Fusobacteriota
From Wikipedia, the free encyclopedia
Fusobacteriati ist ein 2024 aufgestelltes Bakterien-Reich[2] als offizielle Bezeichnung des 2012 von Luketa vorgeschlagenen Superphylums „Fusobacterida“.[4] Es umfasst mit stand 18. Januar 2026 einzig („monotypisch“) nur das 2021 von Garrity und Holt offiziell aufgestellte Phylum Fusobacteriota.[1][3] Es handelt sich dabei um obligat anaerobe, nicht sporenbildende gramnegative stäbchenförmige Bakterien (Fusobakterien).[3][2]
| Fusobacteriota | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Fusobacterium novum in Flüssigkultur | ||||||||
| Systematik | ||||||||
| ||||||||
| Wissenschaftlicher Name des Reichs | ||||||||
| Fusobacteriati | ||||||||
| Battistuzzi & Hedges 2024[1][2] | ||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||
| Fusobacteriota | ||||||||
| Garrity & Holt 2021[1][3] |
Forschungsgeschichte
Seit den ersten Berichten über Mitglieder der heutigen Fusobacteriota im späten 19. Jahrhundert wurden diesen Organismen verschiedene Namen gegeben, und so hat die Vielfalt der Artnamen zu einiger Verwirrung besonders innerhalb der Gattungen Fusobacterium und Leptotrichia geführt. Änderungen in der Nomenklatur lagen teilweise Versuche zugrunde, zwischen Arten zu unterscheiden, die als pathogen, kommensal oder beides eingestuft wurden. Seit langem bekannt ist die Beteiligung von Fusobacteriota an einem breiten Spektrum von Infektionen beim Menschen, die zu Gewebenekrose und Septikämie führen; in jüngerer Zeit wurde insbesondere über ihre Bedeutung bei intraamniotischen Infektionen (Fruchtwasserinfektionen), Frühgeburten und tropischen Geschwüren berichtet.[5] Aufgrund ihrer asaccharolytischen Natur[A. 1] und des allgemeinen seltenen Nachweises in routinemäßigen biochemischen Tests war die Identifizierung der Fusobakterien im Labor lange Zeit schwierig. Erst durch die Anwendung neuartiger molekularbiologischer Techniken in der Taxonomie konnten fortgeschrittene Identifizierungsmethoden entwickelt und eine Reihe neuer Arten inklusive Fusobacterium necrophorum und F. nucleatum identifiziert werden. Zu den neu beschriebenen Arten gehören mehrere Arten aus der Mundhöhle sowie das 1988 erstbeschriebene Fusobacterium ulcerans aus tropischen Geschwüren. Zudem war eine Unterteilung der wichtigen Arten F. necrophorum und F. nucleatum in Unterarten möglich. Die neuen Untersuchungsmethoden haben so zu einem besseren Verständnis der Taxonomie geführt. Es ist wahrscheinlich, dass die Taxonomie der Fusobacteriota in Zukunft noch weiterentwickelt wird.[5]
Systematik
Die derzeit akzeptierte Taxonomie basiert auf der List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN)[1] und dem National Center for Biotechnology Information (NCBI),[7] ergänzt um Einträge aus der Genome Taxonomy Database (GTDB),[8] Stand 13. Januar 2026:
Reich Fusobacteriati Battistuzzi & Hedges 2024(L,N) [„Fusobacterida“ Luketa 2012[4](L,N)]
- Phylum Fusobacteriota Garrity & Holt 2021(L) bzw. corrig. Garrity & Holt 2021(N)[„Fusobacteriota“ Whitman et al. 2018(L), „Fusobacteraeota“ Oren et al. 2015(L,N), „Fusobacteria“ Garrity & Holt 2001(L,N) (s. l.)]
