Fleckentaube

Art der Gattung Amerikanische Feldtauben (Patagioenas) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Fleckentaube (Patagioenas maculosa, Syn.: Columba maculosa), gelegentlich auch Maskentaube oder Streifentaube genannt, ist eine Art innerhalb der Gattung der Amerikanischen Feldtauben. Es ist eine große, kräftig gebaute und im Verhältnis zur Körpergröße kurzschwänzige Taube mit perlenförmigen Tropfen auf den Flügeldecken, die in Südamerika vorkommt. Es werden zwei Unterarten unterschieden.[1]

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Fleckentaube

Fleckentaube

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
Familie: Tauben (Columbidae)
Gattung: Amerikanische Feldtauben (Patagioenas)
Art: Fleckentaube
Wissenschaftlicher Name
Patagioenas maculosa
(Temminck, 1813)
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Die Bestandssituation wurde 2016 in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN als „Least Concern (LC)“ = „nicht gefährdet“ eingestuft. Sie ist in großen Teilen ihres Verbreitungsgebietes häufig und wird teilweise als landwirtschaftlicher Schädling eingestuft.

Merkmale

Fleckentauben erreichen eine Körperlänge von 35 Zentimeter und entspricht damit knapp der Größe einer Hohltaube.[2] Der Geschlechtsdimorphismus ist kaum ausgeprägt. Das Gewicht beträgt zwischen 308 und 345 Gramm.[1]

Die Männchen der Nominatform Patagioneas maculosa maculosa haben einen dunkelgrauen Scheitel und Nacken mit einem dunkelvioletten Glanz. Der Mantel und die Flügeldecken sind dunkelbraun, die Federn der Flügeldecken weisen dabei am Ende einen dreieckigen weißlichen Fleck auf. Die Handschwingen sind dunkelgrau und schmal weiß gesäumt. Die Armschwingen sind gleichfalls schwarzgrau mit einem schmalen grauen Saum. Der Rücken und der Bürzel sowie die Oberschwanzdecken sind blaugrau. Die Oberschwanzdecken sind lang und die Schwanzfedern ragen nur wenige Zentimeter über die Oberschwanzdecken hinaus. Sie sind dunkelgrau mit einer schwarzen Endbinde.

Kinn und Kehle sind grauweiß und gehen in ein grauviolett auf Brust und Bauch über. In Richtung der Unterschwanzdecken geht das Gefieder in ein dunkles bis bläuliches Grau über. Der Schnabel ist kurz und dünn und von dunkelgrauer bis schwarzer Farbe, die Wachshaut am Schnabelansatz ist puderweiß. Die Beine und Füße sind dunkelrot. Die Iris ist weißgrau.

Weibchen sind ähnlich gefärbt wie die Männchen, jedoch insgesamt etwas grauer. Jungvögel gleichen den Weibchen, bei ihnen sind die Flecken auf den Flügeldecken jedoch noch verwaschener.

Die Unterart Patagioneas maculosa allipennis ist auf den Flügeldecken weniger stark als die Nominatform gefleckt. Bei ihr sind jedoch die Säume an den äußeren Flügelfedern breiter. Sie bildenden am Flügelrand einen weißen Streif.

Die Rufe der Fleckentaube ist ein dunkles, raues Gurren.[3]

Verwechselungsmöglichkeiten

Die Picazurotaube ist eine der Arten, mit denen die Fleckentaube verwechselt werden kann. Ihr fehlt jedoch das Fleckenmuster auf den Flügeldecken.

Verwechselungsmöglichkeiten bestehen mit einer Reihe von Taubenarten, mit deren Verbreitungsgebiet sich das der Fleckentaube überlappt. Ähnlichkeit bestehen mit der verwilderten Haustaube, die im gesamten Verbreitungsgebiet der Fleckentaube vorkommt. Das Verbreitungsgebiet der Fleckentaube überlappt sich außerdem mit einer Unterart der Schuppenhalstaube und der Nominatform der Picazurotaube, die beide zur gleichen Gattung gehören.

