Gelbbrust-Pfeifgans

Art der Gattung Dendrocygna From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Gelbbrust-Pfeifgans (Dendrocygna bicolor), auch Gelbe Pfeifgans genannt, ist eine Art der Familie der Entenvögel. Sie ist in Zentral- und Südamerika, der südlichen Küstenregion Nordamerikas, Kubas, Puerto Ricos, in Subsahara-Afrika, Madagaskar und auf dem Indischen Subkontinent beheimatet.[1] Sie weist damit eine der ungewöhnlichsten Verteilungen von Vögeln weltweit auf: Sie ist nicht nur auf vier Kontinenten beheimatet, sondern auch in vier unterschiedlichen zoogeografischen Zonen.[2] Sie ist besonders häufig in großen Trupps im Nigerdelta und im Delta des Senegal zu beobachten.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Gelbbrust-Pfeifgans

Gelbbrust-Pfeifgans (Dendrocygna bicolor)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Pfeifgänse (Dendrocygninae)
Gattung: Dendrocygna
Art: Gelbbrust-Pfeifgans
Wissenschaftlicher Name
Dendrocygna bicolor
(Vieillot, 1816)
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Gelbbrust-Pfeifgänse sind häufige Vögel, deren Bestand nirgends akut gefährdet ist. Sie zeichnen sich durch einen sehr starken Wandertrieb aus und sind auch schon in Südeuropa beobachtet worden. Aufgrund des starken Wandertriebs kam es bisher nicht zur Ausbildung von Unterarten. Es kommt jedoch wegen der Neigung zu Wanderungen vor, dass diese Pfeifgansart traditionell besiedelte Areale wieder aufgibt oder der Bestand regional stark zurückgeht.[3]

Erscheinungsbild

Gelbbrust-Pfeifgans

Gelbbrust-Pfeifgänse zeigen keinen Geschlechtsdimorphismus; das Männchen ist lediglich etwas größer als das Weibchen und das Gefieder der Weibchen ist etwas matter. Beide Geschlechter wiegen etwa 700 Gramm. Die Körperlänge beträgt 48 bis 53 Zentimeter. Pfeifgänse zählen zu den langbeinigen Enten. Ihr gesamtes Erscheinungsbild ist eher gänse- als entenähnlich.

Der Schnabel der Gelbbrust-Pfeifgans ist lang und grau gefärbt. Der Kopf hat eine längliche Form. Kopf, Brust und Flanken sind lehmgelb gefärbt, während der Schwanz und die Flügel kastanienbraun gefiedert sind. Ein weißes „V“, das im Flug gut sichtbar ist, trennt die dunklen Schwanzfedern und den Rumpf.[4] Die Küken zeigen am Kopf und an der Oberseite ein dunkelgraues Dunenkleid. Ihre Körperunterseite sowie ein breites Nackenband und die Gesichtszeichnung sind schmutzig weiß gefärbt.

Lebensraum und Lebensweise

Brutgebiete

Gelbbrust-Pfeifgänse bevorzugen unterschiedliche tropische und subtropische Gewässer. In Regionen mit Reisanbau sind sie häufig im Umfeld von Reisfeldern oder ähnlich strukturierten Marschlandschaften zu beobachten. In Afrika halten sie sich häufig an den weiten Savannenseen auf. In Südamerika bevorzugen sie bei mit Piranhas besetzten Gewässern solche, die einen hohen Bestand an Ruhebäumen aufweisen.[5]

In Abhängigkeit ihres Verbreitungsgebietes ist die Gelbbrust-Pfeifgans ein Kurzstreckenzieher. Einige der in Florida beheimateten Populationen überwintern auf Kuba und einige der in Kalifornien und Texas brütenden in Mexiko. Der Zug der US-amerikanischen Populationen nach Süden beginnt im August bis Ende September. Die Rückkehr fällt in den Zeitraum Februar bis März. Die kalifornische Brutpopulation ist allerdings seit den 1950er Jahren stark rückläufig und gilt mittlerweile als nahezu vollständig verschwunden.[6]

Gelbbrust-Pfeifgans

Stimme

Gelbbrust-Pfeifgänse haben einen auffallenden pfeifenden Ruf, den sie ähnlich wie die Witwenpfeifgänse häufig ertönen lassen. Der Ruf erinnert an ein Kiii-wiii-uuh.

Fortpflanzung

Dendrocygna bicolor

Das Nest wird in dichter Sumpf- oder Marschvegetation errichtet. Es befindet sich häufig auf dem Wasser. Gelegentlich nistet die Gelbbrust-Pfeifganss auch in Baumhöhlen. Gelbbrust-Pfeifgänse sind auch während der Brutzeit nicht territorial und brüten gelegentlich in losen Kolonien. Das Gelege der Gelbbrust-Pfeifgans besteht aus 6 bis 16 weißen Eiern. Sie werden 24 bis 26 Tage von beiden Elternvögeln bebrütet. Die geschlüpften Küken sind nach 63 Tagen flügge.[7]

Systematik

Die genaueren Verwandtschaftsverhältnisse der Pfeifgänse sehen folgendermaßen aus:

 Pfeifgänse (Dendrocygninae)  
  Pfeifgänse im engeren Sinne (Dendrocygnini)  
  N.N.  
  N.N.  

 Tüpfelpfeifgans (D. guttata)


   

 Kubapfeifgans (D. arborea)



  N.N.  

 Gelbbrust-Pfeifgans (D. bicolor)


   

 Sichelpfeifgans (D. eytoni)


  N.N.  

 Wanderpfeifgans (D. arcuata)


   

 Zwergpfeifgans (D. javanica)



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  N.N.  

 Witwenpfeifgans (D. viduata)


   

 Herbstpfeifgans (D. autumnalis)




   

 Weißrücken-Pfeifgans (Thalassornis leuconotus)



Etymologie und Forschungsgeschichte

Die Erstbeschreibung der Gelbbrust-Pfeifgans erfolgte 1816 durch Louis Pierre Vieillot unter dem Namen Anas bicolor. Vieillot bezog sich auf den Trivialnamen Pato del roxo y negro[8] den Félix de Azara 1805 in seinem Werk Apuntamientos para la historia natural de los páxaros del Paragüay y Rio de la Plata verwendete. Als Verbreitungsgebiet gab er Paraguay an.[9] 1837 führte William Swainson die für die Wissenschaft neue Gattung Dendrocygna ein.[10] Dieser Begriff ist ein Wortgebilde aus δενδρον dendron für „Baum“ und κυκνος cyknos für „Schwan“.[11] Der Artname bicolor ist ein Wortgebilde aus lateinisch bi- zwei- und lateinisch color, coloris Farbe.[12] Alfred Laubmann sah in seinem Werk Die Vögel von Paraguay Nachweise für Fortin Donovan am Río Pilcomayo, für Concepción und Pilar am Río Paraguay und für Waikthlatingmayalwa im Gran Chaco. Ein Balg zur Analyse lag ihm nicht vor. Anas fulva Gmelin, JF, 1789[13] betrachtete er als Synonym zur Nominatform.[14] Die von Alexander Wetmore und James Lee Peters 1922 beschriebene Unterart Dendrocygna bicolor helva wird heute ebenfalls als Synonym betrachtet.[15] Helva hat seinen Ursprung in lateinisch helvus blass gelb, hell gelb[16], fulva in lateinisch fulvus gelbbraun, gelblich braun.[17]

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