Felix Plaut

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Felix Plaut (geboren 7. Juli 1877 in Kassel; gestorben 27. Juni 1940 in Epsom, Surrey) war ein deutscher Psychiater und Serologe.

Leben

Übersetzung ins Englische
Aufsatz in der DMW 1906

Felix Plaut war ein Sohn des Bankiers Hermann Plaut und der Johanna Ullmann. Er machte 1896 das Abitur am Wilhelmsgymnasium Kassel. Er leistete Militärdienst bei den Hessischen Husaren und studierte Medizin in Genf und Berlin. Plaut wurde 1903 in München bei Otto von Bollinger promoviert. Er arbeitete ab 1904 als Volontärarzt und ab 1907 als unbezahlter Assistent bei Emil Kraepelin und leitete das serologische Laboratorium der Nervenklinik München. 1906 hielt er sich für sieben Monate am Robert-Koch-Institut in Berlin auf und arbeitete bei August von Wassermann zur Syphilis und zur Neurolues (GPI). Er habilitierte sich 1909 an der Universität München für das Fach Psychiatrie und wurde 1915 zum a.o. Professor für Psychiatrie ernannt. Er heiratete 1915 Adelheid Liepmann (1892–1980), eine entfernte Verwandte, die Ehe wurde 1929 geschieden. Plaut wurde 1918 zum Direktor des Serologischen Instituts der von Kraepelin gegründeten Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie (DFA) berufen; die Forschungsanstalt wurde 1924 in die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG) eingegliedert. Er war ab 1920 Mitherausgeber der Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie. 1925 begleitete Plaut Kraepelin auf einer Reise zu Forschungsinstitutionen in die USA, nach Mexiko und Kuba. 1932 schloss er sich der nationalliberalen Deutschen Volkspartei an.[1]

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde Plaut Opfer der antisemitischen Politik, obschon er im August 1932 die jüdische Religionsgemeinschaft verlassen hatte. Der Präsident der KWG Max Planck handelte mit dem Bayerischen Kultusministerium noch eine Bleiberegelung aus, die aber mit der Verabschiedung der Nürnberger Gesetze im November 1935 hinfällig wurde, und Plaut verlor seine Anstellung bei der KWG. 1936 wurde ihm aufgrund der 2. Verordnung des Reichsbürgergesetzes auch die Lehrbefugnis an der Münchener Universität entzogen.

Plaut konnte mit einem Stipendium der Rockefeller Foundation noch einige Forschungsarbeiten in München durchführen. Er emigrierte 1939 nach Großbritannien, wo er zeitweise am Morton Mental Hospital in Epsom tätig war. Es gelang es ihm jedoch nicht, eine feste Anstellung zu erhalten. Als ihm 1940 die Internierung als feindlicher Ausländer (Enemy Alien) drohte, nahm er sich das Leben.

Schriften (Auswahl)

  • August von Wassermann, Felix Plaut: Ueber das Vorhandensein syphilitischer Antistoffe in der Cerebrospinalflüssigkeit von Paralytikern, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift, Band 32, 1906, S. 1769–1772
  • Die Wassermannsche Serodiagnostik der Syphilis in ihrer Anwendung auf die Psychiatrie. 1909
  • Über Halluzinosen der Syphilitiker. Berlin: Springer, 1913
  • Felix Plaut, Otto Rehm, Hugo Schottmüller: Leitfaden zur Untersuchung der Zerebrospinalflüssigkeit. Jena: Fischer, 1913
  • Walther Spielmeyer, Felix Plaut: 4 Fälle aus der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie. In: Franz Nissl’s Beiträge, Band 2, 1, Berlin, 1923
  • Paralysestudien bei Negern und Indianern : Ein Beitrag zur vergleichenden Psychiatrie. Mit einem Geleitwort von Emil Kraepelin. Berlin: Julius Springer, 1926
  • Die theoretische Begründung der Wassermannschen Reaktion, in: Münchener Medizinische Wochenschrift, Band 78, 1931, S. 1461–1463

Literatur

Einzelnachweise

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