Flugplatz Worms

Flugplatz in Rheinland-Pfalz From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Flugplatz Worms (ICAO-Code: EDFV) liegt südlich der rheinland-pfälzischen Stadt Worms an der Kreisstraße 7 und zwischen der L 523 und der B 9 auf flacher Ebene. Er ist als Verkehrslandeplatz[1] klassifiziert. Hier haben Motorflugzeuge mit einem zulässigen Höchstgewicht bis 10 t,[3] Hubschrauber, Motorsegler, Segelflugzeuge sowie Ultraleichtflieger eine Landeerlaubnis.

Schnelle Fakten Kenndaten, Verkehrsanbindung ...
Flugplatz Worms
Worms (Rheinland-Pfalz)
Worms (Rheinland-Pfalz)
Worms
Lokalisierung von Rheinland-Pfalz in Deutschland
Kenndaten
ICAO-Code EDFV
Flugplatztyp Verkehrslandeplatz
Koordinaten 49° 36′ 23″ N,  22′ 1″ O
Höhe über MSL 90 m (295 ft)
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 3 km südlich von Worms
Straße B9
Nahverkehr VRN Bus 409 (2 km entfernt)
Basisdaten
Eröffnung 1955
Betreiber Flugplatz GmbH Worms[1]
Flug-
bewegungen
40.720[2]
Beschäftigte 8
Start- und Landebahnen
06/24 800 m × 23 m Asphalt
06/24 Gras 920 m × 30 m Gras
Schließen



i7 i11 i13

Hangars auf dem Flugplatz Worms
Tower mit Restaurant

Infrastruktur

Start- und Landebahnen

Den Piloten stehen zwei Landebahnen zur Verfügung: eine 800 Meter lange und 23 Meter breite Asphaltpiste mit zertifizierter Nachtflugbefeuerung und APAPI sowie eine 920 Meter lange und 30 Meter breite Grasbahn. Die Asphaltpiste 06/24 verfügt über ein PAPI-System mit 3,8° für Piste 06 und 4,4° für Piste 24.[4]

Weitere Einrichtungen

Außerdem ist eine Tankstelle vorhanden, die den Flugbetrieb mit Treibstoff versorgt. Eine Gaststätte "Zum Propeller" befindet sich ebenfalls am Flugplatz und dient sowohl Piloten als auch Besuchern.[5]

Luftraum und Platzrunde

Die veröffentlichte Platzrunde für motorgetriebene Luftfahrzeuge ist südlich der Start-/Landebahn in 1300 Fuß über Meereshöhe (1300 MSL), direkt angrenzend an die ehemalige Kontrollzone des Militärflugplatzes der Coleman Barracks. Die Platzrunde für Segelflugzeuge verläuft im Norden des Platzes (ohne Höhenangabe). Der Flugplatz liegt in unmittelbarer Nähe zur Kontrollzone Mannheim sowie zum Luftraum Charlie Frankfurt, was eine besondere Aufmerksamkeit der Piloten erfordert.[6]

Geschichte

Frühe Anfänge

Die Geschichte der Luftfahrt in Worms reicht bis in die frühen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts zurück. Zunächst wurde auf der Bürgerweide, einem Gelände im Osten des heutigen Flugplatzes, geflogen. Die Bürgerweide war ursprünglich eine Weidefläche für das Vieh der Wormser Bürger und befand sich seit etwa 1200 im Besitz der Stadt.[7]

Gründung des modernen Flugplatzes

Das heutige Gelände, damals ein tiefgelegenes Sumpfland, wurde durch die Luftsportvereine 1955 gepachtet. Nach aufwendigen Trockenlegungsarbeiten wurde eine 500 Meter lange Grasbahn errichtet, die für Motorflugzeuge bis 2000 kg Gewicht zugelassen wurde. Als im Jahr 1955 Deutschland seine Lufthoheit zurückerhielt und auch Motorflug wieder erlaubt wurde, erwachte im Luftsportverein Worms das Interesse an der Fliegerei mit Motor. 1957 konnte das erste Motorflugzeug des Vereins, eine Piper L4, erworben werden und es wurden die ersten Motorflugschüler ausgebildet. Im selben Jahr wurde die heute noch gültige Platzrunde festgelegt.

