Franz von Meran
österreichischer Adliger, Sohn von Erzherzog Johann (1839-1891)
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Franz Ludwig Johann Baptist Jakob Gregor Graf von Meran, Freiherr von Brandhofen (* 11. März 1839 in Wien;[1] † 27. März 1891 in Abbazia) war ein österreichischer Adeliger und Stammvater der den Habsburgern entstammenden Grafen von Meran.

Leben

Franz war der einzige Sohn des Erzherzogs Johann aus seiner morganatischen Ehe mit Anna Plochl, die nach der Vermählung erst zur Freifrau von Brandhofen (1834), dann 1850 zur Gräfin von Meran erhoben wurde. Franz widerfuhr diese Rangerhöhung am 30. Dezember 1845. Geboren wurde Franz im Michaelerhaus in Wien, dem damaligen Domizil seines Vaters nahe der Hofburg zwischen Michaelerkirche und Kohlmarkt. Die Taufe fand am 12. März ebenfalls dort statt; Taufpate war Erzherzog Ludwig, ein Bruder Erzherzog Johanns und Generaldirektor der Artillerie in Österreich. Die Taufzeremonie wurde von Ludwig Schnorr von Carolsfeld in einem Gemälde festgehalten. Wenige Wochen später kehrte die Familie auf den Brandhof zurück.
In den ersten Lebensjahren wurde Franz überwiegend von seinen Eltern selbst betreut, was für den Hochadel der Zeit eher ungewöhnlich war. Die Kindheit und Jugendjahre verbrachte er in Graz, wo sein Vater, Erzherzog Johann, das nach ihm benannte Palais Meran errichten ließ, sowie auf den Landsitzen der Familie; dem Brandhof, Aussee – der Heimat seiner Mutter, Schloss Stainz und Schloss Schenna bei Meran.[2] Schon in seinem ersten Lebensjahr erfolgte die feierliche Aufnahme in den steirischen Herrenstand durch Landeshauptmann Ignaz Maria von Attems-Heiligenkreuz, ein Jahr später auch in jenen des Herzogtums Kärnten. Im Jahr 1842 wurde er auch im Herzogtum ob der Enns und im Herzogtum Krain in den Herrenstand erhoben. Bei den Unterzeichnern aus Krain findet sich auch Anton Graf Auersperg, der unter dem Pseudonym Anastasius Grün literarischen Ruhm erlangte. Mit Erreichen der Großjährigkeit war Franz damit berechtigt, in diesen Kronländern Sitz und Stimme in den jeweiligen Landtagen auszuüben. Franz erhielt keine öffentliche Schulbildung, sondern wurde privat durch Hauslehrer unterrichtet, die ihn auch auf Reisen begleiteten. Erhaltene Schulübungen dokumentieren seine Ausbildung und deuten auf seine besonderen zeichnerischen Fähigkeiten hin. Im Sommer 1852 hielt sich der junge Graf Franz von Meran mit seinen Eltern in Triest auf. Dort entwickelte er ein starkes Interesse an der k.k. Marine, insbesondere an Schiffen, Manövern, Schiffsbau und nautischen Modellen. Ein erhaltenes Reisetagebuch dokumentiert diese Begeisterung: Franz illustrierte die geschilderten Ereignisse durchgehend mit Bleistiftzeichnungen und Aquarellen.
Im Alter von 16 Jahren trat er in die Armee ein, wo er zum Oberleutnant im Infanterieregiment Nr. 18 und zum Rittmeister im 2. Dragonerregiment avancierte. 1861 wurde er zum lebenslangen Mitglied des Herrenhauses ernannt. 1862 schied er im Rang eines Majors aus dem aktiven Dienst des Heeres aus. 1868 wurde er Mitglied der steiermärkischen Landwehr.[3] Im Jahr 1862 übernahm er die Verwaltung der von seinem Vater hinterlassenen Betriebe und Einrichtungen. 1869 erhob ihn der Kaiser zum Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies und ernannte ihn 1882 zum Wirklichen Geheimen Rat. Am 14. Juli 1870 trat er als Major in den nicht aktiven Dienst der berittenen Landesschützen von Tirol über. Franz war erster Präsident des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund und leistete so einen bedeutenden Schritt zur Förderung der steirischen Kunst.[4] Franz von Meran litt in den letzten Jahren seines Lebens an einem chronischen Magenleiden. Während eines Kuraufenthalts in Abbazia verstarb er am 27. März 1891 an den Folgen einer Magenperforation infolge von Magengeschwüren.[5] Beigesetzt wurde Franz von Meran in dem von ihm für seine Eltern erbauten Mausoleum des Erzherzogs Johann in Schenna.
Heirat und Nachkommen
Er heiratete am 8. Juli 1862 auf Burg Ottenstein Theresia Gräfin von Lamberg (1836–1913), eine Tochter des Franz Philipp von Lamberg.[6] Das Paar hatte sieben gemeinsame Kinder:
- Anna Maria (1864–1935) ⚭ 1892 Alfons von Steffenelli-Prenterhof-Hohenmaur (1863–1894); ⚭ 1896 Johann Ritter von Radey (1863–1955)
- Maria Johanna (1865–1933)
- Johann Stephan (1867–1947) ⚭ 1891 Ladislaja Gräfin von Lamberg (1870–1952)
- Franz Peter (1868–1949) ⚭ 1902 Marie Prinzessin von und zu Liechtenstein (1877–1939)
- Karoline Johanna (1870–1944) ⚭ 1893 Heinrich Baron von Doblhoff-Dier (1868–1926)
- Rudolf Johann (* 9. Dezember 1872; † 17. September 1959), 1909–1911 Bezirkshauptmann von Bregenz, 1912–1917 Landespräsident der Bukowina, 1917 Statthalter (Landeschef) in Österreich ob der Enns ⚭ 1917 Johanna Prinzessin von Auersperg (1890–1967)
- Albrecht Johann (1874–1928)[7]
Zu ihren direkten Nachkommen (einige Generationen dazwischen) zählen u. a. sowohl Karl-Theodor zu Guttenberg, Douglas Hoyos sowie die Brüder Philipp, Nikolaus und Franz Harnoncourt als auch Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn, geb. Mayr-Melnhof.[8]
Vorfahren
| Ahnentafel von Franz von Meran | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ururgroßeltern |
Herzog Leopold Joseph von Lothringen (1679–1729) |
Kaiser Karl VI. (1685–1740) |
König Philipp V. (1683–1746) |
König August III. (1696–1763) |
Georg Pilz |
Joseph Fürst | ||
| Urgroßeltern |
Kaiser Franz I. Stephan (1708–1765) |
König Karl III. (1716–1788) |
Jakob Plochl |
Johann Pilz (1744–1792) | ||||
| Großeltern |
Kaiser Leopold II. (1747–1792) |
Postmeister Jakob Plochl (1774–1828) | ||||||
| Eltern |
Johann von Österreich (1782–1859) | |||||||
|
Franz von Meran | ||||||||
Literatur
- Constantin von Wurzbach: Meran, Franz Ludwig Johann Baptist Graf von. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 17. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1867, S. 379 f. (Digitalisat).
- Franz Ilwof: Meran, Franz Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 52, Duncker & Humblot, Leipzig 1906, S. 321–325.
- Renate Basch-Ritter: Anna Plochl – Die Frau an der Seite Erzherzog Johanns. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 2005, ISBN 3-201-01845-7.