Fort Ruijghaver

niederländische Handelsniederlassung im heutigen Ghana From Wikipedia, the free encyclopedia

Fort Ruijghaver (in der englischsprachigen Literatur zumeist als Fort Ruychaver bezeichnet) war eine niederländische Handelsniederlassung im Hinterland der westlichen Goldküste im heutigen Ghana, von 1654 bis 1660 am Fluss Ankobra. Der Name der Niederlassung geht auf Jacob Ruijghaver zurück, dem Generaldirektor der Niederländischen Westindien-Kompanie (W.I.C.) auf der Goldküste, der die Errichtung dieser Niederlassung in die Wege geleitet hatte. Der Zweck der Faktorei bestand im Handel mit Gold.

Karte zur möglichen Lage des niederländischen Forts Ruijghaver
Die von Doorman wiedergegebene Karte der niederländischen Niederlassungen an der Goldküste

Die Klassifizierung der Niederlassung als Fort ist eine Erfindung der modernen Literatur, von einer befestigten militärischen Schutzanlage konnte keine Rede sein. Die Niederlassung bestand lediglich aus einem Haus (Lodge oder Loge) nebst einigen kleineren Hütten.

Standort des Forts

Über den genauen Standort des Forts ist man in der Literatur unterschiedlicher Meinung (s. Karte). Eine These geht davon aus, dass sich das Fort Ruijghaver am rechten Ufer des Ankobra direkt gegenüber der Mündung des Bonsa-Flusses in der Egwira-Region befunden hat, wie unter anderem eine bei Doormann abgebildete Karte verdeutlicht. Die andere These, die hauptsächlich von Daaku vertreten wird, nimmt einen Eintrag im Tagebuch des damaligen Generaldirektors Valckenburg zum Ausgangspunkt, der Fort Ruijghaver in einer Entfernung von 30 Meilen von der Küste am Ankobra-Fluss beschreibt. Zu jener Zeit entsprach eine Amsterdamer Meile = 5.754,53 m, so dass 30 Meilen eine Entfernung von fast 173 km entsprachen. In dieser Entfernung (Luftlinie) liegt am Ankobra die Ortschaft Sanaha (Sanaya), bei der sich nach Daaku das Fort befunden haben soll.

An beiden Standorten befinden sich ausgedehnte Goldfelder, die auch schon in vorkolonialer Zeit als Zentren der Goldproduktion galten. Aber es erscheint wenig glaubhaft, dass die Niederländer die Goldfelder der Prestea/Tarkwa-Region[1] durchquert haben sollen, um andere, weitaus nördlicher gelegene Goldzentren als Handelsquellen zu erschließen.

Geschichte der Niederlassung

Die Geschichte der Niederlassung war dramatisch und kurzlebig.

An gleicher Stelle (oder in dessen Nähe) hatte sich zuvor eine französische Niederlassung befunden. Es war den Niederländern gelungen, in Axim eine sichere und machtvolle Präsenz aufzubauen. Von Axim als Ausgangsbasis aus wurden Anstrengungen unternommen, den niederländischen Einfluss in das Landesinnere auszudehnen, um einen besseren Zugang zu den Goldquellen zu erhalten. Sehr erfolgreich war man dabei allerdings nicht, wegen des einheimischen Widerstands gegen eine dauerhafte niederländische Präsenz. Dennoch scheint der Handelsneid gegenüber den in der Egwira-Region etablierten Franzosen bei den Niederländern groß gewesen zu sein, so dass man den 1654 Entschluss fasste, trotz des Friedens zwischen Frankreich und den Niederlanden in Europa den französischen Handelsposten am Ankobra-Fluss anzugreifen und zu besetzen.

Obwohl die einheimische Bevölkerung den Niederländern zunächst feindselig gegenüberstand, gelang es diesen schließlich, ein dauerhaftes Bleibe- und Handelsrecht zu erlangen. Die Niederländer versuchten, den Zustand des Geduldetwerdens zu zementieren und auf eine friedliche Basis zu stellen. Hierzu lud man einheimische Salz-Händler aus Axim dazu ein, sich in der Nachbarschaft von Fort Ruijghaver, wie man die Niederlassung nannte, anzusiedeln, um mit den Egwira-Leuten Handel zu treiben.

Trotz einer allgemeinen Opposition der einheimischen Bevölkerung blieb es zunächst friedlich. 1659 aber bemerkte man in Axim, dass alle Kommunikations- und Transportwege zum Fort Ruijghaver unterbrochen seien und man nicht wisse, was zu der Feindseligkeit der Egwiras geführt habe. Anfang 1660 erhielt man schließlich die Nachricht, dass die Niederlassung zerstört und die aximischen Salzhändler vertrieben worden seien.

Dieses Scheitern war in erster Linie das Ergebnis von Taktlosigkeiten des vor Ort agierenden niederländischen Sub-Faktors, ein Mann namens de Liefde. De Liefde hatte ein Geschäft mit einem Adom[2]-Häuptling namens Jantecona getätigt. Dieser verstarb und stand bei de Liefde für etwa 12 Unzen Gold in Schuld. Zum Eintreiben dieser Schuld ließ de Liefde eine Ehefrau des Verstorbenen nebst einem seiner Kinder kidnappen („panjarren“ im damaligen Sprachgebrauch). Dies bedeutete, dass die Witwe und das Kind so lange als Geiseln festgehalten wurden, bis die Schuld getilgt war. Dies war im damaligen einheimischen Rechtsverständnis vollkommen legitim, hätte de Liefde nicht bereits zwei weitere Geiseln in Haft gehabt. Damit hatte er in den Augen der Einheimischen einen klaren Rechtsbruch begangen, denn er hätte mit dem „Panjarren“ entweder warten müssen, bis die bisherigen Geiseln ausgelöst worden waren, oder diese, im Falle, dass ihm die Angelegenheit mit der Jantecona-Familie wichtiger ist, freilassen müssen. Die beiden Familien der Geiseln waren zutiefst gekränkt und forderten Genugtuung, sie wurden aber von de Liefde nur mit Verachtung gestraft. De Liefde verweigerte Corre Chary (Kore Kyere), einem einflussreichen Egwira-Häuptling, eine Fürsprache zugunsten der Geiseln. Eine Adom-Armee unter dem Kommando eines Boubou rückte an und belagerte die Niederlassung. Von den Ortsansässigen konnte de Liefde keine Unterstützung erwarten, viele von ihnen unterstützen die Adom-Krieger mit Nahrungsmitteln u. a. einige beteiligten sich auch daran, die von den Niederländern angesiedelten aximischen Salzhändler zu vertreiben. Angesichts der ausweglosen Lage legte de Liefde Feuer in seine Pulverkammer und sprengte sich in die Luft.

Die Niederländer versuchten nicht, den Handelspostens wieder aufzubauen oder an anderer Stelle im Egwira-Land Fuß zu fassen. Sie konzentrierten sich in der Folge darauf, die Machtposition in und um Axim zu erhalten und weiter auszubauen.

Fußnoten

Quellen

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