Felsenpinguin

Art der Gattung Schopfpinguine (Eudyptes) From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Felsenpinguin (Eudyptes chrysocome) ist eine Vogelart aus der Familie der Pinguine (Spheniscidae). Innerhalb der Gattung der Schopfpinguine ist der Felsenpinguin eine der kleinsten Arten. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 10 Jahren.[1]

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Felsenpinguin

Felsenpinguin (Eudyptes chrysocome)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Pinguine (Sphenisciformes)
Familie: Pinguine (Spheniscidae)
Gattung: Schopfpinguine (Eudyptes)
Art: Felsenpinguin
Wissenschaftlicher Name
Eudyptes chrysocome
(Forster, 1781)
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Erscheinungsbild

Felsenpinguine mit Nachwuchs kurz vor Ablegen des zweiten Daunenkleids
Felsenpinguine auf Saunders Island
Felsenpinguine am Meereszugang einer Kolonie, Falklandinseln

Felsenpinguine erreichen eine Körpergröße zwischen 45 und 58 Zentimeter und ein Gewicht von 2,3–4,5 kg.[1] Das Gewicht variiert erheblich im Verlauf eines Jahres, grundsätzlich sind sie am schwersten kurz vor der Mauser und können dann bis zu 3,8 Kilogramm schwer sein. Weniger gut ernährte Felsenpinguine haben gelegentlich aber auch ein Gewicht von nur zwei Kilogramm.[2] Grundsätzlich zählen sie zu den kleinsten Pinguinen überhaupt. Ein auffälliger Sexualdimorphismus besteht nicht, Weibchen sind allerdings tendenziell etwas kleiner. Das Gefieder zeigt keine jahreszeitlichen Variationen. Jungvögel können anhand ihrer Gefiederfärbung bis zu einem Alter von zwei Jahren von den adulten Felsenpinguinen unterschieden werden.[3]

Adulte Vögel haben einen schmalen gelben Überaugenstreifen, dessen Federn hinter dem Auge stark verlängert sind und abstehen; weiter zum Hinterkopf hin sind diese Federn in Längsrichtung gelb-schwarz gestreift und bilden dort einen locker anliegenden Schopf. Die Augen sind rot, der kurze, kräftige und wulstig aufgeworfene Schnabel ist rötlich-braun, Füße und Beine sind rosa, die Sohlen sind schwarz. Kopf und Gesicht sind ansonsten schwarz. Die Körperoberseite ist dunkel schiefergrau. Frisch gemausertes Gefieder schimmert bläulich. Abgenutztes Gefieder kurz vor der Mauser wirkt dagegen bräunlich. Die Körperunterseite ist weiß und scharf von der schwarzen Kehle abgesetzt. Die zu Flossen umgebildeten Flügel sind auf der Oberseite blauschwarz und auf der Unterseite weiß.

Jungvögel sind kleiner als adulte Vögel. Kinn und Kehle sind bei ihnen grau. Der Schnabel ist kleiner und matter gefärbt. Sie weisen entweder noch keine verlängerten Schopffedern auf oder diese sind deutlich kürzer als bei den adulten Vögeln. Das Gefieder der Küken ist vollständig schwarz und ohne jede Zeichnung, der Schnabel ebenso. Immature Tiere sind erkennbar an einem mattgelben Strich über dem Auge und einem rotbraunen Schnabel, aber fehlendem Schopf.

Verhalten

Obwohl die Tiere relativ klein sind, gelten sie als wehrhaft auch weit größeren Störern gegenüber. Felsenpinguine greifen unterschiedslos jedes Tier an, das in die Nähe ihres Nestes kommt, ob andere Pinguine, Albatrosse oder Menschen. Ihren Partnern gegenüber sind die Tiere hingegen ausgesprochen zärtlich und soziale Gefiederpflege ist üblich.

