Franz Brasser

deutscher Rechenmeister From Wikipedia, the free encyclopedia

Franz Brasser (* um 1520; † 22. März 1594 in Lübeck) war ein Schreib- und Rechenmeister in der Hansestadt Lübeck.

Franz Brasser
Magisches Quadrat aus Brassers Rechenbuch

Leben

Er war Gründer und Leiter der erfolgreichsten deutschen Schule[1] (im Gegensatz zur Lateinschule,[2] dem Katharineum zu Lübeck) in Lübeck. Bei der Gründung der Schulmeisterzunft 1558 wurde er einer der beiden Ältesten und Inspektor aller deutschen Schulen in der Stadt. Über zwanzig Jahre lang war er zugleich Werkmeister der Katharinenkirche.

Franz Brasser ist Verfasser eines zuerst 1552 in Mittelniederdeutsche Sprache[3] in Lübeck bei Johann Balhorn gedruckten Rechenbuches für Kaufleute mit dem Titel Arittmetica edder Rekenboek up alle Koepmannshandling. Es erschien in vier Auflagen. Das Mittelniederdeutsche war zu dieser Zeit noch zusammen mit dem sehr nah verwandten Mittelniederländisch die Lingua franca der Hanse zwischen Flandern und dem gesamten Ostseeraum. Brassers Werk wurde bald darauf in das Hochdeutsche übersetzt und erlebte in dieser Fassung bis 1710 mehr als 15 Auflagen. Der Bremer Rechenmeister Otto Wesellow übersetzte es in die Lateinische Sprache, diese Übersetzung wurde ebenfalls mehrfach neu aufgelegt. Im Vorwort der lateinischen Übersetzung wird Brasser als „Lehrer von ganz Sachsen und den deutschen Seestädten“ hervorgehoben. Insgesamt sind 44 Ausgaben überliefert, von denen bisher 26 auch bibliographisch nachgewiesen werden konnten.

Das einzige authentische Porträt Brassers findet sich in der Hamburger Ausgabe von Ein nye Rekensboeck von 1594; alle Bildnisse in späteren Auflagen sind nicht authentisch.

Werke

  • Eyn nie || vnde Wolge=||gruendet Reekensbock/|| vp der Linien vnnde Ziferen/ vp allerleye || Koepmans handelin=||ge Doerch Franciscum || Brasser/ Reekenmeister || tho Luebeck/ allen leff=||hebbern duesser kunst/ tho gude gerekent vnd gemaket/|| Lübeck: Johann Balhorn 1552 (VD16 B 7112)
  • Lateinische Ausgabe von Otto Wesellow: Arithmetica Francisci Brasseri, quondam in ista arte communis totius Saxoniæ ac maritimarum civitatum in Germania præceptoris: Ab Ottone Wesellow ex Germanico in latinum sermonem versa, atque in lucem edita; annexis exemplorum resolutionibus & vulgaribus & et algebraicis. Heinrich Carstens, Hamburg 1622; erste Auflage ohne weitere Angaben 1619 (LIBRIS Schweden).
  • Hochdeutsche Ausgabe: Kurtzes wolgegründetes Rechen-Büchlein/ Auff Kauffmanns-Handlungen gerichtet/ und für die anfangende Schülers verfertiget / durch Franciscum Brasser/ weyland berühmten Schreib- und Rechenmeister in Lübeck. So abermahl auffs neu mit Fleiß corrigiret/ und neben die/ von Herr Joachim Kron resolvirten Regula Falsi … sammt dessen angehängten Polygonal, Pyramidal und Columnar-Auffgaben anitzo mit beygefüget die Resolvirung derselben/ nebenst Erklärung etzlicher Polygonal- und Proportional-Zahlen. Hamburg: Völckers, Neumann 1693
  • Ein Newe Rechens-Buch Auff alle Kauffmans-Handelunge, für die anfangende Schülers. Lübeck 1663 (Digitalisat)

Literatur

  • Bernhard Elbing: "Das Rekensboeck up aller Koepmanshandelinge vor de anfangenden Schülers" – ein Bestseller des Lübecker Rechenmeisters Franz Brasser. In: Rainer Gebhardt: Rechnen und Messen in der frühen Neuzeit (= Schriften des Adam-Ries-Bundes, Bd. 32). Annaberg-Buchholz 2025, ISBN 978-3-944217-61-1, S. 169–188.
  • Moritz Cantor: Brasser, Franz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 259.
  • Johann Moller: Cimbria litterata I. Kisel, Kopenhagen 1744, S. 66.
  • Ulrich Reich: Franz Brasser – Lehrer von ganz Sachsen und allen deutschen Seestädten. In: Katja Margarethe Mieth, Rainer Gebhardt (Hrsg.): Schatzkammer der Rechenkunst - Historische Rechenbücher im Adam-Ries-Museum (= Sächsische Museen - fundus, Bd. 4 / Schriften des Adam-Ries-Bundes, Bd. 20). Janos Stekovics / Adam-Ries-Bund, Dößel / Annaberg-Buchholz 2008, ISBN 978-3-930430-82-6, S. 227–232.
  • Ulrich Reich: Der Lübecker Schul- und Rechenmeister Franz Brasser, Lehrer von ganz Sachsen und allen deutschen Seestädten. In: Rainer Gebhardt (Hrsg.) / Helmuth Albrecht (Hrsg.): Rechenmeister und Cossisten der frühen Neuzeit (= Schriften des Adam-Ries-Bundes, Bd. 7 / Freiberger Forschungshefte D 201). Adam-Ries-Bund / TU Bergakademie Freiberg, Annaberg-Buchholz 1996, S. 239–248.
  • Ulrich Reich: 400. Todestag des Schreib- und Rechenmeistetrs Franciscus Brasser. In: Der Wagen, 1995/96, S. 74–118.
  • Willy Ruge: Die Blütezeit der deutschen Schulen Lübecks in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. In: ZVGLA, 8, 1902, S. 410–546.
  • Gerhard Johannes Vossius: De universae mathesios natura et constitutione liber, cui subjungitur chronologia mathematicorum, 1650, Kapitel 53, § 7, S. 323.

Anmerkungen

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