Georg Cornicelius

deutscher Maler und Zeichner From Wikipedia, the free encyclopedia

Georg Karl Franz Cornicelius (* 28. August 1825 in Hanau; † 9. Dezember 1898 ebenda) war ein deutscher Maler und Zeichner. Er gilt als Hanaus bedeutendster Maler des 19. Jahrhunderts. Bekanntheit erlangte vor allem als Porträtist und Historienmaler. Er schuf aber auch Genrestücke, Märchenbilder, Landschaften und Werke mit religiösen Motiven.

Selbstbildnis von Georg Cornicelius (1858)

Leben

Herkunft und Ausbildung

Georg Cornicelius wurde am 28. August 1825 als Sohn des Porzellanmalers Friedrich Cornicelius und dessen Ehefrau Antonette, geb. Wigand, in Hanau geboren. Er wuchs mit einem Bruder und fünf Schwestern in einfachen Verhältnissen auf.[1] Nach seiner Schulzeit besuchte er von 1838 bis 1848 die Hanauer Zeichenakademie, wo er zusammen mit seinen Mitschülern Carl Friedrich Deiker, Friedrich Karl Hausmann und Gustav Spangenberg von Direktor Theodor Pélissier (1794–1863) eine gründliche Ausbildung zum Kunst- und Porträtmaler erhielt.

Im Revolutionsjahr 1848 setzte Cornicelius seine Studien zusammen mit Hausmann in Antwerpen fort, wo er bei Josephus Laurentius Dyckmans und Gustave Wappers an der Akademie studierte.[2] Enttäuscht von den dortigen Lehrmethoden verließ er bereits nach vier Wochen die Akademie und bildete sich stattdessen im Selbststudium am Vorbild Alter Meister wie Rubens weiter. Nach einem vorübergehenden Zwischenaufenthalt in Hanau ging er 1851 und 1852 für zwei längere Aufenthalte nach Dresden und übte sich dort durch Kopieren von Werken venezianischer Maler wie Palma Vecchio, Tizian, Jacopo Tintoretto und Paolo Veronese. Ein weiterer Studienaufenthalt führte ihn im Winter 1852/53 nach Paris, bevor er sich wieder in Hanau niederließ.[1]

Familiengründung und Leben als freischaffender Künstler in Hanau

Halbfigurenbild Mädchen mit Fächer (1880) von Georg Cornicelius, Modell saß seine älteste Tochter Lulu

Ab 1853 lebte Cornicelius als freischaffender Künstler in Hanau. In seinem Atelier erteilte er auch privaten Malunterricht, häufig als ergänzendes Angebot für Schüler der Zeichenakademie. Es befand sich zunächst in der Mühlstraße 12. Nachdem seine Verlobte Marie Lind 1857 verstorben war, heiratete Cornicelius 1859 Sophie Eberhard (1839–1904). Das Paar zog noch im gleichen Jahr in eine neue Wohnung mit Atelier in der Langstraße 45, 1866 folgte der Umzug in die Langstraße 52. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor, Lulu (1860–1944), Toni (1862–1921) und Käthe (1871–1942). Zu Cornicelius' Schülern gehörten, neben seinen beiden älteren Töchtern, unter anderem Hermann Gollner, German Grobe, Franz Stassen und Eugenie Bandell. 1891 gab Cornicelius das Unterrichten auf, verkaufte sein Haus (da er sich von Industrielärm aus einem Nachbarhaus gestört fühlte) und zog in eine Villa in der Bogenstraße 8. Diese wurde später in Corniceliusstraße umbenannt.[1]

Cornicelius stellte seine neuen Werke regelmäßig in seinem Hanauer Atelier aus. 1851 trat er dort erstmals mit einem Historienbild, Christus und die Samariterin am Jakobsbrunnen, an die Öffentlichkeit. Dieses Werk wurde auch auf der Londoner Gemäldeausstellung 1852 präsentiert, wo es ein Publikumserfolg war.[1] In den Folgejahren beschickte Cornicelius eine Reihe großer nationaler Kunstausstellungen, unter anderem in München (1858, 1876), Berlin (1876) und Düsseldorf (1880).[3] Sein Gemälde Konrad von Marburg und die Heilige Elisabeth (1875) war ein von der deutschen Regierung ausgewähltes Exponat auf der Weltausstellung Paris 1878.[1] Sein Spätwerk Jesus wird vom Satan versucht wurde 1888 im Münchener Glaspalast ausgestellt[3] und von Max Jordan bei einem Aufenthalt in Hanau für die Berliner Nationalgalerie erworben.[1]

Cornicelius unternahm nach der Studienzeit noch drei Reisen nach Oberitalien und Florenz (1869, 1874, 1880), ansonsten lebte er in seiner Heimatstadt Hanau.[1] Nach dem Tod Pelissiers wurde ihm die Nachfolge als Direktor der Hanauer Zeichenakademie angetragen, was er jedoch ablehnte, ebenso wie zuvor einen Lehrauftrag der Dresdner Akademie.[2] 1872 wurde er zum Ehrenmitglied der Hanauer Zeichenakademie berufen und 1888 zu ihrem Titularprofessor ernannt.

Cornicelius war ein sehr guter Turner und gehörte der 1837 gegründeten Hanauer Turngemeinde an. Da er anlässlich der Gründung des Deutschen Turner-Bundes auf dem ersten Deutschen Turnertag am 1. Mai 1848 in Hanau Turnvater Jahn und den Hanauer Turner Karl Röttelberg porträtierte, während sein Freund Friedrich Karl Hausmann den Hanauer Turnerführer August Schärttner zeichnete, wurde ihm und Hausmann eine gewisse Sympathie mit dem demokratisch-republikanischen Flügel der 48er-Bewegung unterstellt.[4]

Tod und Nachlass

Am 9. Dezember 1898 starb Georg Cornicelius im Alter von 73 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls, den er zwei Tage zuvor beim Malen an der Staffelei erlitten hatte. Sein künstlerischer Nachlass umfasst mehr als 600 Gemälde sowie Ölstudien, Bleistift-, Kohle-, Kreide- und Tusche-Zeichnungen, Aquarelle und vereinzelte Lithografien. Rund 250 seiner Werke befinden sich in den musealen Sammlungen der Stadt Hanau und des Hanauer Geschichtsvereins 1844 (dessen Mitglied Cornicelius ab 1871 gewesen war). 1984 zerstörte ein Brand auf Schloss Philippsruhe ca. 50 Gemälde Cornicelius’. Einige wurden zu Dokumentationszwecken rudimentär restauriert.[1]

Anlässlich seines 200. Geburtstages findet 2025/2026 eine Ausstellung im Historischen Museum Hanau Schloss Philippsruhe statt, die Werke aus seinen verschiedenen Schaffensphasen sowie ausgewählte Gemälde seiner Schüler zeigt.[1]

Künstlerische Entwicklung und Bedeutung

Cornicelius gilt als bedeutendster Maler der Stadt Hanau im 19. Jahrhundert[1] und als bedeutender Kolorist.[2] Er malte hauptsächlich Porträts und Historienbilder, aber auch Genrestücke, Märchenbilder und Landschaften sowie Werke mit religiösen Motiven. In seinem Werk spiegeln sich Strömungen des Realismus, Historismus, Symbolismus und der Romantik wieder. Von modernen Entwicklungen seiner Zeit wie dem Impressionismus hielt er sich fern.[1]

Das erste bekannte Werk von Cornicelius ist die Kreidezeichnung eines menschlichen Schädels, die er 1838 im Alter von 13 Jahren anfertigte. Eine weitere datierte und signierte Kreidezeichnung stammt aus dem Jahr 1840 und stellt ein Mädchenbildnis von Mina Bauer dar. Zwischen 1843 und 1848 folgten weitere Übungen mit Bleistift, Feder und Kreide. Über farbige Aquarelle kam Cornicelius schließlich Ende der 1840er Jahre zur Ölmalerei.[1] Während seine Malweise anfangs subtil war, ging er später zu einer breiteren Pinselführung über. Er orientierte sich stilistisch zunächst an der flämischen Malerei und, beginnend mit seinem Aufenthalt in Dresden, am Kolorismus der venezianischen Malerei.[2]

Cornicelius ging zeitlebens der Porträtmalerei nach und wurde zu einem gefragten Porträtisten des gehobenen Bürgertums in Hanau und Frankfurt.[2] Seine insgesamt über 300 Bildnisse machen den Großteil seines Œuvre aus. Meistens stellte er die modellstehenden Personen in halber Lebensgröße oder in kleinerem Maßstab dar. Neben Einzelporträts malte er auch großformatige Familienbildnisse. Er legte Wert darauf, Charakter und Seele der Porträtierten einzufangen und führte im Verlauf der Malsitzungen entsprechende Gespräche mit ihnen.[1]

