Gabriel de Lorges

französischer Adliger und Hauptmann der Schottischen Garde From Wikipedia, the free encyclopedia

Gabriel I. de Lorges, Graf von Montgomery (* 1526 in Ducey, Normandie; † hingerichtet 26. Juni 1574 in Paris), Herr von Ducey (heutiges Département Manche), war Hauptmann der Schottischen Garde und jener berühmte Turnierritter, durch dessen Hand König Heinrich II. von Frankreich bei einem Turnier verletzt wurde und daraufhin starb.

Gabriel de Lorges, Kunsthistorisches Museum

Leben

Gabriel de Lorges war ein Sohn von Jacques I. de Lorges, Graf von Montgomery und seiner Frau Claude de La Bouxière, Herrin von Ducey. Von schottischer Herkunft, trat er der Schottischen Garde im Dienst der Könige Franz I. und Heinrich II. bei und wurde schließlich deren Hauptmann (französisch: capitain). 1549 heiratete er Isabeau de La Tiral (auch Elisabeth de la Touche genannt), mit der er vier Söhne und vier Töchter hatte, darunter Gabriel II. de Montgomery, den Erbauer des Schlosses Ducey (auch Château des Montgommery genannt).

Der Tod des Königs und die Rachsucht der Königswitwe

Montgomery versetzte Heinrich II. am 1. Juli 1559 im Verlauf eines Turniers in Paris, zu dessen Gang Heinrich den berühmtesten Turnierritter seiner Zeit gezwungen hatte, jenen Lanzenstich in das ungeschützte Gesicht seines Gegners, an dessen Folgen der König wenige Tage darauf starb. Die Todesursache war, Ambroise Paré zufolge, eine Blutung im Bereich des Hinterhauptes und ein Hirnabszess.[1] Der todgeweihte König sprach seinen Hauptmann von jeglicher Schuld frei, genauer gesagt: Er schrieb ihm, dass er ihm nicht vergeben könne, da es nichts zu vergeben gebe.[2] Dennoch wurde Montgomery von nun an von Heinrichs Ehefrau Caterina de’ Medici verfolgt. Am Tag nach dem Unfall wurde er vom Hof verbannt. Er floh nach Venedig.

Vom Ersten bis zum Dritten Hugenottenkrieg

Als Montgomery es wagen durfte, nach Frankreich heimzukehren, zog er sich auf seine Besitzungen in der heimatlichen Normandie zurück. Er studierte theologische Werke und konvertierte zum Protestantismus. Als nach dem Blutbad von Wassy die Hugenottenkriegen ausbrachen, stellte er sich Gaspard de Coligny zur Verfügung, erwies sich als einer seiner fähigsten Offiziere und zeichnete sich als Kommandeur hugenottischer Truppen aus, insbesondere in der Normandie. Im Mai 1562 eroberte er im Verlauf des Ersten Hugenottenkriegs Bourges, das er plündern ließ. In September und Oktober desselben Jahres verteidigte er Rouen gegen die königliche Armee. Im Dritten Hugenottenkrieg befehligte er unter anderem 1569 hugenottische Truppen im Béarn, außerdem Feldzügen in der Guyenne, im Périgord und im Quercy. In der Schlacht von Jarnac am 13. März 1569 versuchte er vergeblich, Louis I. de Bourbon, prince de Condé zu befreien.

Bartholomäusnacht und Exil

In der Bartholomäusnacht vom 23. auf den 24. August 1572 konnte Montgomery den Häschern entkommen, da er sich im Pariser Vorort Saint-Germain aufhielt und weil nach der Ermordung des Admirals de Coligny ein verwundeter Hugenotte die Seine durchschwamm, um sie vor der Gefahr zu warnen. Er entkam auf die Insel Jersey. Katharina von Medici setzte ein Kopfgeld auf ihn aus. Montgomery fand Zuflucht in England. Katharina von Medici verlangte seine Auslieferung. Die englische Königin Elisabeth I. ließ ihr antworteten: „Es ist wahr, dass mein Gewissen es mir nicht erlaubt, ihn nach Frankreich zurückzuschicken. Denn dort würde man einen Prozess lediglich dazu führen, um festzustellen, dass er protestantisch ist, und ihn sogleich hinrichten.“[3]

Gefangennahme, kurzer Prozess und Hinrichtung

Als Herzog Henri d’Anjou 1573 die von den Hugenotten gehaltene Festung La Rochelle belagerte, stellte Montgomery mit im englischen Exil lebenden Hugenotten eine Flotte zusammen, um die Glaubensbrüder in La Rochelle zu entsetzen. Der Versuch scheiterte im April 1573.[4] Nach dem Verlust von sechs Schiffen zog er sich auf die Belle-Île zurück. Im März 1574 ging er mit 5000 Mann in Saint-Vaast-la-Hougue in der Normandie an Land, nahm Saint-Lô ein und am 8. Mai 1574 Domfront. Dort gelang es den von Jacques II. de Goÿon de Matignon geführten königlichen Truppen, ihn einzuschließen. Montgomery ergab sich Matignon am 27. Mai 1574, der ihm zusicherte, dass sein Leben verschont werde, und wurde in Caen inhaftiert.[5] Das Parlement in Rouen lehnte es ab, Montgomery vor Gericht zu stellen, da ihm Verschonung versprochen worden war.[6] Das Pariser Parlement hingegen war der Königinmutter willfährig. Daraufhin ließ Katharina von Medici ihn nach Paris bringen, ihn des crimen laesae maiestatis anklagen[7] und in einem Schnellverfahren „Moskauer Art“ (so der französische Rechtshistoriker Philippe Jestaz) zum Tode verurteilen.[8] Am 26. Juni 1574 wurde Gabriel de Lorges, Graf von Montgomery in Anwesenheit von Katharina von Medici auf der Place de Grève enthauptet.

Nachkommen

Die Kinder von Gabriel de Lorge und Isabeau de La Tiral waren:

  • Jacques II. (1551–1590)
  • Gédéon († 1596)
  • Gilles (1558–1596)
  • Gabriel II. (1565–1635)
  • Susanne
  • Elisabeth
  • Claude
  • eine Tochter, ⚭ Jehan de Refuge, baron de Galardon

Montgomery in der Literatur

  • Alexandre Dumas erzählt die Geschichte Montgomerys in seinem Roman Les deux Dianes.

Literatur

Commons: Gabriel de Montgomery – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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