Florent Guillain

französischer Politiker, Mitglied der Nationalversammlung From Wikipedia, the free encyclopedia

Florent Antoine Guillain (geboren am 7. Februar 1844 in Paris; gestorben am 19. April 1915 ebenda) war ein französischer Ingenieur des Corps des ingénieurs des ponts et chaussées und Politiker der Dritten Republik.

Florent Guillain
Le comité des Forges de France, Guillain erste Reihe 5. von links

Leben

Als Absolvent der École polytechnique wurde er 1868 nach seinem Abschluss an der École nationale des ponts et chaussées (Hochschule für Brücken- und Straßenbau) mit dem Dienst des ersten Seebezirks betraut (der die Häfen der Départements Nord und Pas-de-Calais umfasste). In den dreizehn Jahren, in denen er dieses Amt bekleidete, führte er große Bauvorhaben durch, insbesondere in Dünkirchen, Calais und Boulogne-sur-Mer. Er beendete seine Karriere als Generalinspektor für Brücken- und Straßenbau und Direktor im Ministerium für öffentliche Arbeiten.[1][2]

Er war in einer Vielzahl von industriellen Organisationen tätig: Präsident der Compagnie des forges et aciéries de la Marine et d’Homécourt (Eisen- und Stahlwerke der Marine und von Homécourt), der Compagnie française pour l’exploitation des procédés Thomson-Houston (Französisches Unternehmen für die Nutzung der Thomson-Houston-Verfahren) und der Société des mines d’Anderny-Chevillon (Bergbaugesellschaft Anderny-Chevillon); Verwaltungsrat der Compagnie universelle du canal maritime de Suez, der Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée, der Société des Ateliers et chantiers de France (Gesellschaft der Werkstätten und Werften Frankreichs) und Geschäftsführer der Compagnie des mines d’Anzin (Bergbaugesellschaft von Anzin). Als Zensor der Banque de France[A 1] war er Vorsitzender des Comité des forges de France, der Union des industries et métiers de la métallurgie, der Union des syndicats de l’électricité und des Syndicat des fabricants et des constructeurs de matériel de chemins de fer (Gewerkschaft der Hersteller und Konstrukteure von Eisenbahnmaterial) sowie Vizepräsident des Comité de l’Asie française.[1]

Parallel dazu verfolgte er eine politische Karriere: Von 1894 bis 1906 war er Generalrat des Kantons Dunkerque-Est, von 1896 bis 1910 Abgeordneter des 1. Wahlkreises von Dunkerque und zeitweilig Vizepräsident der Kammer. Er gehörte den Républicains progressistes an. 1898/99 war er Kolonialminister in zwei Regierungen Charles Dupuys.[1] In seine Amtszeit fiel die mit äußerster Brutalität durchgeführte Mission Voulet-Chanoine im Tschad. Guillain enthob die Anführer ihres Kommandos und ordnete ihre Festnahme an, worauf diese meuterten und später von ihrer eigenen Truppe getötet wurden.[3]

Guillain wurde als Kommandeur der Ehrenlegion ausgezeichnet.[4] Nach ihm ist eine Schleuse im Hafen von Dünkirchen benannt, neben der 1923 eine Büste errichtet wurde, die seit 1980 am Eingang des Hafens steht.[5]

Commons: Florent Guillain – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. Der Zensor ist ein überwachendes Organ in der Gesellschaft; der Banque de France-Artikel beschreibt ihn mit Aufsichtsräte (censeurs), die das Bankmanagement überwachten. Siehe auch Censeur (entreprise) in der französischsprachigen Wikipédia.

Einzelnachweise

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