Francis Travis

Schweizer Dirigent US-amerikanischer Herkunft From Wikipedia, the free encyclopedia

Francis Travis (* 9. Juli 1921 in Detroit, Michigan; † 28. April 2017 in München[1]) war ein Schweizer Dirigent und Hochschullehrer US-amerikanischer Herkunft.

Werdegang

Travis studierte an der Wayne State University in Detroit, der Michigan State University in East Lansing, der University of Michigan in Ann Arbor, erhielt 1943 den Grad Bachelor of Music, 1948 den des Master of Music und studierte schließlich an der Universität Zürich, wo er mit einer musikwissenschaftlichen Dissertation über Verdi bei Paul Hindemith und Antoine-Elisée Cherbuliez zum Doktor der Philosophie promoviert wurde. Daneben war er fünf Jahre Schüler, später Assistent von Hermann Scherchen.

Ab 1953 wirkte er als freiberuflicher Dirigent. Ab 1957 war er Dirigent bei Radio Lugano. Er arbeitete als Gastdirigent mit mehr als achtzig Orchestern europaweit sowie in Japan, China und Korea und trat bei zahlreichen europäischen Musikfestivals sowie im Rundfunk und Fernsehen auf. Sein Repertoire reichte von Werken des Frühbarock bis zur Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Neben Werken der klassischen Moderne (Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton Webern, Edgar Varèse, Igor Stravinsky) dirigierte er Welturaufführungen von mehreren hundert Werken zeitgenössischer Komponisten, insbesondere im Rahmen der Konzerte der International Society for Contemporary Music (ISCM), deren Schweizer Sektion er von 1974 bis 1978 als Präsident leitete,[2] und von Konzertreihen zeitgenössischer Musik in Oslo, Stockholm, Berlin, Hamburg, München und Köln. 1957, 1959, 1964, 1970 und 1978 wirkte er als Dirigent bei den Weltmusiktagen der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (ISCM World Music Days).[3][4]

Bei seinen CD-Aufnahmen konzentrierte sich Travis auf seltener eingespielte Werke z. B. von Joachim Raff und zeitgenössischen Komponisten wie Bo Nilsson, Isang Yun und Mathias Spahlinger und arbeitete mit Solisten wie Heinz Holliger, Hildegard Behrens und Sonia Theodoridou. Seine Einspielung von György Ligetis Requiem mit dem Bayerischen Rundfunk wurde im Soundtrack von Stanley Kubricks Kinofilm A Space Odyssey (deutscher Titel 2001: Odyssee im Weltraum) verwendet.[5]

Travis wirkte ab 1965 fünfundzwanzig Jahre als Professor für Orchesterdirigieren an der Staatlichen Hochschule für Musik Freiburg am Münsterplatz in Freiburg im Breisgau. Zu seinen Schülern zählten u. a. Douglas Bostock, Eberhard Dietz, Hortense von Gelmini, Robert HP Platz, Burkhard Rempe, Leendert Runia und Arturo Tamayo.

Er war dann Chefdirigent am Stadttheater Basel (1962 bis 1964) und ab 1968 als Musikalischer Oberleiter am Stadttheater Trier sowie ständiger Gastdirigent der Nederlandse Opera Stichting in Amsterdam. Von 1990 bis 1995 lebte er in Tokio, wo er als Dirigent verschiedener japanischer Orchester und Chöre wirkte und Dirigieren an der Tokyo National University of Fine Arts and Music unterrichtete.

Später widmete er sich verstärkt der Oper und dirigierte unter anderem am Royal Opera House London, der Bayerischen Staatsoper München, am Teatro Colón in Buenos Aires und am Teatro Real in Madrid.

Francis Travis war konfessionslos, ab 1957 mit Brigitta Travis, geborener Schneebeli, verheiratet und lebte zuletzt in München, wo er im Alter von 95 Jahren starb.[1]

Literatur

Einzelnachweise

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