Fluxys

Geschäftsbetrieb in Belgien From Wikipedia, the free encyclopedia

Fluxys ist ein Infrastrukturkonzern mit Sitz in Belgien, der in den Bereichen Transport, Speicherung und Umschlag von Erdgas, Biomethan, Wasserstoff und CO2 tätig ist.

Schnelle Fakten
Fluxys
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN BE0003803203
Gründung 1929
Sitz Brüssel, Belgien Belgien
Leitung Pascal De Buck (CEO), Andries Gryffroy (Verwaltungsratspräsident)
Mitarbeiterzahl 1.381 (2024)[1]
Umsatz 1.267 Mio. Euro (2024)[1]
Branche Gasnetzbetreiber
Website fluxys.com
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Seit Anfang der 2000er Jahre hat die Fluxys-Gruppe ihre Aktivitäten über die Grenzen Belgiens hinaus ausgeweitet und ist inzwischen in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, Griechenland, der Schweiz, Frankreich, Albanien, Portugal, Brasilien, Chile und Oman vertreten.

Über Tochtergesellschaften und Beteiligungen an verschiedenen Unternehmen betreibt Fluxys 28.000 Kilometer Pipelines, LNG-Terminals mit einer jährlichen Regasifizierungskapazität von insgesamt 485 TWh und einen unterirdischen Erdgasspeicher mit einer Gesamtkapazität von 1,5 Milliarden m³.

Aufgrund der rückläufigen Förderung aus dem Gasfeld Groningen in den Niederlanden musste Belgien von niedrigkalorischem Gas (L-Gas) auf hochkalorisches Gas (H-Gas) wechseln.

Das Pendant zu Fluxys für das Stromnetz ist in Belgien Elia.

Geschichte

In Belgien wurden Kauf, Verkauf, Speicherung und Transport von Erdgas sowie die LNG-Terminalaktivitäten historisch gesehen von Distrigaz, einem 1929 gegründeten Unternehmen, abgewickelt. Im März 2001 veröffentlichte die Europäische Kommission einen Vorschlag zur beschleunigten Öffnung des Energiebinnenmarktes.[2] Daraufhin verabschiedete das belgische föderale Parlament am 16. Juli 2001 mehrere Änderungen des Gasgesetzes vom 29. April 1999, die in Teilen eine Entflechtung von Distrigaz notwendig machten.[3] Die Liberalisierung der Gasmärkte erforderte nämlich eine Trennung des Netzbetriebs von Gasförderung, -handel und -vertrieb.

Diese Entflechtung führte am 30. November 2001 zur Gründung von Fluxys.[4] Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Anteile von Fluxys im Besitz von Belgian Shell, Tractebel (einer Tochtergesellschaft von Suez), Fluxhold und Publigaz (Holdinggesellschaft im Besitz der belgischen Gemeinden), während 16,71 % der Anteile am regulierten Markt der Euronext Brüssel notiert waren. Der belgische Staat hielt eine Sonderaktie, die als Goldene Aktie bekannt ist.[5]

2004 ereignete sich an einer Fluxys-Pipeline in Ghislenghien eine Gasexplosion, bei der 24 Menschen starben und mehr als 132 teils schwer verletzt wurden.[6]

Im Jahr 2010 befanden sich 89,97 % der Aktien im Besitz von Publigas, während die restlichen 10,03 % auf dem Sekundärmarkt der Euronext Brüssel gehandelt wurden.[7] Im selben Jahr wurde die Struktur der Gruppe überarbeitet, um den neuesten Entwicklungen in der belgischen Gesetzgebung Rechnung zu tragen, die sich aus dem dritten Energiepaket mit gesetzlichen Maßnahmen zur Unabhängigkeit der Netzbetreiber von Erdgasversorgern ergaben.

Im März 2011 erwarb die Caisse de dépôt et placement du Québec (CDPQ) durch eine Kapitalerhöhung in Höhe von 150 Millionen Euro einen Anteil von 10 % an Fluxys G, der Muttergesellschaft von Fluxys.[8]

Am 8. Mai 2012 änderte Fluxys seinen Namen in Fluxys Belgium. Die Muttergesellschaft Fluxys G wurde wiederum in Fluxys umbenannt.[9] Fluxys Belgium ist ein reguliertes Unternehmen und unterhält ein natürliches Monopol: das Unternehmen ist allein für den Betrieb der belgischen Gasinfrastruktur zuständig. Als Regulierungsbehörde für die Festlegung der Netzentgelte benannte die belgische Regierung die CREG, die Kommission für die Regulierung von Elektrizität und Gas.

