Friedrich Tscharmann

deutscher Offizier, zuletzt SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS From Wikipedia, the free encyclopedia

Friedrich Tscharmann (* 30. November 1871 in Leipzig; † 3. Mai 1945 in Berlin) war ein deutscher SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS.

Friedrich Tscharmann als sächsischer Major.[1]

Leben

Friedrich Tscharmann war ein Nachkomme des Kammertürken Friedrich Aly und ein Sohn des Rechtsanwalts Joseph Julius Tscharmann und dessen Ehefrau Johanne Wilhelmine Bertha, geborene Hardegen.[2] Der Architekt Heinrich Tscharmann war sein Bruder. Nach dem Besuch des König-Albert-Gymnasiums in Leipzig, das er 1891 mit dem Abitur verließ, trat er als Fahnenjunker in das 1. Feldartillerie-Regiment Nr. 12, kurz FAR 12, der Sächsischen Armee in Dresden ein. Anschließend gehörte er bis zum Ersten Weltkrieg diversen Feldartillerieregimentern an und war zwischenzeitlich zum Militärreitinstitut Hannover und zur Militärreitanstalt Dresden abkommandiert. Bis 1905 avancierte Tscharmann zum Hauptmann.

Während des Ersten Weltkriegs war Tscharmann – seit September 1914 Major – zunächst Abteilungskommandeur in seinem Stammregiment. Im November desselben Jahres wurde er für seine Verdienste bei der Schlacht von Ypern mit dem Ritterkreuz des Militär-St.-Heinrichs-Ordens ausgezeichnet. Am 16. Februar 1917 avancierte er zum Kommandeur seines Stammregiments[3] und konnte sich erneut auszeichnen, diesmal während der Deutschen Frühjahrsoffensive von 1918 und wurde dafür mit dem Kommandeurkreuz II. Klasse des Militär-St.-Heinrichs-Ordens ausgezeichnet.[4] Er führte sein Regiment bei Kriegsende heim. Zum 1. April 1919 wurde Tscharmann als Oberstleutnant auf eigenen Wunsch aus dem Militärdienst entlassen. Letztgenannte Diensteinheit war das 4. FAR-Regiment Nr. 48 Dresden.[5] Anschließend ließ Tscharmann sich als Landwirt in Mecklenburg nieder, teils[6] in Brunshaupten – heute Kühlungsborn –, dort lebte ein Teil seiner Familie.

Friedrich Tscharmann hatte bereits 1902 in Dresden Gabriele von Grünenwald geheiratet, die 1879 in Metz (Lothringen) als Tochter des Offiziers Friedrich von Grünenwald (* 1844) und der Isidore Thost (* 1858) geboren wurde. Das Ehepaar Gabriele und Friedrich Tscharmann hatte drei Töchter, die älteste, Gerda, starb nach der Geburt 1902. Die jüngste Tochter Marie Louise heiratete 1931 den Rostocker Architekten Johannes (Hans) Karl Wilhelm Heinrich Schulz.[7] Die Tochter Jutta heiratete 1924 den vorpommerschen Gutsverwalter Albert Wodarg, Sohn der Gertrud Rahmmacher und des Hauptmann a. D. Max Wodarg, Gutsherrn auf Zarrentin[8] bei Gransebieth/Tribsees.

1930 trat Tscharmann der NSDAP und der SA bei. In der Letzteren fungierte er zwei Jahre lang als Stabsführer der SA-Untergruppe Mecklenburg, zuletzt unter Andreas von Flotow, dann nach dessen Entlassung,[9] unter Herbert Fust. Im besagten Zarrentin, Gutsort des Schwiegersohnes, kam im Herbst 1931 der NS-Sympatisant Karl Friedrich Wittenburg ums Leben.[10]

Im Dezember 1932 trat Tscharmann aus der SA und der NSDAP nach besonderer Meldung an das Personalamt wieder aus. Der NSDAP trat er beweislich nicht wieder bei.[11] Mitte der 1930er Jahre lebte Tscharmann mit Familie als Oberstleutnant a. D. in Berlin.