Lebensweise

Ernährung

Felsenpinguine sind Nahrungsgeneralisten; sie fressen alles, was sie fangen und verzehren können. Untersuchungen von Tieren auf den Falklandinseln wiesen in unterschiedlichen Anteilen Krebstiere (z. B. Euphausia, Thysanoessa, Themisto), Kalmare (Gonatus, Loligo, Onychoteuthis, Teuthowenia) und verschiedene kleine Fische nach. Meist jagen sie in Gruppen, selten aber in Tiefen über 100 m. Die durchschnittliche Schwimmgeschwindigkeit liegt bei 7,5 km/h. Auf ihren Streifzügen erreichen die Pinguine Tiefen von bis zu 170 m.[1]

Fortpflanzung

Eier des Felsenpinguins

Felsenpinguine sind nicht vor dem vierten Lebensjahr geschlechtsreif. Die Brutzeit beginnt im frühen Oktober mit der Ankunft der Männchen am Nistplatz, wenige Tage später folgen die Weibchen. Die Tiere kehren nicht nur jedes Jahr zum selben Nistplatz, sondern auch zum gleichen Nest zurück, das sie mit Steinen, Stöcken, Pflanzenteilen oder ähnlichem ausbessern. Die Kolonien befinden sich bevorzugt in abschüssigen Felsschluchten mit Zugang zu tiefem Wasser und können eine Größe von bis zu 100.000 Nestern bei einer Dichte von 1,5 bis 3 Nestern pro Quadratmeter erreichen. In den Kolonien brüten häufig auch Albatrosse und Kormorane und in ihrer Nähe findet sich offenes Süßwasser, da die Tiere regelmäßig baden und Süßwasser zu sich nehmen. Die Vegetation an den Koloniestandorten besteht aus Gräsern und niedrigen Zwergsträuchern; Nistplätze, die seit langem in Gebrauch sind, sind allerdings vegetationslos.

Sobald die Weibchen eingetroffen sind, beginnen die Kopulationen. Anfang November werden zwei Eier im Abstand von vier bis fünf Tagen gelegt, das erste wiegt rund 80 Gramm, das zweite rund 110 Gramm. Das zweite Ei liegt dabei hinter dem ersten, wo die Temperatur am stabilsten ist und das Ei weniger stark der Gefahr des Verlustes oder des Raubs unterliegt. Die Eltern bebrüten rund 33 Tage lang abwechselnd in drei annähernd gleich langen Schichten die Eier. In der ersten Schicht sind beide Elternteile am Nest, in der zweiten brütet nur das Weibchen, in der dritten nur das Männchen; der jeweils andere Partner geht auf die Jagd. Für die ersten 25 Tage nach dem Schlüpfen der Küken bleibt das Männchen am Nest. Danach haben die Küken ihr zweites Dunenkleid entwickelt, verlassen die Nester und bilden mit anderen Küken Gruppen, die es beiden Eltern erlauben, das Nest zu verlassen und auf Jagd zu gehen, um den wachsenden Nahrungsbedürfnissen des Kükens nachzukommen (pro Fütterung zu dieser Zeit rund 600 Gramm). Unter guten Bedingungen können aber auch zwei gesunde Küken aufgezogen werden. Im Alter von 10 Wochen werden die Jungen dann flügge, 20 bis 25 Tage später verlassen die Tiere den Nistplatz.

Feinde

Ausgewachsene Tiere haben an Land keine natürlichen Feinde, im Meer hingegen werden sie Beute von Haien, Orcas, Seebären, Mähnenrobben und Seelöwen.[1] Eier und Küken werden von Raubmöwen, Möwen und Geierfalken gefressen. Auf einigen Inseln sind Feinde auch von Menschenhand eingeführt worden, so Katzen oder Ratten.