Der Schuppenhalstaube fehlen die Abzeichen auf den Flügeldecken, sie hat außerdem einen längeren Schwanz, einen gelben Schnabel und am Hinternacken dunkel irisierende Abzeichen. Die Picazurotaube ähnelt der Fleckentaube sowohl in der Gestalt als auch im Flugbild. Die Körperunterseite der Picazurotaube ist jedoch rotviolett und sie hat an den Halsseiten schuppenartige Abzeichen.

Verbreitung und Lebensraum

Verbreitungsgebiet (grün) der Fleckentaube

Das Verbreitungsgebiet der Fleckentaube ist disjunkt. Sie kommt in Peru und Bolivien in offenen Waldgebieten und auf landwirtschaftlichen Flächen in Höhenlagen zwischen 2000 und 4200 Höhenmetern vor. Sie ist in dieser Region auch in besiedelten Gebieten anzutreffen und gehört zum Stadtbild in Cusco und den Städten der bolivianischen Altiplano.[1] Auf der Ostseite der Andenkette ist sie in Vorgebirgen bis in Höhenlagen von 1000 Metern anzutreffen. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst hier Paraguay, Argentinien bis zum Südwesten Brasiliens.

Die Fleckentaube besiedelt aride bis semiaride Gebiete. Sie ist auf Nistbäume angewiesen und profitiert von der Anlage von Eukalyptusbaum-Plantagen und anderen Aufforstungen. Ihr Bestand hat deswegen in Teilen ihres Verbreitungsgebietes stark zugenommen. Sie gilt teilweise als landwirtschaftlicher Schädling, weil sie Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen anrichtet. Sie ist in den Tiefebenen Argentiniens beispielsweise dafür bekannt, auf mit Sonnenblumen bebauten Feldern größere Schäden anzurichten.[1]

Lebensweise

Fleckentauben kommen normalerweise in kleinen Trupps vor. Außerhalb der Brutperiode bilden sich jedoch auch sehr große Schwärme, die gelegentlich auch mit der Picazurotaube vergesellschaftet sind. Die Fleckentaube sucht ihre Nahrung überwiegend auf dem Boden, wo sie Sämereien und Getreide aufnimmt. Sie frisst außerdem auch Schösslinge und frische Blätter sowie auf den Boden herabgefallene Früchte. Sie wurde bis jetzt aber nicht dabei beobachtet, dass sie auf Bäumen Früchte frisst.[2]

Die Fortpflanzungszeit variiert mit dem Verbreitungsgebiet. In Rio Grande do Sul, dem südlichsten Bundesstaat Brasiliens, brütet sie im Oktober. In Argentinien dagegen brütet sie ganzjährig. In den Andenregionen schreitet sie dagegen von Oktober bis zum Einsetzen der Regenzeit. Sie nistet in Bäumen. Das Nest ist eine lose Plattform. Das Gelege besteht aus zwei Eiern.[1]

Unterarten

Es sind folgende Unterarten bekannt:[4]

  • Patagioenas maculosa albipennis (Sclater, PL & Salvin, 1876)[5] kommt im zentralen Peru über das westliche Bolivien und nordwestliche Argentinien vor.
  • Patagioenas maculosa maculosa (Temminck, 1813)[6] ist im südlichen Bolivien über das südöstliche Brasilien und Paraguay und das südliche zentrale Argentinien verbreitet.

Chloroenas fallax Schlegel, 1873[7] wird heute als Synonym zur Nominartform betrachtet.