Zum 2. Juli 1935 wurde Tscharmann Mitglied der SS (SS-Nummer 266.455) und gemeinsam mit dem seit 1931 agierenden SS-Sturmführer (Leutnant) Oscar Voß aus Berlin umgehend zum SS-Standartenführer (Oberst) ernannt, als Offizier dem SS-Hauptamt zugeordnet. In der SS machte Tscharmann weiter Karriere. Um 1937 ernannte Himmler ihn zum Abwehrbeauftragten der SS und beförderte ihn am 30. Januar 1939 zum SS-Oberführer. Zwischen Januar 1941 und Juli 1944 war Tscharmann im Amt VI des Allgemeinen SS-Amtes tätig und seit 1943 zudem im Kommandoamt der SS, ab 1. April 1943, nach anderen Quellen taggleich zum 1. Mai 1943 mit Werner Ballauff, als SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS. Zu dieser Zeit wohnte er in Berlin-Halensee, offiziell als Oberstleutnant a. D.[12]

Bereits 1934 war Tscharmann als eines von 23 ehrenamtlichen Mitgliedern des Volksgerichtshofes ausgewählt worden. Im Herbst 1944 war er beim Stab des SS-Oberabschnitt Spree mit Sitz in Berlin, unterstellt dem SS-General Max Schneller. Seine Ehefrau lebte zu Kriegsende in Berlin, dann kurz in Dresden, wo Angehörige der Familie von Grünenwald lebten.[13][14]

Literatur

  • Georg Richter: Der Königlich Sächsische Militär-St.-Heinrichs-Orden. 1736 - 1918. Ein Ehrenblatt der Sächsischen Armee. Geleitwort Horst von der Planitz-Prinz Friedrich Christian Markgraf von Meißen, Wilhelm u. Bertha v. Baensch-Stiftung, Dresden 1937, S. 124. (Militär-Vita).
  • Reichs- und Preußisches Ministerium des Innern (Hrsg.): Handbuch für das Deutsche Reich 1936. Sechsundvierzigster Jahrgang, Carl Heymanns Verlag, Berlin 1936, S. 213.
  • Bernhard Koerner (Hrsg.), G. A. Closs, Ed. Lorenz-Meyer (Zeichnungen): Deutsches Geschlechterbuch. Genealogisches Handbuch Bürgerlicher Familien. Band 92, C. A. Starke, Görlitz 1939, S. 534-Anm. 43, S. 666. (Familie PDF).
  • Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP. Stand vom 1. Dezember 1938. Hrsg. SS-Personalkanzlei. Reichsdruckerei Berlin 1938, S. 28–29. Nr. 385. (NS-Karriere).[15]
  • Dienstaltersliste der SS der NSDAP. (SS-Oberst-Gruppenführer - SS-Standartenführer). Stand vom 9. November 1944. Reichsdruckerei, Berlin 1944, S. 20, Nr. 356. (NS-Karriere).
  • Günther Wieland: Das war der Volksgerichtshof. Ermittlungen, Fakten, Dokumente. DDR-Auflage, Staatsverlag d. DDR, Berlin (Ost) 1999. ISBN 3-329-00483-5. BRD-Auflage-Lizenz von d. DDR, Centaurus-Verlags-Gesellschaft, Pfaffenweiler 1989, ISBN 3-89085-365-X, S. 147.
  • Andreas Schulz, Günter Wegmann, Dieter Zinke: Die Generale der Waffen-SS und Polizei. Band 5: Schlake - Turner. In: Deutschlands Generale und Admirale. 5; Biblio, Bissendorf 2011. ISBN 978-3-7648-2528-7. (Ohne Auswertung).
  • Gerald Kohl, Ilse Reiter-Zatloukal (Hrsg.): Laien in der Gerichtsbarkeit. Geschichte und aktuelle Perspektiven. Verlag Österreich, Wien 2019. ISBN 978-3-7046-8315-1. (Laienrichter Volksgerichtshof).

Trivia

  • Tscharmann`s Nennung im Roman Sanierungsbiete, von Enno Stahl. Verbrecher Verlag, Berlin 2019. ISBN 978-3-95732-405-4.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI