Fixe Idee
Denkstörung
From Wikipedia, the free encyclopedia
Eine fixe Idee (lateinisch idea fixa ‚unveränderliche Idee‘)[1][2][3] ist als „geflügeltes Wort“ Bestandteil der (gehobenen) Umgangssprache.[4] Das Deutsche Wörterbuch definiert fixe Idee als „eine Vorstellung, die die Seele unaufhörlich und alle andere Vorstellungen beherrschend, einnimmt“.[5]
Begriffsgeschichte
Der deutsche Begriff erscheint in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts z. B. bei Jean Paul,[6][7] Novalis (1798/99) und Johann Adam Bergk (1799; die Vermutung des 1998er Büchmann zum Ursprung des Ausdrucks ist falsch).[8]
Google-Buchsuchen fördern zusammen etwa 50 Titel aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts zu Tage (Stand 2020),[9][10] darunter Johann Christoph Adelungs Geschichte der menschlichen Narrheit, Werke der Theologen Jakob Danzer, Johann Jahn[11] und Samuel Friedrich Nathanael Morus,[12] vermischte Schriften des Philosophen Christian August Clodius[13] sowie ein Philosophielehrbuch Karl Heinrich Ludwig Pölitz’ mit psychologisch-psychiatrischen Inhalten.[14] Weiter finden sich Besprechungen in Rezensionszeitschriften wie der Allgemeinen Literatur-Zeitung (teils zu psychologisch-psychiatrischen Themen).[11][10][12]
Psychiatrie
Bei einer fixen Idee konzentrieren sich alle Gedanken auf ein Kernthema. Abgesehen davon denken die Betroffenen ansonsten logisch, so dass sie für vernünftig gehalten werden, wenn das kritische Gebiet nicht berührt wird.
Rainer Tölle bezeichnete fixe Idee und überwertige Idee 2008 als überholte Termini und verwendete stattdessen emotional überwertete Vorstellungen.
Begriffliche Abgrenzung
- Monomanie: Die Bezeichnung wird aktuell nicht mehr benutzt, auch nicht laienhaft und hat nur historische Bedeutung, dort wesentlich als Krankheitsbegriff. Das Monomanie-Konzept wird in der modernen Psychiatrie abgelehnt.
- Fixe Idee: Es handelt sich um einen Laien-Begriff, der auch literarisch verwendet wurde (z. B. Kapitän Ahab in Moby-Dick). Er hat eine abfällige Konnotation (Bedeutung). Eine Abgrenzung zu Wahn und Zwang wird kaum wahrgenommen. In der Musik gibt es den Begriff der Idee fixe (Kernthema, Leitmotiv).
- Das Merkmal „überwertige Idee“ als psychopathologischer Begriff wird aktuell in der Psychiatrie benutzt. Es bezeichnet keine Krankheit an sich (die jedoch zu einer Folge der (inhaltlichen) Denkstörung werden kann). Es wird strikt von Zwang (Ich-dyston) und Wahn (Ich-synton; bei voller Ausprägung unkorrigierbar) abgegrenzt.
Trivia
In der belgisch-französischen Comic-Serie Asterix gibt es das Hündchen Idefix, das (nach der Erscheinungsfolge des französischen Originals) erstmals in dem Heft Tour de France auftritt. Wie eine fixe Idee begleitet Idefix die Helden der Erzählung, wird aber erst ganz am Ende von Obelix wahrgenommen.[15]
Siehe auch
- Idée fixe (Begriffsklärung)
- Magisches Denken
- Perseveration
- überwertige Idee
- Monomanie
Literatur
- Rudolf Zacharias Becker: Vorlesungen über die Pflichten und Rechte des Menschen. Band 1. Expedition der Deutschen Zeitung, Gotha 1791, OCLC 633538957, S. 388, Fußnote (Volltext in der Google-Buchsuche): „Eine fixe Idee nennt man einen Gedanken, der in der Seele mit so vielen andern Gedanken vereinigt ist, daß er uns beständig im Gemüthe schwebt, und uns wider unsern Willen immer vorkommt. […]“
- Leonard Meister: Über die Einbildungskraft in ihrem Einfluß auf Geist und Herz. Orell, Gessner, Füssli und Comp., Zürich 1795, OCLC 967208704, Kapitel V. Fixe Ideen, S. 31–35 (Volltext in der Google-Buchsuche).
- Friedrich Wilhelm Hagen junior: Fixe Ideen. In: Studien auf dem Gebiete der aerztlichen Seelenkunde. Gemeinfassliche Vortraege von Dr. Friedrich Wilhelm Hagen, kgl. Oberarzt und Vorstand der Kreis-Irrenanstalt, Professor an der Universität zu Erlangen. Eduard Besold, Erlangen 1870, S. 39–85 (Volltext in der Google-Buchsuche, HTML-Fassung – 2016 nachgedruckt als ISBN 978-3-7436-0735-4).
- Carl Wernicke: Ueber fixe Ideen. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift. Band 18, Nr. 25, 1892, S. 581 f., doi:10.1055/s-0029-1199224.
- Peter Haffner: Die fixe Idee. 13 Versuche, die Welt zu erklären; Einstein, Scheerbart, Schliemann, Pauling, Fort, von Däniken, Doyle, Oken, Reich, Linné, Poe, Miller, Svev. NZZ, Zürich 1999, ISBN 3-85823-621-7 (als Taschenbuch: Die fixe Idee, 13 Genies und ihre Spleens. dtv 20208, München 2002, ISBN 3-423-20208-4).
- Theo R. Payk: Psychopathologie: Vom Symptom zur Diagnose. 4., vollständig überarbeitete Auflage. Springer-Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-662-45531-9, S. 222 (Volltext in der Google-Buchsuche).
Weblinks
- Eintrag eine fixe Idee im Redensarten-Index
- Fixe Idee. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 6: Erdeessen–Franzén. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1906, S. 638 (Digitalisat. zeno.org).