Faust (1960)
Film von Peter Gorski (1960)
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Faust ist eine 1960 entstandene Verfilmung der Inszenierung von Goethes Faust I von Gustaf Gründgens am Hamburger Schauspielhaus.
| Film | |
| Titel | Faust |
|---|---|
| Produktionsland | Bundesrepublik Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 1960 |
| Länge | 128 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Produktionsunternehmen | Divina-Film, München |
| Stab | |
| Regie | Peter Gorski |
| Produktion | Ilse Kubaschewski |
| Musik | Mark Lothar |
| Kamera | Günther Anders |
| Schnitt | Walter Boos |
| Besetzung | |
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Entstehungsgeschichte
Gustaf Gründgens hatte den Mephisto schon mehr als 600-mal gespielt, bevor er als Intendant des Hamburger Schauspielhauses 1957 erneut den Faust in Szene setzte und in seiner Lieblingsrolle auf der Bühne stand. Diese Inszenierung erwies sich als voller Erfolg und wurde mit Gastspielen in Russland und Amerika international berühmt.
Ilse Kubaschewski, Inhaberin der Gloria-Film GmbH & Co. Filmverleih KG bemühte sich hartnäckig und erfolgreich, Gründgens’ Widerstand gegen eine Verfilmung zu überwinden. Gründgens willigte aber nur unter der Bedingung ein, dass die Verfilmung nach seinen besonderen Vorstellungen erfolgt: „Aufgabe dieser Verfilmung muß es sein, die genaue Mitte zu finden zwischen gefilmtem Theater und reinem Film. Das Resultat einer 30jährigen Bemühung um Goethes 'Faust' darf weder abphotographiert noch durch filmische Interessanz aufgeweicht werden.“[2] Gründgens verfolgte mit seiner Inszenierung eine Abkehr von jeder Art Mystizismus und Verschwommenheit, dieses Ziel dürfe nicht auf Kosten schöner Bilder verfälscht werden.
Der Film wurde von Ilse Kubaschewskis Produktionsfirma KG DIVINA-FILM GmbH & Co. hergestellt. Die Regie wurde schließlich Peter Gorski, Gründgens’ Adoptivsohn und zugleich Lebensgefährten, übertragen.
Darstellung
Im Gegensatz zur weitverbreiteten Ansicht, der Film sei im Deutschen Schauspielhaus Hamburg als Theateraufzeichnung (ohne Publikum) entstanden, handelt es sich um eine reine Studioproduktion: Gedreht wurde vom 24.05. bis Juli 1960 in den Hamburger Real-Film Studios. Vom Schauspielhaus übernommen werden konnten lediglich die Kostüme und Dekorationen. Die Produktionsbedingungen sind daher mit den damals weit verbreiteten, theatralen Fernsehspielen vergleichbar, wenngleich mit einem großen Budget von etwa 1.000.000 DM operiert werden konnte und statt des Fernsehbildformat 4:3 im Kinoformat Cinemascope (2,35:1) gedreht wurde[3]. Damit war der Einsatz filmischer Mittel möglich, die bei einer Aufführungsaufzeichnung am Theater nicht oder nur schwer realisiert werden können. Gleichwohl bleibt die Einrichtung als Spielfilm ihrem theatralen Ursprung so treu, dass der Eindruck einer Theateraufzeichnung entsteht. Die Inszenierung ist überaus werkgetreu, der Text gerafft, aber sonst nicht wesentlich verändert. Aktualisierungen des klassischen Dramas finden sich höchstens im Bühnenbild: So wird in die Walpurgisnacht eine Atombombenexplosion eingeblendet. Die Schauspieler sprechen nicht wie in einem Film, sondern wie auf der Bühne, so als müsse ihre Stimme den ganzen Theatersaal durchdringen.
Gustaf Gründgens spielte die Figur Mephisto schon über 600-mal und hatte ein besonderes Gespür für diese Rolle entwickelt. Gründgens zeigt Mephisto als bleichen Mann mit roten Lippen und scharf gezeichneten Augenbrauen. Statt Haaren trägt die Figur eine ins Auge fallende, schwarze Haube. Wie in Goethes Original tritt sie sehr ironisch auf und kritisiert viel.[4]
Kritiken
„Die berühmte 'Faust I'-Inszenierung im Deutschen Schauspielhaus Hamburg unter der Oberleitung von Gustaf Gründgens. Die Aufzeichnung will keine eigenständige Verfilmung sein, sondern fesselt überwiegend als Bühnenwiedergabe.“
Literatur
- Rosemarie Clausen, Faust in Bildern, Braunschweig: Westermann [1960] 1964, 7. Aufl.
- Georg Seeßlen: Faust. Materialien zu einem Film von Peter Gorski. Gustaf Gründgens Meisterwerk. Atlas-Film und AV, Duisburg 1992, 130 S., ISBN 3-88932-050-3