Auf Drängen der Wirtschaft und mit finanzieller Hilfe des Landes wurde die Piste 1961 befestigt und asphaltiert. Ebenfalls wurde, zum größten Teil in Eigenleistung, eine Nachtflugbefeuerung aus Militärbeständen installiert. Die heutige Grasbahn wurde daneben neu errichtet. Nach dem Bau dieser Grasbahn parallel zur „Motorfliegerbahn“, vorwiegend für den Segelflug, war Anfang der 1960er Jahre der Flugplatz Worms zu einem regionalen Zentrum der Fliegerei angewachsen.[8]

Betreibergesellschaft

Für den wirtschaftlichen Betrieb wurde die Flugbetriebs GmbH Worms-Frankenthal-Ludwigshafen 1966 gegründet, welche ab 1967 den Flugplatz übernahm. Im Jahr 2005 hat die Stadt Worms die Anteile der anderen Gesellschafter erworben und ist somit alleiniger Gesellschafter geworden.[9]

ICAO-Code

Bis und im Jahr 1981 hatte der Flugplatz noch den ICAO-Code EDRV, bevor er in EDFV geändert wurde.[10]

Bedeutende Besuche

Der Flugplatz Worms war Schauplatz bedeutender politischer Besuche. Im Jahr 1990 flog Michail Gorbatschow, der damalige Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU und Staatspräsident der Sowjetunion, von Worms ab.[11] Bill Clinton und seine Frau Hillary landeten 1994 mit Marine One auf dem Flugplatz Worms, um von dort aus zum privaten Bungalow von Bundeskanzler Helmut Kohl in Oggersheim zu fahren.[12]

Motorsportnutzung

In den Jahren 2009 bis 2011 fanden auf dem Flugplatz Rennen der Deutschen Rennslalom-Meisterschaft statt, bei denen die Infrastruktur des Flugplatzes für Motorsportveranstaltungen genutzt wurde.[13][14][15]

Privatisierung

Ende 2024 hat die Stadt Worms 50,1 % der Anteile an der Flugplatz GmbH an die Skyport Equity GmbH für eine Laufzeit von 30 Jahren verkauft. Der neue Betreiber plant Investitionen in die Infrastruktur, darunter die Erneuerung der Grasbahn, die Erweiterung der Tankstelle um speziellen Treibstoff für Ultraleichtflugzeuge sowie die Prüfung von Photovoltaik-Anlagen auf den Gebäuden.[16]

Flugbetrieb

Betriebszeiten

Der Flugplatz ist im Sommerhalbjahr von 9 Uhr bis Sonnenuntergang plus 30 Minuten, maximal jedoch bis 20:30 Uhr, in Betrieb. Im Winterhalbjahr ist er von 9 Uhr bis Sonnenuntergang plus 30 Minuten geöffnet. Seit der Einführung des „Fliegens ohne Betriebsleiter“ (FoB) ist der Flugbetrieb außerhalb der regulären Betriebszeiten tagsüber ohne Anwesenheit einer sachkundigen Person möglich, sofern die Piloten vorab eine verbindliche Online-Schulung absolviert und die Flugbewegung per PPR angefragt haben.[17]

Flugbewegungen und wirtschaftliche Entwicklung

Der Flugplatz erwirtschaftete folgende Ergebnisse:

Weitere Informationen Jahr, Flugbewegungen ...
JahrFlugbewegungen davon gewerblichErgebnisBeschäftigte
1980erca. 70.000
2002 −161.000 €
2003 −143.000 €
200440.000 −185.000 €9
200535.000 −173.000 €7
200635.000 −460.000 €4
2007 −138.000 €
2008 +20.000 €
2009 −121.000 €
2010 −92.000 €4
2011 −102.000 €3
201238.000 −188.000 €4
201337.000 −96.000 €3
201439.000 −78.000 €6
201540.720 −66.000 €7
201639.903 −82.000 €8
201739.396 −145.000 €9
201843.000 −93.000 €9
201946.000 −70.000 €7
202048.759 21.418−56.000 €7
202152.523 23.708−65.000 €7
202245.651 27.286−41.000 €8
202343.751 26.447−77.000 €8
2024 42.195 26.875
Schließen

[18][19][20][21][22][23][24][25][26][27][28][29][30][31][32][33][34][35][36][37][38][39]

Ansässige Vereine, Flugschulen und Wartungsbetriebe

Luftsportvereine

Am Flugplatz Worms sind mehrere Luftsportvereine ansässig, die verschiedene Sparten des Luftsports betreiben:

