Felix Lehmann (Musiker)

deutscher Orchesterleiter und Jazzmusiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Heinrich Felix Lehmann (* 17. Dezember 1882 in Muskau; † 28. Dezember 1975 in Berlin-Steglitz[1]) war ein deutscher Orchesterleiter und Jazzmusiker,[2] der vor allem unter dem Künstlernamen Fred Bird bekannt ist.

Leben

Über Felix Lehmanns Ausbildung ist nichts bekannt. Er lebte ab 1914/15 als Pianist in Berlin-Schöneberg.[3] Da sich zu dieser Zeit keine Auftritte eines Pianisten dieses Namens nachweisen lassen, benutze er eventuell ein Pseudonym. Seit 1924 war Lehmann Hauskapellmeister und Aufnahmeleiter der Schallplattenfirma Homophon Co. in der Berliner Alexandrinenstraße. Er spielte zahlreiche Aufnahmen auch unter anderen Namen ein. Dadurch gelang es ihm, ein nicht vorhandenes breites Interpretenspektrum seiner Plattenfirma vorzutäuschen: Gab es Tagesschlager zu spielen, firmierte er als Homocord-Tanzorchester, ganz ohne Nennung seines Namens, dafür aber meist mit Refraingesang durch Ludwig Bernhuber. Galt es dagegen, Salon- und Konzertrepertoire darzubieten, wurde aus der Kapelle das Salon-Orchester Félix Lemeau mit französisch klingendem Dirigentennamen.[4] Nach der Jahreswende 1926/27, als die amerikanischen Tanzschlager verstärkt nachgefragt wurden, trat seine Kapelle auch unter dem Namen Fred Bird The Salon Symphonie (sic) Jazz Band in Erscheinung. Um 1929/30 wurden daraus dann auf dem neuen schwarzen Homocord-Etikett die Fred Bird Rhythmicans. Die „stärker jazzorientierte Kapelle“ war zwischen 1929 und 1932 gelegentlich im Rundfunk zu hören.[5] Ein Photo von Fred Bird wurde im Almanach Künstler am Rundfunk von 1931 abgedruckt.[6] Nach 1933 taufte man die Kapelle schließlich – aufgrund des Decknamen-Verbots der ReichskulturkammerFred Bird Tanz-Orchester, bis die Firma Homophon ganz verschwand und im Konzern von Carl Lindström aufging.

Der südafrikanische Banjoist und Jazz-Sänger Al Bowlly arbeitete zeitweise mit Fred Birds Kapelle[7]. Laut Lange scheint Bird aber noch weitere hochkarätige Jazzer als Solisten in seinem Orchester beschäftigt zu haben; Horst H. Lange nennt außer Bowlly noch den Trompeter Howard O. MacFarlane, den Geiger Arno Lewitsch und den Gitarristen und Banjospieler Mike Danzi.[8]

Auffällig ändert sich der Orchesterklang nach 1932 mit dem Namen: Das Tanz-Orchester Fred Bird scheint nicht dieselbe Besetzung gehabt zu haben wie die Salon Symphonie Jazz Band und auch nicht dieselbe wie die Rhythmicans.

Für die Zeit nach 1934 liegen nur noch wenig Nachrichten über Fred Birds Karriere vor.[9] Allerdings veröffentlichte in den späten 1930er Jahren bis in die ersten Kriegsjahre hinein auf dem Kristall-Label ein Tanzorchester Fred Berd – mit “e” statt des “i” -, das weder im Orchesterklang noch mit sonst etwas an die alten Einspielungen des Fred Bird alias Felix Lehmann erinnert. Es handelte sich um eine einzelne Aufnahmesitzung im Oktober 1937.[10] Bis 1940 sind noch Rundfunksendungen mit der „Kapelle Felix Lehmann-Bird“ oder „Kapelle Felix Lehmann“ nachweisbar.[11]

Das Berliner Branchenbuch führt ihn bis Ende der 1960er Jahre als Musiker.[12]
Felix Lehmann, der seit dem Ende der 1920er Jahre in Berlin-Steglitz lebte, starb dort 1975 weitestgehend vergessen im Alter von 93 Jahren.[13][14]

Lehmann war seit 1924 mit Klara Elsa Lorenz (* 1904 in Berlin; † 1983 ebendort) verheiratet.[15] Der gemeinsame Sohn Udo (* 1929 Berlin; † 1985 ebendort) wurde ebenfalls Musiker.

Tonträger (Auswahl)

Fred Bird, The Salon Symphonic Jazz Band (Aufnahmen mit Al Bowlly)
  • M-19381-2 Ain't She Sweet? Homocord 4-2389 Berlin, 12. September 12 1927
  • M-19382 In A Little Spanish Town Homocord 4-2389
  • M-19444 I'm Alone In Athlone Homocord 4-2418 Berlin, 23. September 23 1927
  • M-19445 Because I Love You Homocord 4-2418
  • M-19748-1 Rio Rita Homocord 4-2496 Berlin, ca. Dezember 1927
  • M-19749 Souvenirs Homocord 4-2496
  • ? Stampede Homocord 4-2283 Berlin 1927 (eine der berühmtesten Aufnahmen dieser Band)
  • ? Black Bottom Homocord 4-2283

Literatur

  • Künstler am Rundfunk: ein Taschenalbum der Zeitschrift ‘Der deutsche Rundfunk’. Rothgiesser & Diesing, Berlin 1932, S. 234 (als Fred Bird).
  • Horst H. Lange: Jazz in Deutschland: die deutsche Jazzchronik 1900–1960. Colloquium-Verlag, Berlin 1966; 2., verbesserte Auflage, Olms, Hildesheim 1996, ISBN 3-487-08375-2.
  • Björn Englund, Gabriel Goessel und Rainer E. Lotz: Discographie der deutschen Tanzmusik, Band 8 (=Deutsche National-Discographie, Serie 2). Lotz, Bonn 2003, ISBN 3-9805808-8-1.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI