Georg Gothe
deutscher Kirchenmusiker und Organist
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Georg Karl Wilhelm Gothe (* 22. September 1895 in Koblenz; † 5. Mai 1973 in Schwerin) war ein deutscher Kirchenmusiker und Organist.
Leben
Georg Gothe war Sohn des Kaiserlichen Postrats Emil Gothe († 1906). Die Familie besaß in Schwerin ein Haus in der Lübecker Straße 65 (später 87).[1] Seine Schwester war die Philosophin und Lehrerin Erika Gothe (1887–1966). Er zeigte früh musikalisches Talent. Ab fünf Jahren spielte er Geige; als Elfjähriger gab er ein Solokonzert in Schwerin, wo Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin ihm einen Geigenbogen überreichte.[2]
Georg Gothe besuchte das Gymnasium Fridericianum Schwerin bis zum Abitur 1914. Gleich danach leistete er als Kriegsfreiwilliger Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg. Nach fünf Jahren Kriegsdienst war eine Ausbildung als Geigenvirtuose nicht mehr möglich. Stattdessen studierte er beim Schweriner Domorganisten Hermann Klose Klavier und Orgel. 1923 war er Student von Walter Fischer an der Musikhochschule Berlin.
1926 wurde er Organist an der Friese-Orgel der Paulskirche in Schwerin. 1931 erfolgte seine Berufung zum Nachfolger seines Lehrers Hermann Klose als Domorganist. Neben dem Orgelspiel verantwortete Gothe auch die Chormusik und Konzerte am Schweriner Dom. Er führte herbstliche Orgelvespern ein und leitete den Domchor, mit dem er vor allem das A-cappella-Singen pflegte.

Gothe übernahm persönlich die Pflege der monumentalen Domorgel von Friedrich Ladegast. Es gelang ihm, den Originalzustand und ursprünglichen romantischen Charakter in der Zeit der Orgelbewegung zu bewahren, die diesen Stil ablehnte.[3] Ab etwa 1933 war Gothe im Nebenamt Orgelsachberater im Bereich des früheren Mecklenburg-Schwerin und ab 1947 auch für das Gebiet des früheren Mecklenburg-Strelitz. In dieser Funktion erarbeitete er ein fast vollständiges Orgelinventar der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs.
Gothe ging 1970 als Domorganist in den Ruhestand, nachdem ihm schon seit 1967 Winfried Petersen als Domkantor assistierte, der auch sein Nachfolger wurde. Gothe blieb Landeskirchenmusikwart der Landeskirche; dieses Amt hatte er seit dem 1. April 1959 inne. Die Aufgaben des Landeskirchenmusikwarts bestanden „in der musikalisch fachlichen Beratung des Oberkirchenrats, und zwar auf dem Gebiet des Ausbildungs- und Prüfungswesens der Kirchenmusiker, in Fragen der Anstellung und Berufung von Kirchenmusikern, auf dem Gebiet des Orgelbaues, der Orgelpflege und des Glockenwesens und darüber hinaus in der fachlichen Beratung in allen kirchenmusikalischen Fragen.“[4]
Nachlass
Gothes Nachlass kam durch drei Schenkungen 2009, 2018 und 2025 an die Landesbibliothek Schwerin. Der 2025 erworbene Hauptbestand wurde von Max Reinhard Jaehn zusammengeführt aus dem Besitz von Georg Gothes Sohn, dem Architekten Hartmut Gothe (Lübeck), aus dem Nachlass von Erika Müschen sowie aus eigenen Unterrichts-Beständen. Jaehn war in den 1950er Jahren Gothes Orgelschüler gewesen. Der Nachlass ist durch ein Findbuch erschlossen.[5] Anfang 2026 werden ausgewählte Stücke in einer Kabinettausstellung in der Landesbibliothek gezeigt.[6]
Georg Gothe besaß einen wertvollen Blüthner-Flügel aus dem Jahre 1856, den sein Sohn 2012 dem Lübecker Brahms-Institut stiftete.[7]
Ehrungen
- 1941: Titel Kirchenmusikdirektor
- 1959: Landeskirchenmusikdirektor
Literatur
- Grete Grewolls: Wer war wer in Mecklenburg und Vorpommern. Das Personenlexikon. Hinstorff Verlag, Rostock 2011, ISBN 978-3-356-01301-6, S. 3444.