Irak-Krieg) setzten die irakischen Streitkräfte die FAB-3000 gegen Ziele im Iran ein. Weiter setzen die russischen Luftstreitkräfte die FAB-3000 beim Russischen Überfall auf die Ukraine seit 2022 ein.[5][12][13]
Nutzerstaaten
Siehe auch
Literatur
- Jefim Gordon: Soviet/Russian Aircraft Weapons since World War Two. Midland Publishing, 2004, ISBN 978-1-8578-0188-0.
- Nikolay Spassky: Russia’s Arms and Technologies. The XXI Century Encyclopedia. Vol. 10 – Aircraft armament and avionics. A & T Publishing House / Oruzhie i tekhnologii, Russland, 2004, ISBN 978-5-93799-016-7.
- Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2003, ISBN 0-7106-0866-7.
- SPRE Basalt: Unguided Air Bombs. Offizieller Produktekatalog der Federal State Unitary Enterprise Basalt, Moskau, Russland, 2008.
Weblinks
- Fab 3000 M46 Aircraft Bomb bei cat-uxo.com (englisch)
- FAB-3000 M-54 bei Open Source Munitions Portal (englisch)
- Russia has begun mass production of the FAB-3000 super bomb, weighing 3 tons and capable of carrying 1.5 tons of explosives bei Vietnam.vn (englisch)
- FAB-3000 and its prospects bei Top War (englisch)