Furosemid

Arzneistoff, stark harntreibendes Mittel From Wikipedia, the free encyclopedia

Furosemid ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Schleifendiuretika. Schleifendiuretika führen zur Ausscheidung großer Mengen von Gewebeflüssigkeit, indem sie in der Niere im aufsteigenden Teil der Henle-Schleife ein Transportprotein (den Na-K-2Cl Cotransporter kurz: NKCC2) hemmen. Bei intravenöser Gabe des Medikaments sind Ausscheidungsmengen von bis zu 50 Liter pro Tag möglich. Es handelt sich um ein stark harntreibendes Mittel. Furosemid wurde im Jahre 1959 von Hoechst patentiert.[5][6]

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Allgemeines
Freiname Furosemid
Andere Namen
  • 4-Chlor-2-furfurylamino-5-sulfamoyl-benzoesäure
  • IUPAC/Arzneibuch: 4-Chlor-2-[(furan-2-ylmethyl)amino]-5-sulfamoylbenzoesäure
Summenformel C12H11ClN2O5S
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 54-31-9
EG-Nummer 200-203-6
ECHA-InfoCard 100.000.185
PubChem 3440
ChemSpider 3322
DrugBank DB00695
Wikidata Q388801
Arzneistoffangaben
ATC-Code

C03CA01

Wirkstoffklasse

Schleifendiuretikum

Wirkmechanismus

Hemmung des Na+-K+-2Cl-Symporters

Eigenschaften
Molare Masse 330,74 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

206 °C[1]

pKS-Wert

3,8; 7,5[1]

Löslichkeit

151±7 mg·l−1 (pH 4,5)[2]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[3]

Gefahr

H- und P-Sätze H: 302360FD
P: 202264270280301+312308+313[3]
Toxikologische Daten
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Herstellung

Im Rahmen eines Projekts zur Synthese substituierter Sulfanylanthranilsäuren wurde von Forschern der damaligen Farbwerke Hoechst AG unter anderem ein Furan-Derivat hergestellt, das dann den Freinamen Furosemid erhielt. Dazu wurde 2,4-Dichlorbenzoesäure sulfoniert. Das Sulfonsäurechlorid wurde mit flüssigem Ammoniak zum entsprechenden Sulfonsäureamid umgesetzt. Dieses fungierte als Edukt für die Herstellung verschiedener Amine. Durch Umsetzung mit Furfurylamin in siedendem Diethylenglykoldimethylether wurde Furosemid erhalten.[5][6]

Formelschema der Synthese von Furosemid nach Patent DE1122541

Eigenschaften

Furosemid wird als weißes bis schwach gelbliches, geruchloses kristallines Pulver beschrieben.[7] Es existieren mehrere polymorphe Modifikationen.[8] Kristalle, die zur ersten Strukturanalyse gezüchtet wurden, gehörten zum Triklinen Kristallsystem und zeigten einen Schmelzpunkt von 214 °C.[9]

Die Substanz löst sich in Wasser, weniger in Ethanol. Daher kann Furosemid aus Ethanol/Wasser-Mischungen (wässriges Ethanol) umkristallisiert werden und bildet dann Kristalle vom Schmp. 206 °C.[10] Die Löslichkeit der Substanz in Wasser hängt vom pH-Wert ab. Zwischen pH 1,0 und 4,5 ist sie gering; ab pH 7,5 ist sie hoch. In wässriger Lösung existiert ein Gleichgewicht der aminosubstituierten Carbonsäure mit dem Zwitterion.[11][12] Furosemid bildet Alkalisalze, z. B. das Natriumsalz.[13]

Zahlreiche organische und biologisch wirksame Moleküle bilden Assoziate mit Furosemid; ihre Struktur ist kompliziert. Pharmakologisch wichtig sind Assoziate mit Proteinen, insbesondere die Bindung an Albumine[14] und an Serum-Proteine.[15]

Furosemid Gleichgewicht mit Zwitterion

Verwendung

Wie oben erwähnt, werden Furosemid-Präparate in der Humanmedizin als Diuretikum und Blutdrucksenker verordnet. Was die perorale Einnahme betrifft, wird Furosemid im biopharmazeutischen Klassifizierungssystem auf Grund seiner schlechten Löslichkeit und schlechten Permeabilität in die Klasse IV eingeteilt. Die schlechte Permeabilität wird zum Teil durch die Affinität zu einer intestinalen Effluxpumpe bedingt, die aber bislang noch nicht genau beschrieben ist. Als Diuretikum wird Furosemid auch in der Veterinärmedizin verwendet. Im Sport wird Furosemid als Maskierungsmittel eingesetzt, da es hilft, eventuell vorhandene Spuren von eingenommenen Dopingmitteln aus dem Körper auszuschwemmen; es steht deshalb auf der Dopingliste.[16]

Indikationen

Zugelassene Indikationen sind Bluthochdruck, Aszites und Ödeme (einschließlich Hirnödem) etwa infolge Herzinsuffizienz oder aufgrund von Leber-, Nierenerkrankungen oder von Verbrennungen, unter bestimmten Umständen auch drohendes Nierenversagen. Ferner wird Furosemid bei Hyperkaliämie eingesetzt, um überschüssiges Kalium auszuschwemmen.

Kontraindikationen

Kontraindikationen sind: Hypovolämie, Anurie, Hypokaliämie, Einsatz in der Stillzeit und das hepatische Koma.

Zu Nebenwirkungen siehe Artikel Schleifendiuretikum.

Analytik

Zur zuverlässigen qualitativen und quantitativen Bestimmung kommt nach angemessener Probenvorbereitung die Kopplung der Gaschromatographie oder der HPLC mit der Massenspektrometrie zum Einsatz.[17][18]

Handelsnamen

Monopräparate
Diurapid (D), Furanthril (D), Furobeta (D), Furodrix (CH), Furogamma (D), Furohexal (A), Furon (A), Furorese (D), Furosal (D), Fursol (CH), Fusid (D), Jufurix (D), Lasix (D, A, CH), Oedemex (CH), diverse Generika (D, A, CH), Furosemide (F)

Kombinationspräparate
Betasemid (D), Diaphal (D), Furorese comp (D), Furo-Spirobene (A), Furospir (CH), Lasilacton (A, CH), Lasitace (A), Osyrol-Lasix (D), Spiro comp (D), Spiro-D (D)

Einzelnachweise

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