Nordkurier

deutsche regionale Tageszeitung From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Nordkurier ist eine deutsche Tageszeitung. Sie wird als Regionalzeitung überwiegend in Ostmecklenburg, im südlichen Teil Vorpommerns sowie im Landkreis Uckermark im nördlichen Brandenburg vertrieben. Das traditionelle Verbreitungsgebiet ist weitestgehend identisch mit den Grenzen des ehemaligen Bezirks Neubrandenburg der DDR. Die verkaufte Auflage beträgt 36.626 Exemplare, ein Minus von 71,8 Prozent seit 1998.[2]

Schnelle Fakten
Nordkurier
Beschreibung deutsche Tageszeitung
Verlag Nordkurier Mediengruppe GmbH & Co. KG
Erstausgabe 2. April 1990[1]
Erscheinungsweise täglich Montag bis Sonnabend
Verkaufte Auflage 36.626 Exemplare
(IVW 4/2025, Mo–Sa)
Chefredakteur Gabriel Kords
Herausgeber Nordkurier Mediengruppe GmbH & Co. KG
Weblink www.nordkurier.de
ISSN (Print)
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Ehemalige Logos (2012)
Nordkurier-Gebäude, Flurstraße 2, Neubrandenburg

Geschichte

Hervorgegangen ist der Nordkurier aus der Zeitung Freie Erde, dem ehemaligen Organ der Bezirksleitung Neubrandenburg der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Die Freie Erde erschien von August 1952 bis März 1990, zuerst als Organ der Bezirksleitung Neubrandenburg der SED und ab 1989 als Sozialistische Tageszeitung im Bezirk Neubrandenburg.

Herausgeber

An der Nordkurier-Mediengruppe, die den Nordkurier verlegt, waren bis 2021 zu jeweils einem Drittel der Verlag der Kieler Nachrichten, der Schwäbische Verlag sowie die Presse-Druck- und Verlags-GmbH beteiligt. Rückwirkend zum 1. Januar 2021 einigten sich diese drei Gesellschafter im Juli 2021 darauf, dass der Schwäbische Verlag alleiniger Gesellschafter wird.[3] Zur Nordkurier-Mediengruppe gehört ein eigenes Logistikunternehmen, das die Nordkurier-Zeitungen, Briefe und Pakete zustellt.[4] Lutz Schumacher, der Geschäftsführer der SV-Gruppe, will durch die Zusammenführung ein zukunftsfähigeres Medienhaus schaffen, das „für zuverlässigen lokalen und regionalen Journalismus einsteht“.[5] Seit Anfang 2024 greifen die Onlineportale der Zeitungen Schweriner Volkszeitung, Norddeutsche Neueste Nachrichten und Nordkurier auf die gleichen Inhalte zurück, sollen aber dennoch als getrennte Namen erhalten bleiben. Auch die Printausgabe aller drei Zeitungen wurden weitgehend dem Nordkurier angepasst und Redaktionen vereinheitlicht.[6]

Chefredakteure

Chefredakteure der Freien Erde:

Weitere Informationen Zeitraum, Name ...
ZeitraumName
1952–1956Karl-Heinz Karge
1956–1961Horst Jonas
1962–1964Heinrich Thomas
1964–1989Gerhard Schiedewitz
1989–1990Heinzgeorg Oette
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Die auf Usedom erscheinende Lokalausgabe wird unter dem abweichenden Titel Usedom Kurier herausgegeben. Sie steht in direkter Konkurrenz zur Usedom-Peene-Zeitung, der Lokalausgabe der dort erscheinenden Ostsee-Zeitung. Diese Situation entstand aus der Kreisgebietsreform 1994 durch die Zusammenlegung der Kreise Anklam (ehemals Bezirk Neubrandenburg, dadurch traditionelle Zeitung Freie Erde), Greifswald-Land und Wolgast (beide ehemals Bezirk Rostock mit dem Bezirksorgan Ostseezeitung). In Brandenburg heißt die Lokalausgabe Uckermark Kurier.

Nach dem Umbruch in der DDR 1989/1990 wurde zunächst in den alten Räumen weiter gearbeitet. Nachdem der damalige Finanzminister Theo Waigel am 30. September 1992 den Grundstein legte, bezog das durch die Treuhandanstalt privatisierte Unternehmen 1993/1994 ein neu errichtetes Druck- und Verlagshaus auf dem Neubrandenburger Datzeberg.

Chefredakteure des Nordkurier:

Weitere Informationen Zeitraum, Name ...
ZeitraumName
1990–1992Heinzgeorg Oette
1992–2002Gerhard Deckl
2002–2009André Uzulis
2009–2013Michael Seidel
2013–2019Lutz Schumacher
2019–2022Jürgen Mladek
2022–2024Gabriel Kords
2024–2025Philippe Debionne
seit 2025Gabriel Kords
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Auflage

Der Nordkurier hat in den vergangenen Jahren erheblich an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist in den vergangenen 10 Jahren um durchschnittlich 6,7 % pro Jahr gesunken. Im vergangenen Jahr hat sie um 10,2 % abgenommen.[7] Sie beträgt gegenwärtig 36.626 Exemplare.[8] Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 93,2 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[9]
1998199920002001200220032004200520062007200820092010201120122013201420152016201720182019202020212022202320242025
129.895 126.861 121.166 117.095 112.759 108.472 105.579 101.754 98.436 95.841 93.750 90.953 89.807 86.854 85.534 82.447 77.598 73.657 71.450 69.320 65.937 63.510 60.668 58.154 52.386 47.047 40.775 36.626

Produktion und Dienstleistungen

Von April 2009 bis März 2013 produzierte der Nordkurier seinen Mantelteil nicht mehr selbst, diesen lieferte die mv:m Mantelredaktion GmbH mit Sitz in Schwerin.[10] Seit April 2013 erstellt der Nordkurier seinen Mantel wieder in Eigenregie und stockte dazu die Redaktion um 14 auf 120 Mitarbeiter auf. Hintergrund des neuen Konzepts war auch der Bau eines neuen Druckzentrums mit einer neuen Druckmaschine, was eine Umstellung des Zeitungsformats vom Rheinischen auf das Berliner Format bedeutete. Dadurch ließ sich das Layout des Kooperationspartners Schweriner Volkszeitung nicht mehr so einfach übernehmen. Zudem hätten „verschiedene redaktionelle Neuausrichtungen in andere publizistische Ansprüche als zu Beginn der Kooperation“ gemündet.[11]

Im Verlag des Nordkuriers erscheinen acht Ausgaben des Wochenblattes Anzeigenkurier mit einer Gesamtauflage von 321.000 Exemplaren wöchentlich.

Regionalteile

Als Kopfblätter erscheinen:

Weitere Informationen Ausgabe, Verkaufte Auflage ...
AusgabeVerkaufte Auflage[12]
Anklam (Vorpommern Kurier)
Usedom (Insel-Zeitung im Usedom Kurier)
3431
Demmin (Demminer Zeitung)1390
Neubrandenburg (Neubrandenburger Zeitung)
Altentreptow (Treptower Tageblatt)
9103
Neustrelitz (Strelitzer Zeitung)4219
Pasewalk (Pasewalker Zeitung)2632
Prenzlau (Prenzlauer Zeitung im Uckermark Kurier)3512
Templin (Templiner Zeitung im Uckermark Kurier)2476
Teterow (Mecklenburger Schweiz – Teterow)
Malchin (Mecklenburger Schweiz – Malchin)
3626
Ueckermünde (Haff-Zeitung)2195
Waren (Müritz-Zeitung)
4042
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Strafverfahren wegen des Begriffs Rabauken-Jäger