- Klasse Fusobacteriia Staley & Whitman 2012(L,N) [„Fusobacteria“ Cavalier-Smith 2006(L,N)]
- Ordnung Fusobacteriales Staley & Whitman 2012(L,N)
- Familie Fusobacteriaceae Staley & Whitman 2012(L,N) [„Spherophoraceae“ Prévot 1938(L)]
– mit Fusobacterium, Ilyobacter - Familie Haliovirgaceae Miyazaki et al. 2023(L,N)
- Familie Leptotrichiaceae Staley & Whitman 2012(L,N)
– mit Leptotrichia, Sneathia - nicht näher klassifizierte Fusobacteriales(N)
- Spezies Fusobacteriales bacterium 'ARUP UnID 390'(N)
- Spezies Fusobacteriales bacterium 'ARUP UnID 391'(N)
- Familie Fusobacteriaceae Staley & Whitman 2012(L,N) [„Spherophoraceae“ Prévot 1938(L)]
- nicht näher klassifizierte Fusobacteriia(N)
- Spezies Fusobacteriia bacterium 4572_132(N)
- Spezies Fusobacteriia bacterium 4572_74(N)
- Spezies Fusobacteriia bacterium UBA1095(N)
- Spezies Fusobacteriia bacterium UBA1674(N)
- Spezies Fusobacteriia bacterium UBA1975(N)
- Spezies Fusobacteriia bacterium UBA6774(N)
- Spezies Fusobacteriia bacterium UBA816(N)
- Ordnung Fusobacteriales Staley & Whitman 2012(L,N)
- nicht näher klassifizierte Fusobacteriota(N)
- Spezies Fusobacteria bacterium Ko711(N)
- Spezies Fusobacteria bacterium ZRK30(N)
- Spezies Fusobacteria bacterium oral taxon 210(N)
- Spezies Fusobacteria bacterium oral taxon 220(N)
- Spezies Fusobacteria bacterium oral taxon A71(N)
- Spezies Fusobacteria bacterium srb1u(N)
- Spezies cf. Propionigenium sp. MGP-13AN(N)
- Spezies Fusobacteria bacterium enrichment culture clone 4.17a Bac band 2(N)
- Spezies Fusobacteria bacterium enrichment culture clone 4.17b Bac band 8(N)
- Spezies Leptotrichia-like sp. oral clone BB002(N)
- Spezies Leptotrichia-like sp. oral clone BB135(N)
- Klasse Fusobacteriia Staley & Whitman 2012(L,N) [„Fusobacteria“ Cavalier-Smith 2006(L,N)]
- L – List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN)[1]
- N – Taxonomie des National Center for Biotechnology Information (NCBI)[7]
- G – Genome Taxonomy Database (GTDB)[8]
Phylogenie
| 16S-rRNA-basiert: 'The All-Species Living Tree' Project LTP_10_2024[9] |
Basierend auf 120 Markerproteinen: Genome Taxonomy Database (GTDB) 10-RS226[10] | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
|
|
Humanpathogene Vertreter
Seit 2011 gibt es neue Hinweise darauf, dass einige dieser Bakterien beim Menschen Darmkrebs verursachen können oder zumindest damit in Zusammenhang stehen könnten. 2011/2012 berichteten Kostic et al. über das Vorkommen von Fusobacteriota in Darmkrebsgewebe,[11] und eine 2017 erschienene multizentrische Studie liefert Hinweise darauf, dass einige Fälle – insbesondere rechtsseitige – durch eine Infektion mit Fusobacteriota verursacht sein könnten.[12]
Etymologie
Der Name des Bakterien-Reichs, Fusobacteriati, ist neulateinisch und setzt sich zusammen aus dem Namen der Typusgattung Fusobacterium, versehen mit dem Suffix -ati für Prokaryoten-Reiche. Fusobacteriati bedeutet also das Reich der Gattung Fusobacterium. Analog besteht der Name des Phylums, Fusobacteriota, aus dem Namen der Typusgattung und der Phyla (Stämme, Abteilungen) von Prokaryoten kennzeichnenden Endung „-ota“. Der Name der Typusgattung Fusobacterium selbst lommt von lateinisch fusus ‚Spindel‘ und neulat. bacterium Stäbchen, ‚Bakterium‘, verweist somit auf ein spindelförmiges Bakterium.[1]
Anmerkungen
- Der Begriff ‚asaccharolytisch‘ beschreibt Mikroorganismen (wie bestimmte Bakterien), die Kohlenhydrate (Zucker) nicht zur Energiegewinnung abbauen können, sondern auf andere Quellen wie Aminosäuren oder Lipide angewiesen sind. Typischerweise kommen sie in anaeroben Umgebungen vor und werden manchmal als pathogen angesehen, d. h. mit Infektionen in Verbindung gebracht, insbesondere im Mundraum.[6][3][2]