Franz Oster
deutscher Ingenieur und Flugpionier
From Wikipedia, the free encyclopedia
Franz Oster (* 19. Januar 1869 in Aegidienberg am Siebengebirge; † 19. Juli 1933 in Qingdao, China) war ein deutscher Ingenieur, Unternehmer und Flugpionier, der an der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung des deutschen Pachtgebietes Kiautschou in China beteiligt war. Er gilt als die Person, die das erste Flugzeug in das Pachtgebiet brachte.

Leben
Oster wurde auf dem Osterhof im Weiler Himberg als eines von 17 Kindern einer Landwirtsfamilie geboren.[1] Nach seiner Schulzeit absolvierte er in Bonn eine Lehre zum Schlosser und besuchte eine Maschinenbauschule. In den folgenden Jahren arbeitete er in verschiedenen europäischen Großstädten wie Wien, Rom und Zürich. Seinen Militärdienst leistete er bei der Kaiserlichen Marine ab, wobei er unter dem Kommando von Prinz Heinrich von Preußen auf der Wörth diente. Im Jahr 1895 gelangte er als Geschützmeister auf der Prinzeß Wilhelm erstmals nach Ostasien.[2]
Unternehmerische Tätigkeit in Tsingtau
Nach dem Ende seiner Dienstzeit arbeitete Oster zunächst in Hongkong und Schanghai. Auf Anraten von Prinz Heinrich, den er während seiner Dienstzeit kennengelernt hatte, siedelte er 1899 in das neu gegründete deutsche Pachtgebiet Kiautschou über. Dort errichtete er mit einfachen Mitteln eine Werkstatt, aus der sich eine Maschinenfabrik und Schiffsbauwerft entwickelte.
Sein Betrieb war technologisch wegweisend für die Region; so stellte er 1899 die erste Dampfmaschine in Tsingtau auf.[3] Bis 1905 wuchs das Unternehmen auf über 350 chinesische Mitarbeiter an.[4] Oster produzierte unter anderem Dampfbarkassen, Baggerschuten und führte Kunstschmiedearbeiten aus. Aufgrund des Konkurrenzdrucks durch die staatliche Werft verkaufte er seinen Betrieb im Jahr 1909 und kehrte vorübergehend nach Deutschland zurück.[4]
Rolle als Flugpionier
Während seines Aufenthalts in Deutschland wandte sich Oster der Aviatik zu. Er absolvierte eine Pilotenausbildung in Johannisthal bei Berlin unter Lehrern wie Hellmuth Hirth und Bruno Jablonsky. Nach bestandener Flugprüfung vom 30. Juni 1911 – laut anderer Quelle: 31. Juli 1911 –[5] erhielt Oster die Fluglizenz Nr. 94.[6] Er erwarb eine Rumpler Taube, die er zerlegt nach Tsingtau verschiffte. Auf der Reise verunglückte er im Dezember 1911 bei Schauflügen in Colombo (Ceylon) schwer, konnte seine Fahrt nach der Genesung jedoch fortsetzen.
Im Juli 1912 traf er mit seinem Flugzeug in Tsingtau ein. Nach technischen Anpassungen, darunter der Einbau eines stärkeren Mercedes-Motors mit 70 PS, gelangen ihm im Juli 1913 die ersten erfolgreichen Flüge über der Stadt Tsingtau. In über 2.000 Metern Höhe überflog er das Gebirge Lao Shan.[5] Der Versuch, im Oktober 1913 eine Strecke von mehr als 400 Kilometern nach Jinan zu fliegen, scheiterte jedoch aufgrund eines Motorschadens und endete in einer Notlandung bei Weihsien.[7] Der Entwicklung eines eigenen Flugzeugmodells, des Eindeckers Oster, bereitete der Erste Weltkrieg ein Ende.[8]
Erster Weltkrieg und späte Jahre
Zu Beginn der Belagerung von Tsingtau im Jahr 1914 versuchte Oster, die Verteidiger mit seinem Flugzeug zu unterstützen. Seine Maschine erwies sich jedoch aufgrund der schwierigen Windverhältnisse und des zu schwachen Motors als ungeeignet. Mehrere Startversuche endeten in schweren Beschädigungen. Fliegerische Berühmtheit während der Belagerung erlangte stattdessen Gunther Plüschow.[9][10]
Nach der Kapitulation Tsingtaus verbrachte Oster die Jahre von 1914 bis 1920 in japanischer Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Freilassung kehrte er in die vorübergehend unter japanischer Verwaltung stehende Stadt zurück und arbeitete als Zivilingenieur und Havariekommissar. Zwischen 1926 und 1927 versuchte er im Auftrag eines chinesischen Machthabers erneut, ein Flugzeug zu konstruieren. Der von ihm gebaute Doppeldecker erwies sich jedoch als zu schwer und war nicht flugfähig.[11]
Privatleben
Franz Oster war seit dem 17. Juni 1900 mit Elise Bergmann (1863–1937) verheiratet.[12] Das Paar hatte einen Sohn, Hans, der 1902 geboren wurde († 1966). Oster verstarb 1933 in Tsingtau; sein Grabstein wurde symbolisch mit einem Anker und einem Flugzeugpropeller verziert.[13]
Literatur
- Wilhelm Matzat: Der erste Flieger von Tsingtau: Franz Oster (1869–1933). Eine biographische Skizze. 3. überarbeitete Fassung. 2009 (Online [PDF; 926 kB; abgerufen am 22. Dezember 2025]).
- Karl-Dieter Seifert: Deutsche Flieger über den Kolonien. VDM Heinz Nickel, Zweibrücken 2007, ISBN 978-3-86619-019-1.
Weblinks
- Ein Filou aus Himberg schreibt fern der Heimat Geschichte. In: General-Anzeiger. Abgerufen am 22. Dezember 2025.
- Oster, Franz. In: Database “China and the West”. Universität Zürich, abgerufen am 22. Dezember 2025.
- Oster, Franz (Fabrikant). Studienwerk deutsches Leben in Ostasien e. V., abgerufen am 22. Dezember 2025.
- Wilhelm Matzat: Franz Oster (1869–1933) – Der erste Flieger von Tsingtau. In: Tsingtau und Japan 1914 bis 1920. Historisch-biographisches Projekt. 24. Januar 2019, abgerufen am 22. Dezember 2025.