Filipstadit

sehr seltenes Mineral, Mangan-Antimon-Oxid From Wikipedia, the free encyclopedia

Filipstadit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der Endgliedzusammensetzung (Fe3+0,5Sb5+0,5)Mn2+2O4.[1] Filipstadit ist damit chemisch gesehen ein Eisen-Antimon-Mangan-Oxid, wobei der Strukturplatz von Eisen beziehungsweise Antimon etwa zu gleichen Teilen von ihnen besetzt wird.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Filipstadit
Schwarze Filipstadit-Kristalle mit Jakobsit aus Långban, Schweden
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1987-010[1]

IMA-Symbol

Fps[2]

Chemische Formel
  • (Fe3+0,5Sb5+0,5)Mn2+2O4[1]
  • Mn2(Sb,Fe)O4[3]
  • (Mn2+,Mg)4Sb5+Fe3+O8[4]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IV/B.05-070[5]

4.BB.05
07.02.13.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol hexakisoktaedrisch; 4/m32/m
Raumgruppe Fd3m (Nr. 227)Vorlage:Raumgruppe/227
Gitterparameter a = 25,93 Å[6]
Formeleinheiten Z = 216[6]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6 bis 6,5[5] (VHN100 = 792–882, durchschnittlich 831[4])
Dichte (g/cm3) berechnet: 4,9[4]
Spaltbarkeit fehlt[5]
Bruch; Tenazität muschelig; spröde[4]
Farbe schwarz; im Auflicht grau mit braunen oder bernsteinorangen bis roten Innenreflexen[4]
Strichfarbe braun[4]
Transparenz undurchsichtig[4]
Glanz Metallglanz[4]
Kristalloptik
Optischer Charakter zweiachsig[7]
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Filipstadit kristallisiert im kubischen Kristallsystem, konnte jedoch bisher nur in Form von winzigen, oktaedrischen Kristallen bis etwa 200 μm Größe sowie als krustige Überzüge auf Jakobsit und Hausmannit entdeckt werden. Das Mineral ist undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der schwarzen im Auflichtmikroskop auch grau erscheinenden Kristalle und Aggregate einen metallischen Glanz. Seine Strichfarbe ist dagegen braun.

Etymologie und Geschichte

Luftaufnahme der Grubensiedlung Långban, Gemeinde Filipstad (1989)

Während der Analyse von Ingersonit, einem 1988 neuen Ca-Mn-Antimonatmineral aus der berühmten Grubensiedlung Långban innerhalb der schwedischen Gemeinde Filipstad fiel den Erstbeschreibern Pete J. Dunn, Donald R. Peacor, Alan J. Criddle und Chris J. Stanley ein weiteres bisher unbekanntes, undurchsichtiges Mineral. Aufgrund der Daten aus Röntgenbeugung und chemischer Analyse legten den Schluss nahe, dass das zweite neu entdeckte Mineral mit den Spinellen verwandt ist. Dunn, Peacor, Criddle und Stanley benannten das Mineral nach dem Gemeinde-Hauptort Filipstad, die etwa 20 km südlich von Långban liegt.

Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1987 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1987-010[1]), die den Filopstadit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Filipstadit lautet „Fps“.[2]

Das Typmaterial (Holotyp) des Minerals wird im Natural History Museum in London (England) unter den Katalog-Nr. 1986,410:E1177 und 1986,411:E1178 sowie im National Museum of Natural History in Washington, D.C. (USA) unter der Katalog-Nr. 163012A aufbewahrt.[8]

Klassifikation

Die strukturelle Klassifikation der IMA zählt den Filipstadit zur Spinell-Supergruppe, wo er zusammen mit Ahrensit, Brunogeierit, Qandilit, Ringwoodit, Tegengrenit und Ulvöspinell die Ulvöspinell-Untergruppe innerhalb der Oxispinelle bildet.[9]

Da der Filipstadit erst 1987 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/B.05-070. Dies entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 3 : 4 (Spinelltyp M3O4 und verwandte Verbindungen)“, wo Filipstadit zusammen mit Harmunit, Hausmannit, Hetaerolith, Hydrohetaerolith, Iwakiit, Marokit, Tegengrenit, Wernerkrauseit und Xieit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer IV/B.05 bildet.[5]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Filipstadit ebenfalls in die Abteilung „Metall : Sauerstoff = 3 : 4 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es zusammen mit Chromit, Cochromit, Coulsonit, Cuprospinell, Franklinit, Gahnit, Galaxit, Hercynit, Jakobsit, Magnesiochromit, Magnesiocoulsonit, Magnesioferrit, Magnetit, Manganochromit, Qandilit, Spinell, Trevorit, Ulvöspinell, Vuorelainenit und Zincochromit die „Spinellgruppe“ mit der Systemnummer 4.BB.05 bildet.[10]

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Filipstadit die System- und Mineralnummer 07.02.13.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Mehrfache Oxide“, wo das Mineral zusammen mit Tegengrenit in der unbenannte Gruppe 07.02.13 innerhalb der Unterabteilung „Mehrfache Oxide (A+B2+)2X4, Spinellgruppe“ zu finden ist.

Kristallstruktur

Filipstadit kristallisiert kubisch in der Raumgruppe Fd3m (Raumgruppen-Nr. 227)Vorlage:Raumgruppe/227 mit dem Gitterparameter a = 25,93 Å sowie 216 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[6]

Bildung und Fundorte

Filipstadit bildete sich in metamorphisierten Eisen-Mangan-Erzkörpern. An seiner Typlokalität Långban fanden sich neben dem dort ebenfalls erstmals entdeckten Ingersonit noch Calcit, Jakobsit und gediegen Antimon als weitere Begleitminerale.

Der bisher einzige weitere bekannte Fundort (Stand 2023) ist die nahe gelegene Grube Jakobsberg bei Nordmark, die ebenfalls zur Gemeinde Filipstad gehört.[11]

Siehe auch

Literatur

  • Pete J. Dunn, Donald R. Peacor, Allan J. Criddle, Chris J. Stanley: Filipstadite, a new Mn-Fe3+-Sb derivative of spinel, from Långban, Sweden. In: American Mineralogist. Band 73, 1988, S. 413–419 (englisch, rruff.info [PDF; 694 kB; abgerufen am 7. März 2026]).
  • Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig: Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S. 310.
  • Paola Bonazzi, Laura Chelazzi, Luca Bindi: Superstructure, crystal chemistry, and cation distribution in filipstadite, a Sb5+-bearing, spinel-related mineral. In: American Mineralogist. Band 98, Nr. 2–3, 2013, S. 361–366, doi:10.2138/am.2013.4259 (englisch).
Commons: Filipstadite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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