Überregional berichtet wurde über ein Verfahren gegen einen Nordkurier-Reporter, der einen Jäger, der ein totes Reh an einem Seil hinter seinem Auto über die Straße geschleift hatte,[13] im Juni 2014 als Rabauken-Jäger bezeichnete.[14] Das Amtsgericht Pasewalk verurteilte den Journalisten im Mai 2015 wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 1000 Euro, im Februar 2016 bestätigte das Landgericht Neubrandenburg die Strafe. Das Oberlandesgericht Rostock hob sie im September 2016 auf. Vor allem weil der Jäger leicht zu identifizieren war, sprach der Deutsche Presserat eine Missbilligung aus.[13][15][16]

Kritik

Der Katapult-Chefredakteur Benjamin Fredrich warf dem Nordkurier 2020 vor, systematisch mit Rassismus zu arbeiten, um eine höhere Reichweite zu erzielen. „Ich glaube, die haben irgendwann mal rausgefunden, welche Artikel bei ihnen ganz gut laufen und das waren nun mal die hetzerischen – Ausländer schlecht, Einheimischer gut – Afrikaner greift Deutschen an – die gegen uns“, schrieb er in einem Online-Artikel. Seine Kritik zielte nicht nur auf die Berichterstattung ab, sondern auch die fehlende Moderation der Kommentare auf der Nordkurier-Facebook-Seite: „Einige Leute vom Nordkurier sind waschechte Rassisten, die die Mordfantasien ihrer Leser erst schüren und anschließend auf ihren Kanälen dulden. Damit verletzen sie gleichzeitig den Pressekodex und das Grundgesetz.“[17]

Im Januar 2021 warf der Autor Hendrik Wieduwilt bei Übermedien der Textchefin des Nordkuriers, Simone Schamann, vor, einem Interviewgast nach mehreren Falschaussagen nicht widersprochen zu haben. Der Anwalt hatte die These aufgestellt, dass der im Rahmen der COVID-19-Pandemie verhängte Lockdown gegen EU-Recht verstoße. Wieduwilt fragte: „Wie erklärt man sich dieses simultane Punktversagen von Journalismus und Anwaltschaft? Was werden beide mit diesem Interview bei den Querdenkern auslösen?“[18][19]

Im Mai 2021 warf die taz dem Nordkurier eine wiederholte inhaltliche Nähe zur „Querdenken“-Bewegung vor.[20]

Im November 2021 veröffentlichte der Nordkurier in seiner Druckausgabe einen Beitrag der nationalkonservativen bis rechtsextremen Wochenzeitung Junge Freiheit, ohne diese politisch einzuordnen. Tim Ehlers von der Regionalzeitung Katapult MV kritisierte, dass der Nordkurier damit das „Sprachrohr einer radikal-nationalistischen Opposition“[21] normalisiere: „Das Abdrucken eines Beitrags einer neurechten Zeitung aber, zumal ohne kritische Einordnung, führt zu einer Normalisierung des Mediums. Leserinnen und Leser des Nordkuriers bekommen den Eindruck, die Junge Freiheit sei eine ganz normale Zeitung.“[22]

Im Juni 2024 warf Katapult MV dem Nordkurier mangelnde Einordnung von Aussagen von AfD-Politikern vor und bezeichnete den „Nordkurier als ungefilterte AfD-Plattform“.[23] Diese Kritik bezog sich hauptsächlich auf zwei Artikel, bei denen „nicht alle demokratiefeindlichen Aussagen […] richtiggestellt“ wurden. Die Vorwürfe bezogen sich auch auf einen Text zum Urteil über die bundesweite Einstufung der AfD als rechtsextremistischer Verdachtsfall, in dem nur die beiden AfD-Politiker Erik Holm und Enrico Komning, Mitglied des aufgelösten völkisch-nationalistischen und rechtsextremen Flügels der AfD, zu Wort kamen und u. a. die Unabhängigkeit der Justiz ohne Einordnung seitens des Nordkuriers infrage stellten.[23]

Literatur

Commons: Nordkurier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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