Gamaliel I.
jüdischer Patriarch
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Gamaliel I. bzw. Rabban Gamaliel der Ältere (Gamliel[1] ha-Zaken; hebräisch רבן גמליאל הזקן; altgriechisch Γαμαλιὴλ ὁ Πρεσβύτερος, Patriarch ca. 9 bis ca. 50 n. Chr.) war ein pharisäischer Rabbi und die bedeutendste Persönlichkeit des rabbinischen Judentums um die Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts.

Leben und Wirken
Gamaliel war Tannait und ein Enkel von Hillel, zusammen mit seinem Sohn Simeon ben Gamaliel war er der bedeutendste Repräsentant der Hillel-Schule.
In der rabbinischen Tradition wird Gamaliel – wie sein Großvater Hillel, sein Vater Simeon und sein gleichnamiger Sohn – als Nasi (Patriarch) bezeichnet. Die neuere Forschung geht dagegen davon aus, dass diese Belege redaktioneller Natur sind und die spätere rabbinische Sicht in die Vergangenheit projizieren.[2] Auch wenn entsprechend seine Charakterisierung als Vorsitzender des Sanhedrin fragwürdig ist[3][4] so ist dennoch seine Mitgliedschaft in diesem Gremium belegt.(Apg 5,33–40 EU).
Auch im frühen Christentum wurde er respektiert und positiv rezipiert. Der Apostelgeschichte zufolge war er der Lehrer des Apostels Paulus (Apg 22,3 EU). Nachdem Petrus und andere Apostel in Jerusalem verhaftet worden waren, trat Gamaliel als deren Anwalt auf. Er argumentierte, dass ein menschliches Werk ohnehin untergehen werde, ein göttliches jedoch unzerstörbar sei. Damit bewirkte er, dass Petrus und dessen Gefährten nicht gesteinigt, sondern nur ausgepeitscht und dann freigelassen wurden (Apg 5,33–40 EU).
In der Mischna (Sota 9:15) heißt es über Gamaliel:
„Mit dem Tode Rabban Gamaliëls des Alten hörte die Ehrfurcht vor dem Gesetze auf und starben Reinheit und Enthaltsamkeit.“
Die Sprüche der Väter überliefern sowohl Aussagen von Gamaliel als auch von seinem Sohn Simeon bzw. Simon. Aus dem ersten Kapitel (I., 16):
„Rabban Gamaliel sagte: Such dir einen Lehrer, halte dich von Zweifelhaftem fern, und gewöhne dich nicht daran, schätzungsweise zu verzehnten. Sein Sohn Simon sagte: Alle meine Tage bin ich unter Weisen groß geworden und habe nichts Besseres für den Körper gefunden als Schweigen. Nicht das Forschen ist die Hauptsache, sondern das Tun, und wer viel redet, bringt Sünde hervor.“
Folgendes Zitat Gamaliels aus den Sprüchen der Väter (Kapitel 2, Vers 2) wählte Samson Raphael Hirsch als Motto für seine erzieherischen Bemühungen:
„Schön ist das Studium der Thora zusammen mit ‚Derech Eretz‘, d. h. weltlicher Beschäftigung bzw. weltlichen Studien.“
Christliche Legenden
Die positive Darstellung Gamaliels in der Apostelgeschichte wurde in späteren Legenden weiter entwickelt, so dass Gamaliel schließlich als Konvertit zum Christentum dargestellt wurde. In diesem Zusammenhang wird auch ein zweiter Sohn namens Abibas erwähnt, der ebenfalls zum christlichen Glauben annahm.
Ebenfalls nach Gamaliel ist das Gamalielevangelium benannt, eine apokryphe Schrift, die lange nach seinem Tod entstand.
Weblinks
- Solomon Schechter, Wilhelm Bacher: Gamaliel I. In: The Jewish Encyclopedia. New York 1901–1906. (englisch)
- Alexander Dubrau: Gamaliel I., Rabban. In: Michaela Bauks, Michael Pietsch, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff., abgerufen am 4. April 2016.