Friesentormadonna
Muttergottes vom Kölner Friesentor
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Die Friesentormadonna ist eine aus Nussbaumholz gefertigte Holzskulptur einer stehenden Madonna mit dem Jesuskind, die sich heute in der Sammlung des Museum Schnütgen in Köln befindet.[1] Sie wurde zum Ende des 14. Jahrhunderts um 1360 bis 1380 geschaffen und befand sich wahrscheinlich im Umfeld des 1882 abgerissenen Friesentores in Köln, der Künstler ist unbekannt.

Beschreibung
Die Statue ist aus Nussbaumholz gefertigt. Sie hat eine Höhe von 132 Zentimetern und eine maximale Breite von 42 Zentimetern, die Tiefe der Figur beträgt 32 Zentimeter. Die Skulptur ist nicht vollständig, der rechte Arm der Marienfigur und auch der des Jesuskindes fehlen ebenso wie die ursprünglich vorhandene Krone der Maria.[2] Die Figur ist farbig gefasst.

Die Skulptur zeigt eine stehende weibliche Figur, Maria, die das Jesuskind auf dem linken Arm trägt. Sie steht aufrecht mit leicht nach links verlagertem Gewicht. Der Körper ist sanft geschwungen und das rechte Bein wirkt tragend, während das linke etwas entlastet wird. Der Oberkörper ist dadurch leicht gedreht, der Kopf nach links geneigt. Das Gesicht ist weich modelliert mit geröteten Wangen, schmalen Augen und einem lächelnden Mund mit geschlossenen Lippen. Das Haar fällt in langen, welligen Strähnen seitlich über die Schultern. Der Blick ist in der Frontalansicht nach links auf das Kind gerichtet; betrachtet man die Skulptur von der linken Seite, blickt die Madonna den Betrachter an. Die Frau trägt ein langes Gewand, das bis zu den Füßen herabreicht. Darüber liegt ein Mantel, der über die Schultern gelegt ist und in breiten, weich fließenden Falten herabfällt. Der Stoff ist reich gefaltet, besonders im Bereich der Hüfte und entlang der Beine. Die Oberfläche zeigt eine farbige Fassung mit überwiegend goldenen und ockerfarbenen Tönen sowie helleren cremeweißen Partien im Schulterbereich.
Das Kind sitzt seitlich auf Hüfthöhe auf ihrem linken Arm. Sein Körper ist nackt dargestellt, mit leicht gebeugten und von den Falten des Gewandes verdeckten Beinen. Der Oberkörper ist aufgerichtet, der Kopf nach vorne gerichtet. Das Kind hat kurze, lockige Haare und ebenfalls gerötete Wangen. Der Blick ist zur rechten Seite gerichtet und bei Betrachtung der Skulptur von links blickt das Kind den Betrachter direkt an. Der rechte Arm des Kindes ist nach vorne ausgestreckt; die Hand fehlt. In der linken Hand hält es einen kleinen Vogel, wahrscheinlich eine Taube. Die linke Hand der Frau stützt das Kind, während der rechte Arm der Frau herabhängt; der Unterarm ist beschädigt und fehlt.
Herkunft und Geschichte

Die Friesentormadonna wurde von dem Kölner Sammler Alexander Schnütgen in Köln im Kunsthandel erworben und ging als Teil seines Nachlasses 1920 in die Sammlung des Museums Schnütgen über. Die Madonnenfigur wurde wahrscheinlich um 1360 bis 1380 von einem unbekannten Künstler geschaffen. Die Datierung erfolgte durch Ulrike Bergmann und Robert Suckale auf der Basis der Skulpturen am Petersportal des Kölner Doms und der Bewertung der Kölner Malerei aus dieser Zeit. Die Figur stammt dabei wahrscheinlich aus dem Umfeld des 1882 abgerissenen Friesentors,[2][3] einem ehemals im Bereich des Friesenplatzes vorhandenen kleineren Kölner Stadttores. Diese Herkunft lässt sich allerdings nicht mehr überprüfen, der Erhaltungsstatus erscheint für eine Außenaufstellung am Tor zu gut.[3]
Die Figur wurde 2007 bis 2008 mit Unterstützung von Ursula Weber restauriert.[2]
Hintergrund und Deutung
Die Friesentormadonna ist eine von nur wenigen erhaltenen Marienstatuen aus Köln aus dem 14. Jahrhundert und wurde entsprechend in der Forschungsliteratur als Maßstab für die Stilentwicklung der Madonnengestaltung im Rheinland häufig behandelt.[2][3]
Ihr Stil ist ähnlich dem der älteren mittelalterlichen Apostelfiguren am Petersportal im Südturm des Kölner Doms, das bis 1380 gebaut wurde,[2] sowie vergleichbar mit dem weiterer Madonnen und Heiligenfiguren aus dem Kölner Umkreis und dem weiteren Rheinland.[3] Die Nähe zu den Apostelfiguren am Petersportal wird mit der charakteristischen wenig bewegten Ponderation und dem „deutlich fühlbaren“, walzenförmigen und langgestreckten Körperkern mit den flach und zart aufgelegten Falten ohne tiefe Holzeinschnitte, durch die „förmlich der Baumstamm fühlbar bleibt“, begründet. Die Falten hätten „kaum Eigenvolumen“ und es gäbe „keine tiefen Unterschneidungen“, der Mantel bleibt „dick und massiv“ und „löst sich nicht vom Körper“. Dies bezieht sich auch auf den Kopf, „der auf stämmigem Halsnahtlos in diesen Block einbezogen“ ist. Im Vergleich zur Madonna sei bei den Apostelfiguren „die Gewanddarstellung sehr viel feiner, gratiger gearbeitet“ und „die Stoffe sind dünner, die Erscheinung dadurch differenzierter und plastischer herausgearbeitet“. So wird begründet, dass die Friesentormadonna zwar zur gleichen Zeit, aber in einer anderen Werkstatt gefertigt wurde.[3]
Damit wird sie entwicklungsgeschichtlich noch vor den sogenannten „Schönen Madonnen“ eingeordnet, zu denen unter anderen die ebenfalls im Museum Schnütgen ausgestellte Madonna mit Kind aus der Kartäuserkirche („Kartäuser-Madonna“, Inv. K 159) gehört.[2] Zugleich sei sie aber die „früheste in einer ganzen Reihe von Madonnen, die ihren körperhaften Stil, teils zu größerer Schwere und mehr Volumen, teils zu größerer Zartheit und Preziosität entwickeln.“[3]
Auffällig ist zudem die Gestaltung des Jesuskindes, das einen Übergang zwischen den älteren Marienbildnissen mit einem bekleideten Kind und den ab der Spätgotik um 1400 üblichen nackten Jesusdarstellungen darstellt.[2]
- Gewändefiguren am Petersportal des Kölner Doms
- Gewändefiguren am Petersportal des Kölner Doms
- Kartäuser-Madonna (Inv. K 159), Museum Schnütgen