Geilshausen

Ortsteil von Rabenau From Wikipedia, the free encyclopedia

Geilshausen ist einer von sechs Ortsteilen der Gemeinde Rabenau im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Schnelle Fakten Gemeinde Rabenau ...
Geilshausen
Gemeinde Rabenau
Koordinaten: 50° 39′ N,  54′ O
Höhe: 257 m ü. NHN
Fläche: 8,63 km²[1]
Einwohner: 861 (2022)[2]
Bevölkerungsdichte: 100 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35466
Vorwahl: 06407
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Ortsgeschichte

Kirche

Mittelalter

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung des Orts erfolgte vor 1282/1283 in einem Kopiar, das zwischen 1290 und 1306 angelegt wurde: „... decimam in Gauwoldeshusenn“ (den Zehnten in Geilshausen) und: „... in Gawaldeshusen“ in einem Eppsteinischen Lehnsverzeichnis.[3] Dabei handelt es sich um das Lehen des Ritters Hermann Kalb, welches vorher im Besitz der Schenck zu Schweinsberg und nachfolgend der Herren von Nordeck zur Rabenau war. Ein weiteres Kopiar beinhaltet einen Eintrag aus der Zeit um 1300, der Mainzer Besitzungen auflistet: „... Sedes in Londorff: item Gewelshusen ...“[4]. (Sitze in Londorf, außerdem in Geilshausen.) Das Kopiar selbst wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts angelegt. Im Jahre 1304 verkauften die Grünberger Bürger Sigelo und Sehild dem Kloster Caldern einen Zins zum Martinstag, der von ihren beiden Höfen fällig wurde. Das Kloster Caldern besaß 1359 den sogenannten „Erweyssackisgud“ (Erbsensackgut), welches zu Landsiedelrecht verpachtet war.[5] Eine Urkunde von 1311 nennt den Ortsadligen „Henricus de Gowilshusen“.[6]

Der Ortsname Geilshausen ist von dem Rufnamen „Gawiwald“ abgeleitet wurde. Eine Verkürzung führte dem heutigen Namen.[7]

Neuzeit

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Geilshausen:

„Geilshausen (L. Bez. Grünberg) evangel. Filialdorf; liegt 112 St. von Grünberg an der Lumda, und gehört der Freiherrl. Familie von Nordeck zur Rabenau. Man findet 86 Häuser, 443 Einw., die außer Kath. und 4 Juden evangelisch sind, ferner 1 Kirche und 1 Schulhaus. Die Einwohner, unter welchen 45 Bauern und 11 Handwerker sind, treiben zum Theil Leineweberei und Handel mit Blutigeln und irdenem Geschirr. – Geilshausen, das früher unter dem Namen Gawelsshusen vorkommt, gehörte im 15. Jahrhundert zur Londorfer Mark. Im Jahr 1822 hat die Freiherrl. Familie von Nordeck zur Rabenau einen Theil der Patrimonialgerichtsbarkeit an den Staat abgetreten.“[8]

Die bis dahin selbständige Gemeinde Geilshausen wurde zum 31. Dezember 1971 im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Rabenau eingegliedert.[9][10] Für den Ortsteil Geilshausen wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.[11]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Geilshausen angehört(e):[1][12][13]

