Frank Spilker
deutscher Sänger, Musiker und Liedtexter
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Leben
Frank Spilker ist Sohn eines Gärtnerei-Inhabers. Er machte seine ersten musikalischen Schritte beim von ihm mitgegründeten ostwestfälischen Fast Weltweit-Label. Dort spielte er in den Bands Discount und Arthur Dent (der Bandname bezieht sich auf die Hauptfigur der Roman-Reihe Per Anhalter durch die Galaxis von Schriftsteller Douglas Adams[1]) erste Tonträger ein, bevor er 1991 in Hamburg die Band Die Sterne gründete.[2] Als er 1986 in Hannover seinen Zivildienst als Hausmeister einer Jugendherberge ableistete, wurde Spilker, der eine Körpergröße von 1,98 Meter besitzt, während des Zivildienstes nachträglich ausgemustert, indem er vorgab, an Symptomen der Scheuermann-Krankheit zu leiden, was jedoch nicht der Wahrheit entsprach.[3] 1990 zog Spilker nach Hamburg. Neben seiner Mitwirkung bei Die Sterne war er zwischenzeitlich bei seiner 2007 gegründeten Band Frank Spilker Gruppe aktiv.
1998 produzierte Spilker mit Christoph Leich, dem Schlagzeuger von Die Sterne, den Soundtrack zum Film Dunckel von Lars Kraume. 2004 wirkte Frank Spilker in dem vom Bayerischen Rundfunk produzierten Hörspiel Der König des westlichen Schwungs und 2005 in dem vom norwegischen Künstler Matias Faldbakken produzierten Hörbuch The Cocka Hola Company mit.
2017 erschien Spilkers erstes selbst verfasstes Hörspiel Zwei ohne Musik, bei dem der Autor zusammen mit u. a. Birgit Minichmayr, Peter Lohmeyer, Sibylle Berg und Johann König auch als Sprecher zu hören ist.[4] Es wurde unter anderem bei WDR 3 und Eins Live ausgestrahlt.
2020 schrieb er mit Gattung, Art und Unordnung eine vierteilige Serie über das Verhältnis von Mensch und Tier, in der u. a. Manfred Zapatka, Serkan Kaya und Julia Hummer mitspielen und bei der er selbst Regie führte.[5]
Seit 2018 führt Spilker Die Sterne nach dem Ausstieg der Gründungsmitglieder Thomas Wenzel und Christoph Leich in neuer Besetzung mit der Keyboarderin Dyan Valdez sowie Jan Philipp Janzen (Bass) und Philipp Thielsch (Schlagzeug), die beide auch bei Von Spar spielen, weiter.[2] Das erste Album in dieser Formation, Die Sterne (2020), enthielt mit „Du musst gar nix“ einen Titel, der zu Beginn der Corona-Pandemie unerwartet große Resonanz fand und der Band neuen Auftrieb gab.[2] Zuvor hatte das Album 24/7 beim Stammpublikum zunächst wenig Anklang gefunden, nach Spilkers Einschätzung aber langfristig zur Verjüngung des Publikums beigetragen.[2]
Als frühe Sichtbarkeitsfaktoren der Band nennt Spilker den Konkurrenzkampf der Musikfernsehsender MTV und Viva sowie eine nach der Wiedervereinigung verstärkte Förderung deutschsprachiger Popmusik; zugleich kritisiert er die verbreitete Neigung, Erfolg in Deutschland einem „Geniekult“ zuzuschreiben.[2] Seine eigene Songarbeit beschreibt er als „Missverständnisforschung“ – das Sichtbarmachen von Widersprüchen und Lebenslügen, was nach seiner Auffassung die anhaltende Wirkung von Liedern wie „Universal Tellerwäscher“ und „Was hat dich bloß so ruiniert“ erklärt.[2]
Mit Wenn es Liebe ist (PIAS/Integral) erscheint im Januar 2026 ein weiteres Album der Sterne; die dazugehörige Tour beginnt am 20. März 2026 in Hannover.[2] Bereits ihre erste Tournee firmierte unter dem Titel „Aspirin und Drogenbeat“; für Spilker gehört zu Tanzbarkeit stets eine Körperlichkeit, die am Ende klares Denken ermöglicht.[2] Das neue Album verbindet heitere Melodien mit ernsten Texten; exemplarisch thematisiert „Es war nur ein Traum“ die Sehnsucht nach profanen Alltagsidyllen, während „Ganz reizend“ Ambivalenzen performativer Männlichkeit spiegelt.[2]
2013 erschien Spilkers erstes Buch, der Roman Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen.[6]
2023 erschien das Buch "Ich scheiß auf deutsche Texte" im Ventil Verlag.
Er ist Mitgründer des PEN Berlin.[7] Frank Spilker lebt in Hamburg. Er ist verheiratet mit der Journalistin Rebecca Spilker (* 1968).[8]
Veröffentlichungen (Auswahl)
Diskografie
Mit Die Sterne
Mit Frank Spilker Gruppe
Hörbücher
- 2005: Matias Faldbakken: The Cocka Hola Company (Sprecher)
Hörspiele
- 2004: Britta Höpe: Der König des westlichen Schwungs (Bayerischer Rundfunk), (Sprecher)
- 2017: Frank Spilker: Zwei ohne Musik – Eine schwierige Beziehung im Rückblick (Westdeutscher Rundfunk), (Buch, Regie, Musik, Sprecher)
- 2020: Frank Spilker: Gattung, Art und Unordnung (Westdeutscher Rundfunk), (Buch, Regie, Sprecher)
Publikationen
- 2013: Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen. Hoffmann und Campe, Hamburg, ISBN 978-3-455-40366-4
- 2023: Ich scheiß auf deutsche Texte. Ausgewählte Songtexte. Ventil Verlag, Mainz, ISBN 978-3-955-75212-5
Filmografie
- 1996: Musik ist Trumpf – Über die Gewalt des Zusammenhangs (Dokumentarfilm), (Mitwirkung)
- 1998: Dunckel (Spielfilm), (Filmmusik)
- 1999: Pop 2000 (Fernseh-Dokumentationsreihe), (Mitwirkung)
- 2001: Der Traum ist aus – Die Erben der Scherben (Dokumentarfilm), (Mitwirkung)
- 2004: Sendung ohne Namen (ORF-Fernsehsendung), (Mitwirkung)
- 2008: Willkommen Österreich (Late-Night-Show), (Mitwirkung)
- 2010: Sterne (Dokumentarfilm), (Mitwirkung)
- 2010: Hamburg Calling – Musik aus einer Hafenstadt (Fernsehdokumentation), (Mitwirkung)
- 2015: Heil (Spielfilm), (Darsteller)
- 2023: Die Sterne: Du musst gar nix (Dokumentarfilm), (Mitwirkung)
- 2024: Die Hamburger Schule – Musikszene zwischen Pop und Politik – Anspruch und Widerspruch (Zweiteilige Fernsehdokumentation), (Mitwirkung)
Weblinks
- Frank Spilker bei Discogs
- Frank Spilker bei IMDb
- Literatur von und über Frank Spilker im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Interview mit der Zeitschrift U mag am 15. Februar 2010
- Interview mit dem humanistischen Pressedienst am 23. April 2013

