Federico Patetta

Italienischer Rechtshistoriker From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben und Wirken

Federico Patetta in der Turiner Akademie der Wissenschaften, 1914

Federico Patetta, Kind eines Anwaltshaushalts, nahm im Wintersemester 1883/84 ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Turin auf, das er unter Leitung des namhaften Rechtshistorikers Cesare Nani 1887 erfolgreich beendete. Es folgte ein dreijähriges Postgraduiertenstudium in den Städten Turin, Rom und Berlin. In Berlin begegnete er Heinrich Brunner und Otto von Gierke. Nacheinander lehrte er ab 1892 als Rechtsprofessor an den Universitäten von Macerata, Siena, Modena, Pisa, um ab 1909 bis 1933 – mit einer zwischenzeitlichen Unterbrechung von einem Jahr in Rom – seiner akademischen Tätigkeit in Turin treu zu bleiben. Patetta war (inter-)nationales Mitglied mehrerer Wissenschaftsakademien, darunter der Accademia delle Scienze di Torino und der Accademia Nazionale dei Lincei.

Er publizierte in philologischen, diplomatischen und paläographischen Bereichen. Leidenschaftlich sammelte er seltene Bücher und Handschriften. Im Laufe seiner über vierzigjährigen Lehrtätigkeit widmete er sich ausgiebig der systematischen Erforschung von Codices und Handschriften zu Quellen des römischen, kanonischen und germanischen Rechts. Intensiv nahm er sich der scientia iuris der (vor-)justinianischen römischen Tradition im frühen Mittelalter und im Zeitalter der Bologneser Wiedergeburt an, die er mit eigenen Erkenntnissen bei der Rekonstruktion befruchtete. Er setzte sich genauso mit den Vertretern der Historischen Rechtsschule, insbesondere Friedrich Carl von Savigny, auseinander.

Sein erstes, soziologisch beeinflusstes, Werk veröffentlichte Patetta 1890 in Turin mit dem übersetzten Titel: Die Gottesurteile. Eine Studie zur Rechtsgeschichte und zur vergleichenden Rechtswissenschaft. Weitere wichtige Werke sind seine drei Beiträge zur Geschichte des römischen Rechts im Mittelalter. Große Anerkennung erlangte er für seine kritischen Ausgaben von Quellen, darunter besonders hervorzuheben die der Summa Perusina. Mit seinem Tod hinterließ Patetta eine wertvolle Bibliothek von etwa 30.000 Bänden. In der bibliographischen Sammlung befinden sich Inkunabeln und Bücher aus dem 16. Jahrhundert. Ein Teil der Sammlung von Handschriften, Urkunden und Autographen, Pergamenten und sonstigen Dokumenten befindet sich seit Beendigung der Modernisierungsmaßnahmen in der römischen Vatikanischen Apostolischen Bibliothek. Ein weiterer Teil befindet sich in der Federico Patetta-Bibliothek in Turin, die ihm zu Ehren gegründet wurde.

Werke (Auswahl)

  • Le Ordalie. Studio di storia del diritto e scienza del diritto comparato. Turin 1890
  • Il Breviario alariciano in Italia. [zur lex Romana Visigothorum]; In: Archivio Giuridico, 1891
  • Contributi alla storia del diritto romano nel Medioevo. In: Bollettino di Diritto Romano., 1891/1892
  • La lex Frisionum. Studi sulla sua origine e sulla critica del testo. In: Memorie della Classe di Scienze Morali, Storiche e Filologiche Torino, 1892
  • Frammenti del Codice teodosiano, In: Memorie della Classe di Scienze Morali, Storiche e Filologiche, 1895
  • Adnotationes Codicum Domini Iustiniani (Summa Perusina). In: Bollettino di Diritto Romano., 1900
  • Studi storici e note sopra alcune iscrizioni medioevali. In: Memorie della Classe di Scienze Morali, Storiche e Filologiche, Modena, 1909
  • Corso di storia del diritto italiano, parte 1ª: Introduzione., Turin 1914
  • La legislazione di Emanuele Filiberto., Turin 1928
  • La «Nencia da Barberino» attribuita arbitrariamente a Lorenzo de’ Medici., Turin, 1942

Literatur

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