Während Cornicelius Porträts wohl in erster Linie malte, um den Lebensunterhalt für sich und seine Familie zu verdienen, galt sein künstlerisches Interesse hauptsächlich der Historien- und Genremalerei. Ab den 1850er Jahren malte er Historienbilder, wobei Einflüsse von Carl Friedrich Lessing, Louis Gallait und Edouard de Bièfve erkennbar sind. Im Gegensatz zu anderen deutschen Historienmalern seiner Zeit legte er mehr Wert auf die Darstellung des seelischen Moments der Figuren, als auf die Kostümtreue. Da ihm die Darstellung von Einzelpersonen oder Gruppen besser gelang als die von Massenszenen und er teilweise unzufrieden mit seinen Ergebnissen war, kam es immer wieder dazu, dass er sich temporär von der Historienmalerei abwandte.[1]

Während seines Parisaufenthalts 1852/53 wurde Cornicelius' Interesse an fahrenden Musikanten und damit der Genremalerei geweckt. Nachdem er bereits vor Ort ein Porträt eines fahrenden Künstlers in Form einer Ölstudie gemalt hatte, griff er den Stoff 1858 erneut mit dem Gemälde Ruhende Zigeunerkinder und später immer wieder auf, beispielsweise in seinem Spätwerk Fahrendes Volk (1883). Wiederkehrende Motive sind unter anderem Kinder und Tiere. Seine Genrestücke sind von der Romantik beeinflusst und leicht verklärt, jedoch überwiegt der Realismus die allegorischen Darstellungen.[1]

Ab Mitte der 1860er Jahre widmete sich Cornicelius in geringerem Maße auch der Landschaftsmalerei. Insgesamt malte er einige Dutzende Werke mit lokalen Motiven wie den Dietesheimer Steinbrüchen und der linken Steinheimer Mainseite mit dem Schloss Steinheim und der Gerichtslinde am Maintor.[1] In seinen Landschaften setzte er figürliche Staffage ein. In den 1860er Jahren beschäftigte Cornicelius sich außerdem vorübergehend mit farbenfrohen, poetischen Bildern aus der Märchenwelt.[2] Werke wie Die sieben Raben (um 1865), Aschenbrödel (1868) und Rotkäppchen im Walde (1869) entstanden. Für die Hintergründe bzw. Waldinterieurs dienten ihm dabei teils die zuvor geschaffenen heimatlichen Landschaftsbilder als Vorlage.[1]

In den letzten beiden Jahrzehnten seines Lebens widmete sich Cornicelius verstärkt religiösen Themen wie Abendmahl Jesu, Kreuztragung Christi und Auferstehung Jesu Christi. Bereits zuvor hatte er sich beim Studium des Neuen Testaments häufig Inspiration für seine mystisch-religiösen Historienbilder geholt. Charakteristisch für diese späte Schaffensphase war eine überwiegend melancholische und düstere Grundstimmung der Bilder. Anhand des Hauptwerks seiner religiösen Darstellungen, Jesus wird vom Satan versucht (1888) zeigt sich die künstlerische Entwicklung Cornicelius’ darin, dass er die seelische Vertiefung des Protagonisten in den Mittelpunkt stellt, während er bei seinem Frühwerk Jesus und die Samariterin noch eher einen historischen Standpunkt bezogen hatte.[1]

In Cornicelius' letztem Lebensjahrzehnt tendierte die Stimmung seiner Werke zum Sentimentalen. Als Motive dominieren Leid, Tod und Vergänglichkeit. Die selbstkritische Haltung des Künstlers steigerte sich mit zunehmendem Alter, er veränderte immer wieder Form und Farbe einiger Werke oder unterbrach die Arbeit an ihnen vorübergehend. Einige Gemälde wie Maria Magdalena und Kain und Abel blieben unvollendet.[1]

Werke (Auswahl)

  • Christus und die Samariterin am Jakobsbrunnen, 1851, 1852 Londoner Gemäldeausstellung, 1851 Ankauf durch Königlichen Kunstverein[1]
  • Luther hat die Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg geschlagen, 1852, Leinwand, 169,5 × 156,4 cm, Beschriftung „G. Cornicelius 1852“, ehemals Hamburger Kunsthalle[5]
  • Bildnis eines jungen Mädchens. (Marie Lind). 1854, Leinwand, 83 × 67,5 cm, Museum der bildenden Künste Leipzig[6]
  • Maria Stuart vor der Hinrichtung, 1854, Privatbesitz
  • Ruhende Zigeunerkinder, 1855 in Leipzig Preis der Kunstanstalt Payne[2]
  • Selbstbildnis, 1858, 46 × 36,5 cm, Historisches Museum Hanau (Inventarnummer Β 2329)
  • Sophie Eberhard, als Braut des Künstlers (1839–1904), 1858, Leinwand, 98 × 68 cm, Historisches Museum Hanau (Inventarnummer Β 3326)[6]
  • Kinderbildnis der Wilhelmine Rehn, 1864, Öl auf Leinwand, 46 × 36 cm, Städel Museum (Inventarnummer SG 267)[7]
  • Aschenbrödel, 1868, Öl auf Leinwand, Historisches Museum Hanau (Inventarnummer HMH-B1971.8252)[1]
  • Konrad von Marburg und die Heilige Elisabeth, 1875, Weltausstellung Paris 1878, 1984 zerstört bei Brand im Schloss Philippsruhe[1]
  • Kreuztragender Christus, 1877, 1880 Düsseldorfer Kunstausstellung,[3] Historisches Museum Hanau, 1984 zerstört bei Brand im Schloss Philippsruhe[1]
  • Kaufmann von Venedig (Szene aus dem Stück von Shakespeare), um 1884, Leinwand, 40,5 × 53,5 cm, Neue Galerie Kassel (Inventarnummer 1875-1148)[6]
  • Jesus wird vom Satan versucht (auch Christus vom Satan versucht), Öl, 1888 Ausstellung im Münchener Glaspalast, 1889 Aufnahme in Sammlung der Nationalgalerie Berlin,[3] dort Fragmente erhalten[2]
  • Mainlandschaft bei Gewitterstimmung, Leinwand, 48 × 79 cm, Neue Galerie Kassel[6]
  • Zwei sitzende Kinder mit Harfe, Pinsel auf Karton, 338 × 248 mm, Städel Museum (Inventarnummer 16301, erworben 1967)[8]
  • Bildnis von Carl Röttelberg (1793–1869), Papier auf Leinwand aufgezogen, 89 × 67 cm, Historisches Museum Hanau (Inventarnummer Β 1859)[6]

Literatur

  • August Winkler: Georg Cornicelius f. In: Hanauer Anzeiger Nr. 290 v. 13. Dezember 1898.
  • Ludwig Julius Fränkel: Cornicelius, Georg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 47, Duncker & Humblot, Leipzig 1903, S. 527–529.
  • Karl Siebert: Georg Cornicelius. Sein Leben und seine Werke (= Studien zur deutschen Kunstgeschichte. Heft 63). Heitz, Straßburg 1905 (Digitalisat).
  • Karl Siebert: Cornicelius, Georg. In: Ulrich Thieme (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 7: Cioffi–Cousyns. E. A. Seemann, Leipzig 1912, S. 440–441 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Karl Siebert: Verzeichnis der Werke des Malers Georg Cornicelius (= Studien zur deutschen Kunstgeschichte. Heft 171). Heitz, Straßburg 1914 (Digitalisat).
  • Karl Siebert: Zum hundertsten Geburtstag von Georg Cornicelius. Beiträge zu seiner Beurteilung als Mensch und Künstler. In: Hanauisches Magazin. 4, 1925, S. 57–84.
  • Dr. Lotz: Cornicelius und Hausmann. Zwei Hanauer Maler des neunzehnten Jahrhunderts. In: Hanauisches Magazin. 4. Jg., 1925, Nr. 12, S. 113–144.
  • Karl Siebert: Georg Cornicelius im Urteil der Zeitgenossen. In: Hanauisches Magazin. 6, 1926, S. 168–178.
  • Anton Merk: Georg Cornicelius 1825–1898: Ein Maler in Hanau. Sein Leben und Werk. Museen der Stadt Hanau, Hanau 1998.
  • Dankmar Trier: Cornicelius, Georg (Georg Karl Franz). In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 21, Saur, München u. a. 1998, ISBN 3-598-22761-2, S. 254.
Commons: Georg Cornicelius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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