Fritz Fincke

deutscher Musiker und Musikpädagoge From Wikipedia, the free encyclopedia

Fritz Franz Carl Anton Fincke, auch Finke (* 1. Mai 1836 in Wismar; † 26. Juni 1900 in Ostorf) war ein deutscher Kirchenmusiker, Chorleiter und Musikpädagoge. In den 1880er Jahren wirkte er in Baltimore.

Leben

Fritz Fincke war ein Sohn des Malers August Fincke und dessen Ehefrau Louise, geb. Kufahl. Schon im Alter von knapp 15 Jahren kam er Ostern 1851 an das Konservatorium in Leipzig, die heutige Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Hier blieb er bis Michaelis 1853.[1] Er studierte Violine bei Ferdinand David und hatte bei der öffentlichen Schülerprüfung 1853 mit einem Konzertstück seines Lehrers einen ungewöhnlichen Erfolg. Gleichzeitig studierte er Klavier bei Ignaz Moscheles und Louis Plaidy. Beide sahen in ihm einen angehenden Konzertpianisten. Durch „die Beschränktheit seiner Existenzmittel veranlasst“, musste Fincke jedoch zunächst eine Stellung als Geiger im Theaterorchester in Frankfurt a. M. annehmen.[2] Bereits nach einem Jahr verließ er Frankfurt und zog, veranlasst durch den Tod seines Vaters, zurück nach Wismar. Hier, „in dem geräuschlosen Leben einer an künstlerischen Mitteln armen Provinzialstadt“[2] konnte er seine umfassenden musikalischen und organisatorischen Fähigkeiten entwickeln.

Er wandte sich wieder mehr dem Klavierspiel zu. Mit Mitgliedern der Schweriner Hofkapelle veranstaltete er Soiréen für Kammermusik. 1860 gründete er den Musikalischen Verein in Wismar, der neben Chorgesang auch Instrumentalmusik zu gegenseitiger Unterhaltung pflegte.[3] Auch verhalf er dem Wismarer Männergesangverein zu neuem Leben. 1866 wurde er zum Organisten an der Georgenkirche berufen. Fincke war mitunter auch als Komponist tätig, veröffentlichte ein Klavier-Lehrbuch Anschlagselenmente, war als Tenor „die Stütze aller grösseren Musikaufführungen in verschiedenen Städten Mecklenburgs“ und betätigte sich als Musikkritiker.[2]

1879 wurde ein entscheidendes Jahr für Fincke. Kurz nachdem er für ein von ihm gedichtetes und komponiertes Chorwerk, das am Schweriner Hof mit großem Erfolg aufgeführt wurde, zum Großherzoglichen Musikdirektor ernannt worden war, erhielt er die Berufung zum Professor für Gesangslehre am Peabody Konservatorium in Baltimore, Maryland, in den USA.

In Baltimore, damals eine der größten Städte der USA und einer der bedeutendsten Einwanderungshäfen, entwickelte Fincke eine reiche Tätigkeit. Ende 1880 gründete er mit Otto Sutro, dem Bruder von Adolph Sutro, die Oratorio Society. Schon im ersten Jahr ihres Bestehens gab die Society im Mai 1881 eine monumentale Aufführung von Georg Friedrich Händels Messiah mit mehreren hundert Sängern.[4] 1883 gab es Joseph Haydns Die Schöpfung, und im April 1884 ein mehrtägiges Festival, bei dem Fincke Gioachino Rossinis Stabat Mater und die Uraufführung von Asger Hameriks Christian Trilogy dirigierte.[5] Fincke war ein Verehrer von Richard Wagner und reiste mehrfach zu den Bayreuther Festspielen, belegt 1882 (mit der Uraufführung von Parsival)[6] und 1891.[7]

1892 bat Fincke um seine Entlassung und kehrte nach Mecklenburg zurück. In Ostorf erwarb er für sich und seine Familie ein neu erbautes repräsentatives Haus in der Lutherstraße 17, das als Villa Fincke bekannt wurde und heute als Teil des Denkmalbezirks Lutherstraße unter Denkmalschutz steht.[8]

Er war verheiratet mit Elise, geb. Fischer (1843–1922). Von ihr ist ein Brief an Friedrich Nietzsche von Ende 1881 und Nietzsches Antwort vom 20. März 1882 erhalten.[9] Die erste Abgeordnete im Freistaat Mecklenburg-Schwerin Elise Fincke (1872–1948) war eine Tochter des Paares. Ein Sohn Fritz H. Fincke (* 1869) wurde Arzt und starb schon 1899 in Chicago nach einer Blinddarm-Operation.[10]

Werke

  • L’Ondine: Morceau de Salon. Op. 1, 1866
  • Anschlagselemente. 1871
  • Ein Mähr von zweien Prinzessinnen. für 1 Singstimme mit Begleitung des Pianoforte, Leipzig : R. Forberg o. J.
  • Le boudoir musical: collection des morceaux de piano favoris et brillants; op. 2, No. 39 "Zephyr". Berlin: Schlesinger o. J.

Literatur

Einzelnachweise

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