Friedrich Harm
deutscher Politiker (SPD), MdR
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Friedrich Harm (* 25. August 1844 in Leezen; † 13. Oktober 1905 in Elberfeld) war ein deutscher sozialdemokratischer Politiker.



Herkunft und Kindheit
(Hans) Friedrich Harm ist mit 9 Geschwistern (Hans-Christian *1832, Anna Maria *1838, Catharina Maria *1839, Sophia Christina *1842, Johann Hinrich *1843, Heinrich Bernhard *1847, Stina Catharina *1848 und Anna Catharina *1850) in äußerst ärmlichen Verhältnissen im Bauerndorf Leezen aufgewachsen. Sein Vater Hans Casper Harm war Inste und Weber. Seine Mutter Cat(h)arina Elsabe (geb. Studt) kümmernte sich um die Familie. Nach dem Besuch der Volksschule in Leezen erlernte Harm das Weberhandwerk.
Wanderjahre und politischer Einstieg
Nach der Schule ging Harm in die Fremde. Bereits Mitte der 1860er Jahre schloss er sich dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) an und warb um neue Anhänger. Ende der 1860er kam Harm nach Wuppertal und arbeitete in Textilfabriken.

Kurzer Aufenthalt in der Heimat (1874)
Im Jahr 1874 kehrte Harm für kurze Zeit nach Leezen zurück, organisierte dort Volksversammlungen und trat als Redner auf (sh. Bild). Durch Maßregelungen, von denen auch seine Angehörigen, seine Eltern und Geschwister getroffen wurden, war er gezwungen, seine Heimat wieder zu verlassen. Er ging zurück nach Elberfeld.[1]
Gründung der SPD und politische Tätigkeit
Bereits 1875 nahm Harm für Wuppertal als einer von 74 Delegierter des ADAV am Gothaer Vereinigungsparteitag teil und zählt damit zu den Gründungsmitgliedern der SPD.
Nach dem Beitritt im ADAV wurde Harm bald führender Funktionär der Partei in Elberfeld. Ab 1884 saß Harm für den Wahlkreis Düsseldorf 2 (Elberfeld) im Reichstag - aufgrund des Sozialistengesetzes zunächst als Einzelkandidat, später als Mitglied der SAP bzw. der SPD. Während des Elberfelder Geheimbundprozesses (November 1889) wurde er zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt. Trotzdem wurde der am Wahlkampf gehinderte, da im Gefängnis sitzende, Harm im Februar 1890 wieder in den Reichstag gewählt. Noch bis 1898 vertrat Harm dort den Wahlkreis Elberfeld-Barmen.[2] Harm wurde vom Sozialdemokraten Hermann Molkenbuhr abgelöst.
Berufliche Situation und journalistische Arbeit
Aufgrund seiner politischen Tätigkeiten fand Harm keine Anstellung in Textilfabriken. So verdiente er als Lebensmittelhändler in Elberfeld seinen Unterhalt. Ab 1885 war Harm Expedient der Freien Presse. Weil der ADAV die Gründung lokaler Zeitungen als Konkurrenten zum Zentralorgan „Social-Demokrat“ ablehnte, waren in der Region bis zum Inkrafttreten des Sozialistengesetzes keine Blätter gegründet worden. Im Herbst 1886 übernahm der Reichstagsabgeordnete Friedrich Harm die 1885 von einem Mitglied der Deutschfreisinnigen Partei gegründete Freie Presse und gab der Tageszeitung gemeinsam mit Hermann Grimpe eine vorsichtig sozialdemokratische Ausrichtung. Die Freie Presse produzierte zwischenzeitlich Kopfblätter für den ganzen Bezirk Niederrhein.[3]
Molkenbuhr übernahm mit der Verlagsanstalt Freie Presse – Molkenbuhr & Cie oHG von Friedrich Harm auch die „Freie Presse – Zeitung der Sozialdemokratischen Partei für das Bergische Land“, wie sie inzwischen genannt wurde.
Privates
Harm war verheiratet und hatte zahlreiche Kinder. Er hatte „ununterbrochen mit Nahrungssorgen zu kämpfen“ (aus dem Nachruf, erschienen am 15. Oktober 1905 in der 3. Beilage des „Vorwärts“ Berliner Volksblatt).
Spätere Jahre
Auch nach seiner aktiven Zeit als Reichstagsabgeordneter zog Harm durch die Lande um Ortsvereine der SPD zu gründen, so z. B. 1901 in Tönisheide Neviges.[4]
Weblinks
- Biografie von Friedrich Harm. In: Wilhelm H. Schröder: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1876–1933 (BIOSOP)
- Biografie von Friedrich Harm. In: Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (Biorab – Kaiserreich)
- 140 Jahre SPD in Wuppertal ( vom 5. Juli 2007 im Internet Archive) (zu Harm, siehe S. 10 ff.; PDF-Datei; 3,44 MB)
- Friedrich Harm in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten