Hauptverwaltung Tiefseeforschung

Organisationseinheit des russischen Verteidigungsministeriums From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Hauptverwaltung Tiefseeforschung (russisch Главное управление глубоководных исследований Glawnoje uprawlenije glubokowodnych issledowani, Abkürzung GUGI) ist eine Organisationseinheit des russischen Verteidigungsministeriums.

Die Hauptverwaltung GUGI hat ihren Sitz in eigenen Basen in Sankt Petersburg und einer Marinebasis in der Olenja-Bucht auf der Kola-Halbinsel. GUGI ist direkt dem russischen Verteidigungsministerium unterstellt; es wird jedoch auf Personal der russischen Marine aus der 29. U-Boot-Division zurückgegriffen.[1] Kommandeur ist seit 2021 der Vizeadmiral Wladimir Grischetschkin (* 1965).

Vorgängerorganisation

Thematisch verwandt war die 1945 aufgelöste „Expedition für Unterwasserarbeiten besonderer Bedeutung“ EPRON. Wann die GUGI in den 1960er-Jahren genau geschaffen wurde, ist nicht sicher öffentlich belegt.

Aufgaben und Einsätze

Die Aufgabe maritimer Spezialeinsätze ist auf verschiedene Organisationen innerhalb des russischen Systems verteilt, darunter die russische Marine und die Hauptverwaltung für Tiefseeforschung (GUGI). Laut dem britischen Royal United Services Institute spielt die russische Marine zwar eine wichtige operative Rolle bei maritimen Spionage- und Sabotage-Einsätzen, das Verteidigungsministerium und der militärische Auslandsgeheimdienst GRU kontrollieren aber wohl, sowohl über die GUGI als auch über die Geheimdienstdirektion des russischen Marinestabs, diese Aktivitäten.[2][3] Über die genaue Kompetenzverteilung ist öffentlich nichts bekannt.

Nach Recherchen von WDR, NDR und der Süddeutschen Zeitung ist die operative Spionage und Sabotage auch ein Teil des Aufgabenbereichs von GUGI.[4]

In den 2010er und 2020er Jahren verlegten russische Schiffe in der Barentssee, unter Beteiligung von GUGI,[4] vor der Küste Russlands und vor den zu Russland gehörenden Inseln Alexandraland und Nowaja Semlja Spezialsonare und Seekabel zur Ortung von U-Booten und Schiffen anderer Nationen.[5][6]

Flotte

Die GUGI betreibt eine Flotte an Spezialschiffen, die offiziell als Forschungsschiffe deklariert sind und die über umfangreiche Ausrüstung wie Mini-U-Boote, Tauchroboter sowie leistungsstarke Sonare und Scanner verfügen, um die Aufgaben der GUGI wahrzunehmen.[4][1][7]

Die GUGI betreibt mehr als 50 Einheiten, darunter Einheiten der Kategorie "Ozeanographische Forschungs-Schiffe", sowie Unterseeboote zur Aufklärung und Sabotage gegnerischer Einrichtungen am Meeresboden, beispielsweise Kleinst-U-Boote, die vom ebenfalls dem GUGI unterstehenden Überseeschiff Yantar bzw. Jantar ausgesetzt werden. Ferner untersteht das nukleargetriebene U-Boot Loscharik der GUGI. Auch betreibt GUGI eines der größten U-Boote der Welt, die K-329 „Belgorod“, ein modifiziertes Projekt 949-Boot, das über ein Dock für bis zu acht kleine und unbemannte Tauchfahrzeuge (z. B. UUV und U-Boot-Rettungsfahrzeuge) verfügt.[4][1][7]

Dem GUGI werden u. a. zugeordnet:

  • Schiffe
    • Evgeny Gorigledzhan, 1983 gebautes Forschungsschiff der Projekt 02670-Klasse[8][9]
    • Jantar, 2013 gebautes Forschungsschiff der Projekt 22010-Klasse. In der Klasse sind auch die Schwesterschiffe "Almaz" und die "Vize-Admiral Burilichev" geplant
  • U-Boote
    • K-329 Belgorod, ein modifiziertes Oscar-II-Klasse nuklear-getriebenes U-Boot. 2012 wurde das Boot als unbemanntes Boot für Spezialoperationen umgebaut
    • Nelma
    • Losharik (Projekt 10831), experimentelles, nuklearbetriebenes Forschungs-U-Boot, das vom Mutterschiff Orenburg transportiert werden kann. Medien berichteten über einen Unfall im Juli 2019, bei dem 14 Marineoffiziere ums Leben kamen.
    • Khaborovsk (Projekt 09851-Klasse), nuklearbetriebene U-Boote, die das ebenfalls nuklearbetriebene Waffensystem Status-6 Poseidon mit sich führen

Trivia

Nach dem ehemaligen Kommandanten der Einheit Vize-Admiral Alexei Vitalyevich Burilichev, der die GUGI 15 Jahre lang führte und im November 2020 in Folge einer COVID-Infektion starb, ist eines der neuen Schiffe der Projekt 22010-Klasse benannt.

Einzelnachweise

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