Frederick Wiseman
US-amerikanischer Jurist, Filmregisseur und -produzent
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Frederick Wiseman (* 1. Januar 1930 in Boston, Massachusetts; † 16. Februar 2026[1] in Cambridge, Massachusetts[2]) war ein US-amerikanischer Dokumentarfilmregisseur.

Leben und Werk
Der Sohn einer Polin und eines Russen war nach Jurastudium am Williams College und der Yale Law School[3] und Militärdienst zunächst als Rechtsanwalt in Paris tätig. 1958 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Rechtsmedizin der Boston University und später Dozent an der Juristischen Fakultät.[4]
Ab 1967 arbeitete er auch als Filmregisseur. Er drehte für seine eigene Firma Zipporah Films über 40 Dokumentarfilme und realisierte auch zwei Spielfilme. Neben D. A. Pennebaker, Robert Drew und Richard Leacock gilt er als wichtiger Pionier des US-amerikanischen Direct Cinema. Sein 1967 im Bridgewater State Hospital in Massachusetts gedrehter Film Titicut Follies[5] war einer der kompliziertesten Zensurfälle in der Filmgeschichte und wurde erst 1991 vom Obersten Gericht für das Publikum freigegeben.
1982 war er MacArthur Fellow. Im Frühjahr 2012 nahm Wiseman aktiv am dreimonatigen Ausstellungsbetrieb der Whitney Biennial 2012 teil.[6] 2016 wurde ihm der Ehrenoscar zuerkannt.[7]
Für seine Werke Ex Libris – The New York Public Library (2017) und Un couple / A Couple (2022) erhielt er Einladungen in den Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Venedig.
Seine letzte eigene Produktion war Menus-Plaisirs – Les Troisgros aus dem Jahr 2023. Als Schauspieler erschien er in Rebecca Zlotowskis Tragikomödie Les enfants des autres (2022) und in Paris Murder Mystery aus dem Jahr 2025. Mit der Produzentin Karen Konicek verband ihn eine 45 Jahre anhaltende Zusammenarbeit, die beiden waren auch befreundet.[3]
Frederick Wiseman starb am 16. Februar 2026 im Alter von 96 Jahren. Er wohnte zuletzt in Northport (Maine) und Paris (Frankreich)[8] sowie in Cambridge (Massachusetts), wo er zuhause starb.[2] Wisemans Ehefrau Zipporah Batshaw Wiseman starb 2021. Sie waren 65 Jahre verheiratet und hatten zwei Söhne sowie mehrere Enkelkinder.[3]
Filmografie (Auswahl)
- 1967: Titicut Follies
- 1968: High School[9]
- 1969: Law and Order[10]
- 1971: Basic Training
- 1971: I Miss Sonia Henie
- 1973: Juvenile Court
- 1974: Primate
- 1975: Welfare
- 1976: Meat
- 1977: Canal Zone
- 1978: Sinai Field Mission
- 1979: Monoeuvre
- 1986: Adjustment and Work
- 1987: Missile
- 1989: Near Death
- 1990: Central Park[11]
- 1993: Zoo
- 1994: High School II
- 1997: Leben am Rande der Stadt
- 2005: The Garden
- 2006: State Legislature
- 2009: La Danse: Das Ballet der Pariser Oper
- 2010: Boxing Gym
- 2011: Crazy Horse
- 2013: At Berkeley[12]
- 2014: National Gallery
- 2015: In Jackson Heights[13]
- 2017: Ex Libris – The New York Public Library
- 2018: Monrovia, Indiana
- 2020: City Hall[14]
- 2022: Un couple
- 2022: Les enfants des autres (Schauspielrolle)
- 2023: Menus Plaisirs – Les Troisgros
- 2025: Paris Murder Mystery (Vie privée, Schauspielrolle)
Auszeichnungen (Auswahl)
- 1969: Primetime Emmy Award[15] für Law and Order
- 1970: Primetime Emmy Award[16] für Hospital
- 1991: Mitglied der American Academy of Arts and Sciences
- 2001: Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters[17]
- 2006: Award of Distinction der American Society of Cinematographers[18]
- 2012: Legacy Award der Cinema Eye Honors für den Debütfilm Titicut Follies[19]
- 2014: Goldener Löwe für das Lebenswerk auf dem Filmfest in Venedig
- 2016: Ehrenoscar
Quelle:[20]
Literatur
- Thomas W. Benson, Carolyn Anderson: Reality Fictions: The Films of Frederick Wiseman. Southern Illinois University Press, Carbondale 1989, ISBN 978-0-809313-64-8.
- Trenczak, Heinz (1990): "Der Ort ist der Star." Ein Portrait des US-Dokumentaristen Frederick Wiseman. In: Blümlinger, Christa (Hg.) 1990: Sprung im Spiegel. Filmisches Wahrnehmen zwischen Fiktion und Wirklichkeit., S. 295–304, Wien: Sonderzahl Verlag, ISBN 3-85449-023-2
- Hohenberger, Eva (Hg.) 2009: Frederick Wiseman. Kino des Sozialen. Berlin: Vorwerk 8, ISBN 978-3-940384-14-0
- Barry Keith Grant: Voyages of Discovery: The Cinema of Frederick Wiseman, Columbia University Press, erweiterte Neuauflage 2023
- Hannes Brühwiler (Hg.): Frederick Wiseman. Das Schauspiel der Gesellschaft. Berlin: Bertz + Fischer, 2023, ISBN 978-3-86505-338-1.
Weblinks
- Literatur von und über Frederick Wiseman im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Frederick Wiseman bei IMDb
- Frederick Wiseman bei filmreference.com
- Bibliografie zu Wiseman
- Zipporah Films – Detaillierte Informationen zu allen Filmen
- „Ein Chronist Amerikas“ – Gespräch im Deutschlandfunk Kultur mit dem Filmkurator Hannes Brühwiler, 30. April 2022