Genomgröße

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Die Genomgröße bezeichnet die Gesamtmenge an DNA in einer Kopie des Genoms.

Genomgrößen verschiedener Lebewesen (in Basenpaaren)

Eigenschaften

Abstammungsbaum mit Genomgrößen
Genomgrößen und Genanzahl[1]

Die Genomgröße wird entweder in Picogramm, Dalton oder in Kilo- (kb) bzw. Megabasenpaaren (Mbp) angegeben. Ein Picogramm entspricht 978 Megabasenpaaren.[2] Bei diploiden Genomen entspricht die Genomgröße konventionsgemäß dem C-Wert, d. h., es wird haploid betrachtet.[3]

Das C-Wert-Paradoxon beschreibt den fehlenden linearen Zusammenhang zwischen DNA-Menge und der Komplexität eines Lebewesens bei Eukaryoten, der sich aus einer variierender Menge nichtcodierender DNA ergibt. Es gibt eine gewisse lineare Korrelation bei Bakterien, Archaeen, Viren und Organellen, nicht aber bei Eukaryoten.[4] Weiterhin gibt es eine gewisse Korrelation mit der Zellgröße, der Zellteilungsrate, und innerhalb einzelner Taxa auch weitere Parameter.[5][6] Daneben gibt es einen Zusammenhang zwischen der Genomgröße und der Chromatinkondensation.[7] Weitere Parameter zur Beschreibung eines Genoms sind die Gendichte und der GC-Anteil. Während bei der Entwicklung des Lebens eine generelle Tendenz zur Zunahme der Genomgröße mit der Zeit auftritt, sind die Reiche unter den Tieren mit den größten Genomen die Fische mit den Lungenfischen (142 pg, entsprechend 139.000 MB) und die Amphibien mit den Salamandern (83 pg, entsprechend 81.000 MB),[8]

Die Genomgröße in Tieren variiert um den Faktor 3.300 und bei Pflanzen um den Faktor 2.300.[9][6]

Weitere Informationen Art, Größe (Mbp) ...
Genom (alle Werte sind Circa-Werte)
ArtGröße
(Mbp)
Anzahl
 
Dichte
(Gene/Mbp)
Anmerkungen
Porcines Circovirus-1[10] 0,001759 2 1.137 kleinstes Genom eines autonom replizierenden Virus.
Carsonella ruddii[11] 0,16 182 1.138 kleinstes Genom eines Lebewesens, endosymbiontisches Bakterium
Nanoarchaeum equitans[12] 0,49 536 914 Archaee, parasitär
Mycoplasma genitalium[13] 0,58 800 860 Bakterium
Streptococcus pneumoniae[13] 2,2 2.300 1.060 Bakterium
Escherichia coli K12[13] 4,6 4.400 950 Bakterium
Saccharomyces cerevisiae[14] 12,05 6.213 516 Hefe, erster Pilz, dessen Genom 1996 vollständig sequenziert wurde
Schizosaccharomyces pombe[13] 12 4.900 410 Hefe
Plasmodium falciparum[14] 22,85 5.268 231 Erreger der Malaria
Entamoeba histolytica[14] 23,75 9.938 418 Amöbe
Trypanosoma spp.[14] 39,2 10.000 255 Flagellat
Tetrahymena thermophilus[13] 125 27.000 220 Protist
Aspergillus nidulans[14] 30,07 9.541 317 Schimmelpilz
Neurospora crassa[14] 38,64 10.082 261 Schimmelpilz
Caenorhabditis elegans[13] 103 20.000 190 Fadenwurm
Drosophila melanogaster[13] 180 14.700 82 Taufliege
Locusta migratoria[13] 5.000 Heuschrecke
Takifugu rubripes[13] 393 22.000 56 Kugelfisch
Bankivahuhn Gallus gallus[14] 1.050 21.500 20,5 Huhn
Homo sapiens[13] 3.200 20.000 6,25 Mensch
Mus musculus[13] 2.600 22.000 8,5 Hausmaus
Arabidopsis thaliana[13] 120 26.500 220 Pflanze
Oryza sativa[14] 466 60.256 129 Reis
Zea mays[13] 2.200 45.000 20 Mais
Picea glauca[15] 20.800 56.064 2,7 Fichte
Lepidosiren paradoxa[7] 78.400 Lungenfisch
Protopterus aethiopicus[16] 139.000 größtes tierisches Genom, Lungenfisch
Paris japonica[17] 150.000 größtes Blütenpflanzengenom, Einbeere
Tmesipteris oblanceolata[18] 160.450 größtes Eukaryotengenom, Stand 04.06.2024
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Die Genomgröße wird an einer Zellkultur mit anschließender Feulgenreaktion unter einem Lichtmikroskop betrachtet und per Software ausgezählt[19] oder per Durchflusszytometrie bestimmt.

Für kleine Genome (DNA-Viren, Einzeller) wurde im Jahr 1991 von John W. Drake ein reziproker Zusammenhang zwischen der Mutationsrate und der Genomgröße postuliert.[20] Bei RNA-Viren ist die tendenziell noch kleinere Genomgröße ein Kompromiss zwischen der Mutationsrate und der Anzahl an Genen (Eigen-Paradoxon).[21] Die RNA-Polymerasen von RNA-Viren besitzen keine Fehlerkorrekturfunktion (kein proof-reading), wodurch die Genomgröße begrenzt wird. Eine Ausnahme bilden die Nidovirales, die eine proof-reading-Funktion mit der Exoribonuklease ExoN aufweisen, wodurch die Genomgröße weniger begrenzt wird.[22]

Umrechnung

oder umgestellt:

[2]

Einzelnachweise

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