Georg Ruselli
deutscher Volkssänger und Komiker
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Leben und Werk
Ruselli wurde 1873 in die Familie eines Dresdener Malermeisters geboren. Nach dem Schulbesuch sollte er Zahntechniker werden, setzte sich jedoch versehentlich auf das fertige Gebiss eines Kunden, was die Ausbildung zu einem vorzeitigen Ende brachte; auch eine ersatzweise bei seinem Vater begonnene Lehre als Lackierer scheiterte. Ruselli brannte von daheim durch und schloss sich den „Winter-Tymian-Sängern“[1] an, bei denen er eine gründliche Ausbildung als Komiker erhielt.
Mit acht anderen sächsischen Volkssängerkollegen, darunter Paul Beckers, Bernhard Mörbitz und Alex Stamer, ging er für längere Zeit auf Tournee. Danach wechselte er zu den „Dresdener Victoria-Sängern“, bei denen er als „drastischer Komiker“ geführt wurde[2], und ging dann zu den “Stettiner Sängern” nach Berlin, mit denen er im Reichshallentheater auftrat. Dabei trug er nicht nur eigene Texte vor, sondern sang auch Couplets anderer Verfasser[3] nach. Gleichwohl wurden auch diese mit seinem Namen[4] beworben. Auf den mit den Marken-Vignetten der Stettiner[5] gezierten Notentiteln seiner ‘Ruselli-Schlager’ wird er als »Die originelle sächsische Type« bezeichnet[6]. Hier wurde er dann der populärste Sachse in Berlin, den man bald auch den „sächsischen Max Adalbert“ nannte, denn wie dieser glänzte er nicht nur als Typenkomiker[7], sondern auch als Schauspieler und Charakterdarsteller.
Von 1919 an trat Ruselli bei den ‘Elite-Sängern’ im Theater am Kottbusser Tor[8] auf; zu ihnen kehrte er nach einem kurzen Gastspiel in Carows Lachbühne auch wieder zurück[9].
Sein letztes Lebensjahrzehnt verbrachte Ruselli bei dieser Sängergesellschaft, deren gefeierter Star er war. Aber auch am Rundfunk[10] war er zu hören, wo er mit speziellen selbst verfassten Vorträgen populär, eben der „Ruselli Schorsch“, wurde, unter welchem Namen ihn jedes Kind in Sachsen kannte[11].
Seine schönste Rolle bekam er 1930 als Petrus[12] in dem Zille-Festspiel „Pinselheinrichs Himmelfahrt“, zu dem Peter Sachse und Max Neumann das Textbuch verfasst hatten.
Im Winter 1932 erlitt er auf dem Weg zu einer Probe einen Schlaganfall. Er starb im Krankenhaus an einer hinzugekommenen Lungenentzündung am 2. Januar 1932.
Ruselli hinterließ Schallplattenaufnahmen bei Menzenhauer & Schmidts[13] Kalliope- und bei Lindströms Gloria- und Odeon- label. Für Letztere sang er ein Jahr vor seinem Tod noch mehrere Parodien auf Volkslieder ein, deren Texte von Otto Krickel stammten. Begleitet wurde er vom Orchester Carl Woitschach.
Tondokumente (Auswahl)
- Wir Sachsen wir sind helle. Kalliope K 260, auch 4946
- Da guggd mer mit de Oochn / Idiotenverse. Kalliope K 261
Der Katalog der DNB führt 7 Titel:[14]
- Waldeslust. (Text von Otto Krickel) Odeon O-11 441 (Be 9371)
- Das Mädchen vom Weißensee. Volkslied-Parodie (Text von Otto Krickel)[15] Odeon O-11 441 (Be 9372)
- Als der Großvater die Großmutter nahm. Volkslied-Parodie (Text von Otto Krickel). Odeon O-11 442 (Be 9373), auch Gloria G.O.10 113 (Bi 203), aufgen. März 1931
- Ich bild m’rsch ein. (Text von Otto Krickel) Odeon O-11 442 (mx. Be 9374), auch Gloria G.O.10 113 (Bi 204), aufgen. März 1931
- Man muss sich zu helfen wissen. Ein musikalischer Scherz./ Otto Bach: Georg Ruselli mit Ensemble. Grammophon braun Nr. 730 A (Matrizennummer 1410 1/2 BH-IV)[16]
- Wir Sachsen, wir sind helle. Originalvortrag / Von Georg Ruselli / In sächsischer Mundart / I. u. II.Teil. Georg Ruselli. Kalliope 4946 (Matrizennummern 06951 und 06952)[17].
Wiederveröffentlichungen
- CD 3 der Reihe »Heimweh nach Berlin – 4 CDs« (Label: FabFour, Bestellnummer: 4925834, Erscheinungstermin: 24. Juni 2011) enthält als track 20 Das Mädchen vom Weissensee – Schorsch Ruselli
- Die CD »Rare Schellacks: Berlin – Grostadtklänge 1908-1953«, Trikont US-0265, released 1999, enthält als track 3 Das Mädchen vom Weissensee – Schorsch Ruselli mit Orchesterbegleitung
Literatur
- Helga Bemman: Berliner Musenkinder-Memoiren. Berlin-Ost, Verlag „Lied der Zeit“ 1981.
- John-Torley = John, Richard und Torley, Richard (Hrsg.): Die deutschen humoristischen Herren-Sänger-Gesellschaften in Wort und Bild, von Richard John; unter Mitwirkung v. Richard Torley. Privatdruck Leipzig C 1, Scherlstr. 14 : R. John, 1940.
- Künstler am Rundfunk. Ein Taschenalmanach der Zeitschrift ‘Der Deutsche Rundfunk’. Verlag Rothgießer & Diesing, Berlin 1932.
- Berthold Leimbach: Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten 1898 - 1945, Göttingen, im Selbstverlag, 1991, unpaginiert.