Fons van der Stee

niederländischer Politiker (KVP, CDA) From Wikipedia, the free encyclopedia

Alphonsus „Fons“ Petrus Johannes Mathildus Maria van der Stee (* 30. Juli 1928 in Langeweg, Provinz Nordbrabant; † 6. September 1999 in Den Haag) war ein niederländischer Politiker der Katholieke Volkspartij (KVP) sowie später des Christen-Democratisch Appèl (CDA), der zunächst Mitglied der Ersten Kammer (1971) und dann der Zweiten Kammer der Generalstaaten (1972–1973, 1977) war.

Fons van der Stee (1979)

Er war von 1973 bis 1980 Minister für Landwirtschaft und Fischerei im Kabinett von Ministerpräsident Joop den Uyl sowie im ersten Kabinett von Dries van Agt. Im ersten, zweiten und dritten Kabinett von Ministerpräsident Dries van Agt war er zudem zwischen 1980 und 1982 Finanzminister sowie von 1977 bis 1981 auch Minister für Angelegenheiten der Niederländischen Antillen.

Leben

Ausbildung und Beruf

Van der Stee begann nach dem Besuch des Sint Canisius College ein Studium im Fach Recht der Niederlande an der Katholieke Universiteit Nijmegen, das er am 29. Februar 1956 abschloss. Im Anschluss begann er eine berufliche Tätigkeit als Steuerberater und war bis 1971 als Partner der Steuerberatungsgesellschaft Begeyn, Van Arkel en Co. in Arnhem tätig.

Parteivorstand, Abgeordneter und Staatssekretär

Er wurde 1964 Mitglied des Parteivorstandes der KVP. Nachdem er zwischen 1965 und 1966 zunächst kommissarischer Schatzmeister war, fungierte er zwischen dem 1. Juli 1966 und dem 30. März 1968 als Schatzmeister der KVP.

Im Anschluss war van der Stee vom 30. März 1968 bis zum 13. Juli 1971 Vorsitzender der KVP – in niederländischen Parteien ein eher für interne Organisation und Verwaltung zuständiges Amt, zu unterscheiden vom politischen Leiter. Als KVP-Vorsitzender gehörte er zwischen August und Oktober 1970 auch der Kommission für ein Gemeinsames Notprogramm der drei christlichen Parteien Anti-Revolutionaire Partij (ARP), Christelijk-Historische Unie (CHU) und KVP an. Aus dieser Zusammenarbeit entwickelte sich später der Christen-Democratisch Appèl, zunächst 1977 als gemeinsame Wahlliste und 1980 als einheitliche Partei.

Am 11. Mai 1971 wurde er als Kandidat der KVP zum Mitglied der Ersten Kammer der Generalstaaten gewählt, verzichtete aber wegen der Unvereinbarkeit von Parlamentsmandat und Regierungsamt nach nur zwei Monaten auf seinen Sitz. Am 14. Juli 1971 wurde van der Stee von Ministerpräsident Barend Biesheuvel zum Staatssekretär im Finanzministerium ernannt und war dort bis zum 12. März 1973 für die Finanzen der Kommunen und Provinzen zuständig. Als solcher war er einer der engsten Mitarbeiter seines Parteikollegen Roelof Nelissen, dem Finanzminister im Kabinett Biesheuvel. Bei der vorgezogenen Parlamentswahl im November 1972 wurde van der Stee in die Zweite Kammer der Generalstaaten gewählt, der er bis zum 11. Mai 1973 angehörte.

Nach langwierigen Verhandlungen zur Regierungsbildung gehörte van der Stee zu den KVP-Politikern, die der Mitte-links-Regierung unter Joop den Uyl (PvdA) beitraten, ohne dass seine Partei offiziell Teil der Koalitionsvereinbarung war, welche sie lediglich tolerierte. Im Kabinett Den Uyl übernahm er ab dem 11. Mai 1973 erneut das Amt des Staatssekretärs im Finanzministerium, wobei er dieses Mal als Stellvertreter des sozialdemokratischen Finanzministers Wim Duisenberg für Steuerangelegenheiten zuständig war.

Landwirtschafts- und Finanzminister

Nachdem sein Parteifreund Tiemen Brouwer am 1. November 1973 aus gesundheitlichen Gründen vom Amt als Minister für Landwirtschaft und Fischerei (Minister van Landbouw en Visserij) zurücktreten musste, übernahm van der Stee diesen Ministerposten im Kabinett den Uyl.

Dieses Ministeramt bekleidete er auch nach den Wahlen 1977 und dem anschließenden Regierungswechsel im christlich-liberalen ersten Kabinett von Ministerpräsident Dries van Agt bis zum 5. März 1980. Zwischenzeitlich war er vom 8. Juni bis zum 8. September 1977 wieder Mitglied der Zweiten Kammer der Generalstaaten. Zusätzlich zum Amt des Landwirtschaftsministers wurde van der Stee am 19. Dezember 1977 auch Minister für die Koordination der Angelegenheiten der Niederländischen Antillen.

Im Rahmen einer Regierungsumbildung wurde van der Stee am 5. März 1980 von Ministerpräsident van Agt als Nachfolger von Gijs van Aardenne zum Finanzminister (Minister van Financiën) ernannt. Das Amt des Finanzministers hatte er auch im christlich-sozialdemokratischen zweiten Kabinett van Agt sowie der nach Ausscheiden der sozialdemokratischen PvdA gebildeten Minderheitsregierung (Van Agt III) bis zum 4. November 1982 inne. Seine Zuständigkeit für die Niederländischen Antillen endete hingegen bereits am 11. September 1981. Van der Stees Vorschläge für zusätzliche Sparmaßnahmen lösten im Mai 1982 den Bruch der Koalition zwischen Christ- und Sozialdemokraten aus.

Für seine langjährigen politischen Verdienste wurde van der Stee nach seinem Ausscheiden aus der Regierung am 9. Dezember 1982 mit dem Großkreuz des Ordens von Oranien-Nassau geehrt.

Hintergrundliteratur

  • J.M. Bik: Een goede invaller. F. van der Stee (1928-1999), in: NRC Handelsblad vom 10. September 1999
  • A.A.M. van Agt: In memoriam Fons van der Stee, in: Tweede Jaarboek Parlementaire Geschiedenis, 2000
Commons: Fons van der Stee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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