Ende 2012 führte Fluxys eine Kapitalerhöhung von mehr als 140 Millionen Euro durch. Die Föderale Beteiligungs- und Investitionsgesellschaft (SFPIM) erwarb einen Anteil von etwa 2 % am Unternehmen.[10]

Seit Anfang der 2000er Jahre hat die Fluxys-Gruppe ihre Aktivitäten über die Grenzen Belgiens hinaus ausgeweitet und unter anderem folgende Beteiligungen erworben:

  • Im Vereinigten Königreich: Interconnector (Betreiber der gleichnamigen Pipeline zwischen Großbritannien und dem europäischen Kontinent) im Jahr 2004 und GMSL im Jahr 2002[11]
  • In den Niederlanden: BBL-Pipeline im Jahr 2006[12]
  • In Frankreich: LNG-Terminal in Dünkirchen im Jahr 2011[13]
  • In der Schweiz: FluxSwiss im Jahr 2011[14]
  • In Deutschland: Pipelines NEL und TENP im Jahr 2011, EUGAL im Jahr 2017 und OAL im Jahr 2024; Unternehmen OGE ,Deutschlands größter Fernleitungsnetzbetreiber, im Jahr 2023[15][16]
  • In Albanien: TAP-Pipeline im Jahr 2013[17]
  • In Griechenland: DESFA im Jahr 2018 und TAP-Pipeline im Jahr 2013[18]
  • In Brasilien: Gasleitung TBG im Jahr 2021[19]
  • In Portugal: IT-Dienstleistungszentrum Fluxys Byte It im Jahr 2024
  • In Chile: LNG-Terminal in Quintero seit 2022[20]
  • Im Oman: Fernleitungsnetzbetreiber OQGN seit 2023.[21]

Ende 2022 haben Energy Infrastructure Partners (EIP), AG Insurance, Ethias und SFPIM die Anteile der CDPQ an Fluxys erworben.[22]

Im Zuge der Invasion der Russischen Föderation in die Ukraine hat die ukrainische Nationale Agentur zur Korruptionsprävention das Unternehmen Fluxys am 30. November 2023 in die Liste der Kriegssponsoren aufgenommen,[23] weil das Unternehmen den Export von russischem LNG über die Fluxys-Terminalanlagen förderte.

Anfang 2025 gründete Fluxys in Zusammenarbeit mit Publi-T die Nextgrid Holding. Über diese Holding hält die Fluxys-Gruppe eine Minderheitsbeteiligung am belgischen Stromübertragungsnetzbetreiber Elia.

Aktionäre (Stand: 31. Dezember 2024)

Zum 31. Dezember 2024[1]

Name Anteil (in %)
Publigas-Publigaz 77,43
Energy Infrastructure Partners 15,22
AG Insurance 1,97
Ethias 1,32
SFPIM 3,44
Belegschaft und Management 0,62

Wichtigste Projekte

Mitte 2013 erwarb Fluxys einen Anteil von 16 % an der Trans Adriatic Pipeline (TAP), die Erdgas von Aserbaidschan über die Türkei, Griechenland und Italien nach Europa transportiert.[24] Fluxys hält seit 2023 einen Anteil von 20 %. Ende 2020 floss das erste Gas durch die Pipeline. Die anfängliche Kapazität beträgt etwa 10 Milliarden m³ pro Jahr und kann je nach Marktentwicklung auf 20 Milliarden erhöht werden.[25]

Fluxys hält einen Anteil von 16,5 % an der Europäischen Gas-Anbindungsleitung (EUGAL) in Deutschland. Die beiden Stränge der Leitung transportieren Gas von Norddeutschland zur Tschechischen Republik. Die Pipeline wurde zwischen 2020 und 2021 in Betrieb genommen.[26]

Am LNG-Terminal von Fluxys in Zeebrügge werden LNG-Schiffe be- oder entladen; das entladene Flüssigerdgas wird in großen Tanks gespeichert, bevor es wieder in Gas umgewandelt und in das Netz von Fluxys Belgium eingespeist wird. Der Terminal ist seit 1987 in Betrieb. Seine Einspeisekapazität beträgt 17 Milliarden m³ Erdgas pro Jahr.[27]

Im Jahr 2022 stiegen die Lieferungen nach Deutschland von 20 TWh im Jahr 2021 auf nunmehr 256 TWh.[28] Damit wurden etwa 30 % des deutschen Gasverbrauchs gedeckt und ein signifikanter Anteil der ausgebliebenen russischen Erdgasimporte kompensiert.[29]

Fluxys hält einen Anteil von 49 % an der Trans-Europa-Naturgas-Pipeline GmbH & Co. KG (TENP), der Eigentümerin und Betreiberin der gleichnamigen TENP-Pipeline. Die restlichen Anteile in Höhe von 51 % hält die Open Grid Europe GmbH (OGE).[30] Das bestehende Leitungssystem der TENP ist eine der wichtigsten europäischen Nord-Süd-Verbindungen für die Versorgung mit Erdgas. Die Leitung führt auf rund 500 Kilometern von der deutsch-belgischen und deutsch-niederländischen bis zur Schweizer Grenze.[31]

Seit 2018 ermöglicht die Pipeline zudem bidirektionale Gasflüsse.[32] Im Rahmen des TENP III-Projekts wurde die Leitung seit 2022 auf drei Bauabschnitten in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ersetzt. Der technisch notwendige Austausch auf einer Gesamtlänge von 110 Kilometern erfolgte zu fast 93 Prozent in der bestehenden Trasse. Im Sommer 2025 wurden die Bauarbeiten erfolgreich abgeschlossen und das TENP III-Projekt offiziell in Betrieb genommen.[33]

Zwischen 2023 und 2025 hat Fluxys Belgium die Leitungsinfrastruktur zwischen Zeebrügge und Brüssel verdoppelt, um die Erdgastransportkapazität sowohl ins Hinterland als auch nach Deutschland zu erhöhen und gleichzeitig den künftigen Transport von Wasserstoff zu ermöglichen.[34]

Rolle in der Energiewende

Fluxys arbeitet in Projekten daran, den Übergang zu einem klimaneutralen Energiesystem zu ermöglichen, indem das Unternehmen die Infrastruktur für den Transport von Wasserstoff, CO2 und Biomethan entwickelt.    

Am 22. Oktober 2024 hat Deutschland den Bau des Wasserstoff-Kernnetzes mit einer Länge von über 9.040 km genehmigt.[35] Dank der Gasleitungsprojekte von OGE und Fluxys Deutschland ist Fluxys direkt an das deutsche Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen.

Am 26. April 2024 wurde Fluxys hydrogen (Tochtergesellschaft von Fluxys Belgium) zum belgischen Wasserstoffnetzbetreiber ernannt und ist damit für den Aufbau und Betrieb des belgischen Wasserstofffernleitungsnetzes verantwortlich.[36] Im März 2025 traf Fluxys die endgültige Investitionsentscheidung (FID) für den ersten Abschnitt des belgischen Wasserstoffnetzes zwischen den Häfen Antwerpen und Gent.[37]

Fluxys und Advario haben sich zusammengeschlossen, um auf dem Gelände des Advario-Gasterminals in Antwerpen ein neues Ammoniakterminal (NH₃) zu entwickeln. Fluxys und Advario prüfen dabei auch das Potenzial der Umwandlung von Ammoniak in Wasserstoff für den Transport über das Fluxys-Wasserstoffnetz.[38]

Im Jahr 2023 wurde Fluxys c-grid als künftiger CO₂-Netzbetreiber der belgischen Regionen gegründet. Mehrheitsgesellschafter mit 77,5 % ist Fluxys Belgium, weitere Partner sind Socofe, Pipelink und SFPIM.[39] Im Jahr 2025 haben sowohl die wallonische (Juli 2025) als auch die flämische Region (Oktober 2025) Fluxys c-grid zum offiziellen CO₂-Netzbetreiber ernannt.[40][41]

Mitte 2025 haben sich zudem Fluxys Belgium, Pipelink und Air Liquide im Rahmen von Fluxys c-grid Antwerp zusammengeschlossen. Das Joint Venture baut zurzeit ein Netz von CO₂-Pipelines im Antwerpener Hafengebiet auf, um Industrieunternehmen an künftige Ausspeiseprojekte für CO₂ anzubinden.[42]

Fluxys entwickelt gemeinsam mit Partnern mehrere Projekte zur Ausspeisung von CO₂ und zum anschließenden Transport zu sicheren geologischen Speicherstätten. Vom Fluxys-Standort in Zeebrugge aus prüft Equinor den Bau einer rund 1.000 Kilometer langen Offshore‑Pipeline zu norwegischen CO₂‑Speicherstätten.[43] Im Hafen von Dünkirchen ist das CO₂‑Transport‑ und Exportprojekt D’Artagnan vorgesehen.[44]

Fluxys c-grid arbeitet mit dem Netzbetreiber OGE an der Entwicklung einer grenzüberschreitenden CO₂-Infrastruktur zwischen Deutschland und Belgien.[45]

Am 23. Oktober 2024 wurden die ersten Mengen an Biomethan, die von Green Logix Biogas in Lommel produziert wurden, direkt in das Erdgasfernleitungsnetz von Fluxys Belgium eingespeist.[46]

Einzelnachweise

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