Etymologie und Forschungsgeschichte

Die Erstbeschreibung der Fleckentaube erfolgte 1813 durch Coenraad Jacob Temminck unter dem wissenschaftlichen Namen Columba Maculosa. Als Verbreitungsgebiet gab er Paraguay , an, basierend auf Félix de Azaras Paloma de las cobaijas manchadas[8] aus dem Jahr 1805.[6] 1853 führte Ludwig Reichenbach die Gattung Patagioenas für die Weißscheiteltaube ein.[9][A 1] Der Begriff leitet sich vom griechischen παταγη patagē für klappern, klatschen und οινας, οιναδος oinas, oinados für Taube ab.[10] Der Artname maculosa hat seinen Ursprung in lateinisch maculosus, maculare, macula gepunktet, gefleckt, punkten, Punkt, Flecken.[11] Albipennis ist ein Wortgebilde aus lateinisch albus weiß und lateinisch pennis, penna Flügel, flügelig, Feder.[12] Schließlich bedeutet fallax lateinisch fallax, fallacis, fallere falsch, trügerisch, täuschen.[13] Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay keinen Balg zur Verfügung. Er sah die Art nur mit Sicherheit in Argentinien und Uruguay. Das beschriebene Exemplar durch Azara sah er nicht auf dem Staatsgebiet von Paraguay. Schlegels Unterart ordnete er Patagonien zu. Somit sah er keine gesicherten Nachweis für das Land.[14]

Haltung

Die Fleckentaube wurde 1870 erstmals durch den Londoner Zoo nach Europa importiert und noch im gleichen Jahr erfolgreich nachgezüchtet. Ein im Berliner Zoo gehaltenes Exemplar dieser Art erreichte ein Lebensalter von 25 Jahren.[15]

Literatur

  • Félix de Azara: Apuntamientos para la historia natural de los páxaros del Paragüay y Rio de la Plata. Band 3. Impr. de la viuda de Ibarra, Madrid 1805, S. 10–11 (biodiversitylibrary.org).
  • Peter H. Barthel, Christine Barthel, Einhard Bezzel, Pascal Eckhoff, Renate van den Elzen, Christoph Hinkelmann, Frank Dieter Steinheimer: Die Vögel der Erde – Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen. 3. Auflage. Deutsche Ornithologen-Gesellschaft, Radolfzell 2022 (do-g.de [PDF]).
  • Marvin Ralph Browning, Burt Leavelle Monroe, Jr.: Clarifications and corrections of the dates of issue of some publications containing descriptions of North American birds. In: Archives of Natural History. Band 18, Nr. 3, 1991, S. 381405, doi:10.3366/anh.1991.18.3.381.
  • David Gibbs, Eustace Barnes, John Cox: Pigeons and Doves. A Guide to the Pigeons and Doves of the World. Pica Press, Alfeld-Sussex 2001, ISBN 90-74345-26-3.
  • Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939, S. 132 (google.de).
  • Ludwig Reichenbach: Avium Systema Naturale. Das natürliche System der Vögel mit hundert Tafeln grösstentheils Original-Abbildungen der bis jetzt entdecken fast zwölfhundert typischen Formen. Vorläufer einer Iconographie der Arten der Vögel aller Welttheile welche, nachdem bereits fast dreitausend Abbildungen erschienen sind, ununterbrochen fortgesetzt wird. Friedrich Hofmeister, Dresden und Leipzig 1853, S. XXV (biodiversitylibrary.org 1850).
  • Gerhard Rösler: Die Wildtauben der Erde – Freileben, Haltung und Zucht. Verlag M. & H. Schaper, Alfeld-Hannover 1996, ISBN 3-7944-0184-0.
  • Hermann Schlegel: Muséum d'Histoire Naturelle des Pays-Bas. Revue méthodique et critique des collections déposées dans cet établissement. 4 (Columbae), Lieferung 35. E. J. Brill, Leiden 1873, S. 1–180 (biodiversitylibrary.org).
  • Philip Lutley Sclater, Osbert Salvin: On Peruvian Birds collected byy Mr. Whitely. In: Proceedings of the Scientific Meetings of the Zoological Society of London for the Year 1876. Nr. 1, 1876, S. 15–19 (biodiversitylibrary.org).
  • Coenraad Jacob Temminck: Histoire naturelle générale des pigeons et des gallinacés: ouvrage en trois volumes accompagné de Planches anatomiques. Band 1. J.C. Sepp & fils, G. Defus, Amsterdam. Paris 1813, S. 113, 450 (biodiversitylibrary.org).
Commons: Fleckentaube – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege

Anmerkungen

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