  • Luftsportverein Worms e.V.: Der Verein betreibt Segelflug, Ultraleichtflug und Motorflug mit derzeit etwa 140 aktiven Mitgliedern aus der gesamten Rhein-Neckar-Metropolregion. Die Flotte umfasst 3 Segelflugzeuge, 5 Motorflugzeuge (Echo-Klasse) und 2 Ultraleichtflugzeuge. Die vom LSV Worms betriebene Flugschule verfügt über etwa 10 Fluglehrer und ist Teil der Ausbildungsorganisation des Luftsportverbands Rheinland-Pfalz.[40]
  • Luftsportverein Rhein-Main e.V.: 1950 gegründet, siedelte sich der Verein 1969 am Flugplatz Worms an. Der Verein betreibt Motorflug und Ultraleichtflug und zeichnet sich durch die tageweise Nutzung von Vereinsflugzeugen aus, was Mitgliedern Flüge nach Frankreich, Spanien, Serbien und Griechenland ermöglicht.[41]
  • Luftsportverein Osthofen e.V.: Der 1966 gegründete Verein nutzt den Flugplatz Worms für den Segelflugbetrieb.[42]
  • Aeroclub Ludwigshafen: Seit 1988 als Vereinsflugschule auf dem Flugplatz Worms aktiv.[43]

Professionelle Flugschulen

Neben den Vereinen sind auch professionelle Flugschulen am Flugplatz ansässig:

  • Flight Training Center 22 GmbH: Bietet ATPL-Ausbildung wahlweise mit und ohne integriertem Training in den USA sowie PPL, IFR, CPL und weitere Qualifikationen.[44]
  • European Institute of Aviation and Business (EIAB): Partner der Hochschule Worms für den Studiengang Aviation Management & Piloting, der ein betriebswirtschaftliches Studium mit der Ausbildung zum Verkehrspiloten ATPL(A) vereint.[45]
  • Aero Service Worms: Die ASW Flugschule bietet am Flugplatz Worms eine umfassende Ausbildung im Bereich Privatpilot (PPL) sowie weiterführende Flugtrainings an. Zusätzlich bieten sie Rundflüge und Charter Möglichkeiten für Privatpiloten an.[46]

Wartungsbetriebe

Am Flugplatz Worms befinden sich mehrere Wartungsbetriebe, darunter:

  • Aero Service Worms GmbH[47]
  • Deeg Services (Avionik)
  • TEAM AVIATION Maintenance GmbH[48]
  • Aeromobil Nappe

Diese Unternehmen sind zertifiziert und bieten Wartung, Reparatur und Instandhaltung für UL- und Motorflugzeuge bis 10 t Höchstgewicht an.[49]

Zwischenfälle

  • Bei Arbeiten an einem Tank eines Flugzeuges kam es am 11. April 2016 in Folge von Funkenflug zu einem größeren Feuer am Flugplatz. Bei diesem Feuer wurden eine Halle und eine Wohnung zerstört. In der Halle verbrannten ein Flugzeug und ein Fahrzeug, in der Umgebung stehende Flugzeuge und Fahrzeuge wurden beschädigt. Ein 74-jähriger Mann wurde durch eine Rauchgasvergiftung verletzt. Der Sachschaden belief sich nach ersten Schätzungen auf mehrere 100.000 Euro.[50][51]
  • Am 9. Juni 2022 stürzte eine Comco Ikarus C42 direkt nach dem Start unweit des Platzes in ein Waldstück. Das Flugzeug fing direkt nach dem Absturz Feuer. Der 49-jährige Pilot aus Kirchheimbolanden wurde bei dem Absturz getötet. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ermittelte, dass das Ultraleichtflugzeug während des Durchstartens über die linke Tragfläche abkippte und senkrecht zu Boden stürzte.[52][53][54]
  • Am 18. Februar 2025 stürzte eine Aquila A 211 (AT01-100) kurz nach dem Start auf ein Feld neben dem Flugplatz ab und überschlug sich dabei. Der Unfall ereignete sich im Anfangssteigflug während eines Ausbildungsflugs, als es zu einer Triebwerksstörung kam. Der Fluglehrer übernahm die Steuerung und leitete eine Umkehrkurve zur Landung auf Piste 24 ein. Aufgrund des Rückenwinds überschoss das Flugzeug die Bahn. Der 64-jährige Fluglehrer wurde schwer, der 39-jährige Flugschüler leicht verletzt.[55][56]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI