Friedrich Henninges

deutscher Theologe der Reformationszeit und evangelischer Superintendent von Lüneburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Friedrich Henninges, auch Hennings (* um 1490 in Lüneburg; † 5. Dezember 1563 ebenda) war ein deutscher Theologe der Reformationszeit und evangelischer Superintendent von Lüneburg.

Leben

Über die Herkunft und Jugend von Friedrich Henninges ist wenig bekannt. Im April 1509 wurde er an der Universität Rostock immatrikuliert.[1] Er studierte Philosophie und Theologie, besonders bei Barthold Moller. 1513 graduierte er als Magister.[2] 1523 war er an der Universität Wittenberg immatrikuliert.[3]

Er wurde zum Priester geweiht und war zunächst Kaplan an der Hauptkirche Sankt Petri in Hamburg, dann ab 1525 als Nachfolger des verstorbenen Johann Engelin als Vize-Plebanus der leitende Geistliche der Petrikirche[4] sowie Lektor am Hamburger Dom.[5] Henninges anfängliche Haltung zur sich auch in Norddeutschland ausbreitenden Reformation wird unterschiedlich bewertet. Während er nach Karl Ernst Hermann Krause zuerst zu ihren Gegnern, den Papisten zählte[2] und daher 1528 zusammen mit Moller und anderen Hamburg verlassen habe und nach Rostock gegangen sei, meint Wilhelm Jensen, Henninges sei „für Luther“ und „innerlich bereits der neuen Lehre zugeneigt“ gewesen.[6] Nach der zeitnahen Darstellung Stephan Kempes sei Henninges jedenfalls schon bei Kempes erster Disputation 1527 „den evangelischen Predigern nicht entgegen gewesen“.[7] Auf jeden Fall verließ er Hamburg noch vor der Ankunft von Johannes Bugenhagen. Johann Boldewan wurde als sein Nachfolger der erste evangelische Hauptpastor an St. Petri.[8]

Gegen Ende des Jahres 1529 wurde Henninges vom Rat der Stadt Lüneburg zum Pastor der Kirche St. Nicolai berufen.[9] Hier prägte er nach anfänglichem Zögern die Ausbildung des lutherischen Kirchenwesens. 1532 disputierte er mit Urbanus Rhegius. Nach dem Tod des Superintendenten Christoph Hegendorf wurde Henninges 1540 der vierte lutherische Stadtsuperintendent Lüneburgs. 1548 nahm er im Auftrag der Stadt am Konvent von Mölln teil, auf dem sich das sogenannte Ministerium Tripolitanum, ein Zusammenschluss der Geistliches Ministerien von Hamburg, Lübeck und Lüneburg, auf einen gemeinsamen Widerstand gegen das Augsburger Interim verständigte.

1549 verfasste Henninges das Lüneburgische Bekenntnis von 40 Artikeln, das die Stadt dem Kaiser überreichte. In den großen innerprotestantischen Kontroversen dieser Jahre zwischen Gnesiolutheranern und Philippisten tauchte Henninges immer wieder auf. Henninges tendierte zu den Gnesiolutheranern, vertrat aber eine etwas liberalere Haltung. Er unterschrieb die Braunschweiger Artikel gegen die Adiaphoristen im Adiaphoristischen Streit, erklärte sich mit Matthias Flacius und Nicolaus Gallus gegen Georg Majors Lehre von den guten Werken im Majoristischen Streit. In Sendschreiben stritt er gegen die Reformierten in Bremen. 1557 gehörte er zu den norddeutschen Theologen, die im heftigen Streit zwischen Flacius und Philipp Melanchthon vermitteln sollten. Der Versuch einer Einigung, mit Treffen in Magdeburg und Coswig, blieb erfolglos.

Trotz seiner großen Bedeutung ist wenig von ihm gedruckt.[2] Er „hinterließ in der Lüneburgischen Kirche zwar das angenommene Corpus doctrinae, aber keinesweges die Verdammungssucht der übrigen verbündeten Städte, sondern eine friedliche Eintracht, zu deren Erhaltung seine Fürsorge und sein Beispiel kräftig mitgewirkt hatten.“[10]

Der Pastor und Genealoge Hieronymus Henninges (1536–1596) war sein Sohn.

Werke

  • RESPONSIO MINISTRORVM ECCLESIAE CHRISTI, QVAE EST HAMBVRGI ET LVNEburgi, ad confessionem D. Andreae Osiandri, de mediatore Iesu Christo & iustificatione fidei, inclyto Hamburgensis & Luneburgensis Reip: Senatui exhibita, Anno Do. MDLII. mense Februario scripta. ... Magdeburg: Lotter 1553 (Digitalisat)

Literatur

  • Johann Georg Bertram: Das Evangelische Lüneburg: Oder Reformations- und Kirchen-Historie der Alt-berühmten Stadt Lüneburg. Ludolph Schröder Buchhandlung, Braunschweig 1719
  • Heinrich Wilhelm Rotermund: Das Gelehrte Hannover oder Lexikon von Schriftstellern und Schriftstellerinnen, gelehrten Geschäftsmännern und Künstlern, die seit der Reformation in und außerhalb der sämtlichen zum Königreich Hannover gehörigen Provinzen gelebt haben und noch leben, aus den glaubwürdigsten Schriftstellern zusammengetragen. Band 2, Bremen: Schünemann 1823 (Digitalisat), S. 326f
  • Karl Ernst Hermann Krause: Henninges, Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 11, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 778.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI