GVB 600
in den 1980er Jahren gebaute Straßenbahntype für die Straßenbahn Graz
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Die Serie GVB 600 ist eine in den 1980er Jahren gebaute Straßenbahntype für die Straßenbahn Graz. Insgesamt wurden nach einer Lizenz des Stadtbahnwagen Typ M/N von Simmering-Graz-Pauker zwölf Hochflurfahrzeuge mit zwei Wagenteilen für die Straßenbahn Graz gebaut. Um 1998/1999 wurden nachträglich zwölf Niederflur-Mittelteile (ein Mittelteil für einen Triebwagen) bei Bombardier beauftragt, die zwischen den zwei Hochflursegmenten eingesetzt wurden. Die Garnituren sind noch bei den Graz Linien im Einsatz.
| GVB 600 | |
|---|---|
Triebwagen 602 auf Linie 1 in Mariatrost | |
| Nummerierung: | 601–612 |
| Anzahl: | 12 |
| Hersteller: | Ursprünglich: Simmering-Graz-Pauker Niederflur-Mittelteil: Bombardier Transportation |
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) |
| Breite: | 2,24 m |
| Leermasse: | 33,95 Tonnen |
| Höchstgeschwindigkeit: | 60 km/h |
| Stromübertragung: | Oberleitung |
Geschichte
1984 erging die Bestellung von 12 sechsachsigen Straßenbahnwagen an die Simmering-Graz-Pauker AG, wo die Fertigung im Werk Graz erfolgte. Für die elektrische Ausrüstung war Siemens verantwortlich. Die nur sechsachsige Ausführung war auf Spargründe zurückzuführen.
1986 wurde der erste von zwölf „600ern“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Der erste Fahrgasteinsatz erfolgte am 13. Dezember 1986 auf der Linie 6 (Hauptbahnhof – Schulzentrum St. Peter).
In den 1990er Jahren stellte sich heraus, dass die Fahrgastkapazität der Fahrzeuge zu gering war. Zudem mussten bereits einige Garnituren der Baureihe 550 ("Wuppertaler") aufgrund des schlechten Zustands abgestellt werden, weshalb die GVB eine Kapazitätssteigerung der bestehenden 600er-Flotte durch Einbau von Niederflurmittelteilen verfolgte. 1997 erfolgte die Bestellung der Niederflurmittelteile bei Bombardier, die elektrische Ausrüstung wurde abermals von Siemens geliefert. Der gesamte Umbau wurde im Jahr 1999 durchgeführt. Bis 2001 wurden die Brosebänder durch LCD-Anzeigen getauscht.[1]
2010 wurden im Mittelteil Fahrscheinautomaten eingebaut. 2019 wurden die Garnituren erneut modernisiert. Die LCD-Anzeigen wurden durch LED-Matrixanzeigen ersetzt, im Fahrgastraum wurde eine Videoüberwachung eingerichtet. Das Streckenwarnsignal wurde ebenfalls erneuert, die ursprüngliche Thyristor-Steuerung wurde durch eine moderne Chopper-Steuerung ersetzt.[2]
Im Zuge der Beschaffung von insgesamt 31 neuen Straßenbahnwagen des Typs Flexity könnten die Garnituren der Baureihe 600 schrittweise ausgemustert werden.[3] Aufgrund des Netzausbaus, von Intervallverdichtungen sowie des schlechten Zustands der Grazer Cityrunner-Serie ist jedoch mit einer verlängerten Betriebsdauer der 600er zu rechnen. (Stand 2026)

Technik
Sechsachser
Die Länge einer Garnitur betrug 19,2 Meter. Das Leergewicht betrug 26 Tonnen. Eine Garnitur bot 27 Sitzplätze und 90 Stehplätze. Im Gegensatz zu den Wagen der Typen M/N sind die Grazer Einheiten Einrichtungswagen. Das erste und das letzte Drehgestell sind Triebdrehgestelle mit jeweils 150 kW Leistung, das mittlere Drehgestell wurde als Laufdrehgestell ausgeführt. Die verbaute Steuerung mit GTO-Thyristoren ermöglichte stufenloses Anfahren und Bremsen.
Achtachser
Die durch den Einbau des Mittelteiles nunmehr dreiteiligen Garnituren sind 26,3 m lang und wiegen leer 33,95 t. Die Wagen bieten 40 Sitzplätze und 126 Stehplätze, also eine um rund 40 % gesteigerte Kapazität. Im Mittelteil sind zwei Plätze für Rollstuhl und Kinderwagen vorhanden, die durch eine ausklappbare Rampe erreichbar sind.[4][1] Die Einstiegshöhe verringerte sich durch den Umbau auf maximal 32 cm über Schienenoberkante.[5]
Der Umbau des ersten Wagen (601) fand bei Bombardier im Werk Wien statt. Alle weiteren 11 Umbauten fanden dann durch die Lieferfirmen Bombardier und Siemens in der Remise Steyrergasse statt. Durch die Verlängerung der Fahrzeuge musste ein zusätzliches Drehgestell eingereiht werden. Dafür wurden 12 Laufdrehgestelle der zuvor ausgemusterten "Wuppertaler" (GVB Baureihe 550) angepasst und weiterverwendet.[5]
- Wagen 601 in der sechsachsigen Ursprungsausführung, 1987
- Das nachträglich eingebaute niederflurige Mittelteil von außen
- Das nachträglich eingebaute niederflurige Mittelteil von innen
- Führerstand eines 600ers