Weitere Informationen Staatszugehörigkeit, Land oder Verwaltungseinheit ...
Staatszugehörigkeit Land oder
Verwaltungseinheit
Dauer der
Zugehörigkeit
Romisches Reich Heiliges 1400 Heiliges Römisches ReichLandgrafschaft Hessen-Marburg1567–1604
Romisches Reich Heiliges 1400 Heiliges Römisches ReichLandgrafschaft Hessen-Darmstadt1604–1806
Großherzogtum Hessen Fürstentum Oberhessen1806–1815
Provinz Oberhessen1815–1870
Deutsches Reich Deutsches ReichProvinz Oberhessen1871–1918
Deutsches Reich Deutsches ReichVolksstaat Hessen,
Landkreis Gießen
1918–1945
Deutschland 1946 Deutschland, US-ZoneHessen,
Regierungsbezirk Darmstadt,
Landkreis Gießen
1945–1949
Deutschland Deutschland Hessen,
Regierungsbezirk Darmstadt,
Landkreis Gießen
1949–1976
Hessen
Regierungsbezirk Darmstadt,
Lahn-Dill-Kreis
1977–1978
Hessen
Regierungsbezirk Darmstadt,
Landkreis Gießen
1979–1980
Hessen
Regierungsbezirk Gießen,
Landkreis Gießen
seit 1973
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Gerichtszugehörigkeit seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Geilshausen das „Patrimonialgericht der Freiherren Nordeck zur Rabenau“ in Londorf zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. 1822 traten die Freiherren Nordeck zur Rabenau ihre Rechte am Patrimonialgericht Londorf an das Großherzogtum Hessen ab.[14]Landgericht Grünberg“ war daher von 1822 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Geilshausen zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[15] Vom 1. Januar 1977 bis zum 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“, der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde.

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Geilshausen 756 Einwohner. Darunter waren 12 (1,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 108 Einwohner unter 18 Jahren, 315 zwischen 18 und 49, 174 zwischen 50 und 64 und 159 Einwohner waren älter.[16] Die Einwohner lebten in 303 Haushalten. Davon waren 75 Singlehaushalte, 90 Paare ohne Kinder und 117 Paare mit Kindern, sowie 18 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 57 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 192 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.[16]

Einwohnerentwicklung

 1577:048 Hausgesesse[1]
 1669:088 Seelen[1]
 1742:001 Geistlicher/Beamter, 52 Untertanen, 15 Junge Mannschaften, 21 Beisassen/Juden
 1800:363 Einwohner[17]
 1804:372 Einwohner[1]
 1806:387 Einwohner, 69 Häuser[18]
 1829:443 Einwohner, 86 Häuser[8]
 1867:406 Einwohner, 83 Häuser[19]
Geilshausen: Einwohnerzahlen von 1800 bis 2015
Jahr  Einwohner
1800
 
363
1806
 
387
1829
 
443
1834
 
428
1840
 
491
1846
 
526
1852
 
529
1858
 
518
1864
 
521
1871
 
461
1875
 
465
1885
 
476
1895
 
509
1905
 
468
1910
 
493
1925
 
513
1939
 
543
1946
 
857
1950
 
828
1956
 
709
1961
 
700
1967
 
725
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2005
 
802
2010
 
805
2011
 
756
2015
 
821
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]Gemeinde Rabenau[2]; Zensus 2011[16]

Historische Religionszugehörigkeit

 1830:438 evangelische (= 98,9 %), ein römisch-katholischer (= 0,2 %), 4 jüdische (= 0,9 %) Einwohner[1]
 1961:617 evangelische (= 88,1 %), 76 römisch-katholische (= 10,8 %) Einwohner[1]

Historische Erwerbstätigkeit

 1961:Erwerbspersonen: 153 Land- und Forstwirtschaft, 144 Prod. Gewerbe, 38 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 23 Dienstleistungen und Sonstiges.[1]

Politik

Für Geilshausen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Geilshausen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[11] Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 62,48 %. Dabei wurden gewählt: je ein Mitglied der CDU und SPD sowie drei Mitglieder der Liste „Bürger für Ragenau“.[20] Der Ortsbeirat wählte Markus Titz (BfRab) zum Ortsvorsteher.[21]

Dorfkirche

Die Evangelische Kirche hat einen gotischen Chorturm aus dem 15. Jahrhundert, der wehrhaften Charakter hat. Der 21 Meter hohe Kirchturm auf quadratischem Grundriss erhält sein ungewöhnliches Äußeres durch vier Pechnasen. In den 1950er Jahren wurde westlich ein Langhaus mit Satteldach angebaut.

Commons: Geilshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

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