Frantz Bülow

Dänischer Generalleutnant (1769-1844) From Wikipedia, the free encyclopedia

Frantz Christopher (von) Bülow (* 25. Februar 1769 in Lage, Sindbjerg Sogn, Dänemark; † 12. März 1844 in Kopenhagen, Dänemark) war ein dänischer Offizier, zuletzt im Dienstgrad eines Generals, und Höfling.

Frantz Christopher von Bülow, Porträtgemälde eines unbekannten Künstlers, ca. 1809–1810.

Karriere

Frühe Jahre und Aufstieg

Bülow entstammte dem dänischen Zweig des mecklenburgischen Adelsgeschlechts Bülow. Seine Eltern waren der Hauptmann und spätere Zollinspektor in Assens, Christian Frederik Bülow (1736–1804), und Barbara Wittrup Høeg (1736–1807). Bülow erhielt seine erste Ausbildung zu Hause, später bei Professor J. C. Pingel in Odense und war zunächst als Page für Königin Juliane Marie vorgesehen. Er trat jedoch 1781 in die Landkadettenakademie ein, wurde 1788 Leutnant und im folgenden Jahr beim dänischen Leibregiment angestellt. Im selben Jahr wurde er zum 2. Seeländischen Bataillon der leichten Infanterie versetzt, 1792 Oberleutnant, 1801 Hauptmann und 1803 dem Kronprinzenregiment zugeteilt. 1805 erhielt er die Beförderung zum Major und wurde im folgenden Jahr offiziell à la suite gestellt, obwohl er seine Dienstposten auch vorher bereits seit langer Zeit nur nominell wahrgenommen hatte. Bereits 1791 war er nämlich zum Adjutanten des gleichaltrigen Kronprinzen Friedrich ernannt worden und erwarb sich dessen Gunst bei dessen Militärdienstzeiten derart, dass er ab 1796 dem Prinzen als wirklicher Adjutant, 1801 als dienender Generaladjutant und ab 1803, nachdem der Kronprinz die gesamte Militärverwaltung übernommen hatte, zusätzlich mit weitreichenden Befugnissen an die Spitze des sogenannten Generalkommandobüros (später Generalstabsbüro (dänisch: Generalstabens Bureau) genannt) gestellt wurde. 1808, im Jahr der Thronbesteigung Friedrichs, wurde Bülow Chef des neu eingerichteten Generaladjutantenstabs, Oberst und Kammerherr, 1809 Generalmajor und Ritter des Dannebrogordens, 1811 Dannebrogmann und Kommandeur des Ordens.

Während der Napoleonischen Kriege

Die folgenden Jahre bis zu Napoleons Sturz entwickelten sich für Dänemark allerdings sehr ungünstig. Zwar war unter dem König als Oberbefehlshaber und Bülow als Stabschef eine große, in vielerlei Hinsicht hervorragende Armee aufgestellt worden, doch weder gelang es, im Dänisch-Schwedischen Krieg (1808–1809) Norwegen dauerhaft an die dänische Krone zu binden, noch den in der Endphase der Koalitionskriege vorrückenden Karl Johann aus den Herzogtümern Schleswig und Holstein herauszuhalten.

Diese Situation, die von der Bevölkerung auf die Inkompetenz der militärischen Berater des Königs zurückgeführt wurde, erregte großen Unmut, und „die Roten Federn“ (dänisch: “de røde Fjer”) wurde lange Zeit zum spöttischen Spitznamen für den dänischen Generalstab. Noch deutlicher äußerte sich Friedrich von Hessen-Kassel, Oberkommandierender der dänischen Hilfstruppen, die Napoleon unterstützten, mit seiner scharfen Aussage in einem Brief an den König Ende 1813: „Gott verzeihe dem, der Eurer Majestät geraten hat, hinter den Kleinen Belt zu gehen; er hat seine Heimat, die Armee und Eurer Majestät Sicherheit geopfert.“ Obwohl Bülow die Verantwortung für die getroffenen Entscheidungen nicht allein getragen hatte, da der König das Kommando hatte, konnte er andererseits angesichts seiner Position nicht davon freigesprochen werden, maßgeblich an einem Kriegsplan beteiligt gewesen zu sein, der die Armee in diesen turbulenten Jahren nie ernsthaft in Kontakt mit dem Feind brachte. 1814 erhielt er das Großkreuz des Dannebrogordens.

An der Spitze von Hof und Militär

1815 stabilisierte sich die Lage und Bülow nahm als einer der Favoriten und weiterhin als Generaladjutant des Königs seine umfangreichen Tätigkeiten als Berater in nahezu allen politischen Feldern wieder auf, ohne dabei jemals Mitglied des Geheimen Rates gewesen zu sein.

1822 erhielt er einen Erwartungsbrief für sich und seine legitimen männlichen Nachkommen auf das erste frei werdende Lehen im 1815 erworbenen Herzogtum Sachsen-Lauenburg, 1828 wurde er Generalleutnant. Neben seinen Posten als Chef des Generaladjutantenstabs und des Generalstabsbüros verband er verschiedene Positionen innerhalb des sog. Ordenskapitels, der Ende des 17. Jahrhunderts gegründeten königlichen Institution, die die dänischen Orden verwaltete, so amtierte er diverse Jahre als Ordenszeremonienmeister, Ordensschatzmeister und Ordensmarschall. Ab 1829 war er außerdem amtierender Generalquartiermeister und ab 1830 Chef der dänischen Militärakademie.

Bei der Beerdigung Friedrichs VI. in Roskilde führte Bülow nach dem Wunsch des neuen Königs Christian VIII. persönlich die Ehrengarde am Grab des Verstorbenen, wurde danach allerdings entlassen. Er starb 1844 und wurde auf dem Kopenhagener Garnisonsfriedhof bestattet.

Privates

Frantz Bülow heiratete am 4. April 1803 Baronin Sophie Eleonore (Nelly) Selby (22. September 1785 in Kopenhagen – 9. Februar 1842 ebenda), Tochter des Agenten, späteren Barons, Kammerherrn und Generalkriegskommissars Charles August Selby.

Literatur

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