Verbreitung, Bestandsentwicklung und Status

Rot, das Verbreitungsgebiet des Felsenpinguins

Der Felsenpinguin kommt im südwestlichen Atlantik von der Küste Argentiniens über die Falklandinseln bis nach Südgeorgien vor, außerdem bei Feuerland und an den Küsten der chilenischen Región de Magallanes y de la Antártica Chilena. Im Süden reicht sein Verbreitungsgebiet bis zur Nordspitze der Antarktischen Halbinsel. Er brütet vor allem auf den Falklandinseln, den Inseln südlich von Feuerland und vor der Küste des südlichen Chile. Der Bestand der Art wurde 2025 auf fast 400.000 Brutpaare geschätzt.[4]

Er ist in den letzten 30 Jahren allerdings drastisch um über 30 % zurückgegangen. Am dramatischsten war der Rückgang auf den Falklandinseln; hier sank der Bestand von 2,5 Millionen Brutpaaren im Jahr 1984 auf rund 300.000 Brutpaare im Jahr 1995, ein Rückgang um 88 %. Grund war die Überfischung der Gewässer um die Falklandinseln, die dazu führte, dass die Tiere keine ausreichenden Fettreserven für die Brutzeit aufbauen konnten und zu hunderttausenden verhungerten. Obgleich sich die Bestände um die Falklandinseln als Folge gesetzlicher Regulierung erholt und stabilisiert haben, ist der Gesamtbestand der Art nach wie vor rückgängig. Hauptgrund ist unverändert der Fischfang, neuere Gefährdungen sind vor allem Ökotourismus, Meeresverschmutzung und der Klimawandel, der das Nahrungsangebot verändert. Als Konsequenz aus dieser Bestandsverringerung wird die Art vom IUCN als vulnerable, also „gefährdet“, eingestuft.

Systematik

Der Felsenpinguin bekam seinen ersten wissenschaftlichen Namen (Aptenodytes chrysocome) 1781 durch den deutschen Naturwissenschaftler Johann Reinhold Forster.[5] Die Gattung Eudyptes wurde 1816 durch den französischen Ornithologen Louis Pierre Vieillot eingeführt, mit Aptenodytes chrysocome als Typusart.[6] 1878 beschrieb der britische Zoologe Frederick Wollaston Hutton eine sehr ähnliche Pinguinart von Campbell Island als Eudyptes filholi[7] und 1921 beschrieben die australischen Ornithologen Mathews und Iredale eine Unterart von Tristan da Cunha als Eudyptes serresiana moseleyi.[8] Eudyptes serresiana ist heute ein Synonym von Eudyptes chrysocome.[9] Sowohl Eudyptes filholi als auch Eudyptes chrysocome moseleyi wurden lange Zeit als konspezifisch mit Eudyptes chrysocome angesehen oder galten als Unterarten. Verschiedene, zwischen 2006 und 2021 veröffentlichte Studien, zeigten jedoch, dass es sich beim Felsenpinguin um einen Artenkomplex handelt mit drei Kladen, die getrennte Verbreitungsgebiete haben, sich nicht vermischen und die morphologisch und äußerlich unterschiedlich sind.[10][11][12][13][14] Der Tristanpinguin (Eudyptes moseleyi) und der Kerguelenpinguin (Eudyptes filholi) bekamen daraufhin den Status eigenständiger Arten. Felsenpinguin und Kerguelenpinguin sind Schwesterarten, die von beiden gebildete Klade ist die Schwestergruppe des Tristanpinguins. Alle drei zusammen bilden die Schwestergruppe einer vom Goldschopfpinguin (E. chrysolophus) und vom Haubenpinguin (E. schlegeli) gebildeten Klade.[15]

Literatur

  • Mike Bingham: Penguins of the Falkland Islands & South America. 2001, ISBN 0-7596-3335-5, S. 38–47.
  • Hadoram Shirihai: A Complete Guide to Antarctic Wildlife. The Birds and Marine Mammals of the Antarctic Continent and Southern Ocean. Alula Press, Degerby 2002, ISBN 951-98947-0-5.
  • Tony D. Williams: The Penguins. Oxford University Press, Oxford 1995, ISBN 0-19-854667-X.

Einzelnachweise

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