Georges Favey
Schweizer Jurist
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Georges Favey (* 24. September 1847 in Pompaples; † 26. Mai 1919 in Lausanne) war ein Schweizer Jurist, Diplomat, Hochschullehrer und Richter. Er amtierte von 1900 bis zu seinem Tod als Richter am Schweizerischen Bundesgericht, dem er 1913 als Präsident vorstand.

Herkunft und familiäres Umfeld
Georges Favey wurde als Sohn des Georges Louis Favey und der Marie, geborene Vouga, geboren. Er war heimatberechtigt in Pompaples und Eclépens und gehörte der reformierten Konfession an.[1] Sein Vater bekleidete als Notar, Oberst und Abgeordneter eine bedeutende Stellung im Kanton Waadt.[1] Favey heiratete Louise Beauverd, die Tochter des Zahnarztes sowie Lausanner Gemeinderats und Abgeordneten Jules Beauverd.[1]
Über seine Tochter Madeleine Favey bestand eine familiäre Verbindung zur Schweizer Medien- und Politiklandschaft; sie heiratete 1926 den Journalisten und späteren Chefredaktor der Gazette de Lausanne, Georges Rigassi.[2]
Ausbildung und diplomatische Anfänge
Seine akademische Ausbildung erhielt Favey an der Akademie Lausanne (heute: Universität Lausanne), wo er das Studium der Rechte absolvierte und 1871 mit dem Lizenziat abschloss.[1][3] Unmittelbar nach dem Studium trat er in den diplomatischen Dienst ein und wirkte von 1872 bis 1874 als Sekretär bzw. Attaché der Schweizer Gesandtschaft in Paris.[1][3] Im Jahr 1877 erwarb er das waadtländische Anwaltspatent.[1] Später, im Jahr 1892, verlieh ihm die Universität Padua die Ehrendoktorwürde (Dr. h. c.).[1]
Juristische und akademische Karriere im Kanton Waadt
Nach seiner Rückkehr aus Paris schlug Favey eine Laufbahn in der kantonalen Justiz ein. Von 1874 bis 1886 amtierte er als Staatsanwalt in Lausanne.[1] Neben und nach seiner Tätigkeit als Magistrat praktizierte er als Rechtsanwalt. Dabei ging er eine beruflich wie gesellschaftlich prestigeträchtige Partnerschaft ein: Er führte eine gemeinsame Advokatur mit dem ehemaligen Bundesrat Paul Cérésole.[3]
Parallel zu seiner juristischen Praxis verfolgte Favey eine akademische Karriere. Er lehrte ab 1878 als Privatdozent an der Akademie Lausanne.[1] Mit der Erhebung der Akademie zur Universität Lausanne im Jahr 1890 wurde er zum ordentlichen Professor für Strafrecht, Verfahrensrecht und diplomatisches Recht berufen.[1] Von 1892 bis 1894 leitete er die Universität als Rektor.[1] Auch nach seiner Wahl ans Bundesgericht blieb er der Lehre verbunden und wirkte von 1902 bis 1919 als Lehrbeauftragter für diplomatisches Recht.[1]
Zusätzlich zu seinen kantonalen Aufgaben war Favey ab 1880 (bzw. 1888 gemäss Webseite des Bundesgerichts) als eidgenössischer Untersuchungsrichter tätig, eine Funktion, die er bis zu seiner Wahl ans Bundesgericht im Jahr 1900 ausübte.[1][3]
Richter am Bundesgericht
Im Jahr 1900 wählte die Bundesversammlung Georges Favey zum Richter am Schweizerischen Bundesgericht.[1] Er gehörte der liberalen Fraktion an und war der zivilrechtlichen Abteilung des Gerichts zugeteilt.[3] Im Jahr 1913 stand er dem Gericht als Präsident vor.[1]
Während des Ersten Weltkriegs fielen ihm besondere Aufgaben zu. Er führte den Vorsitz des Bundesstrafgerichts, wobei ihm zeitgenössische Quellen eine „mustergültige“ Amtsführung attestierten.[1] In einem Nachruf der Tageszeitung Der Bund wurde Favey als „stille, vornehme Gelehrtengestalt“ gewürdigt.[3]
Politik, Militär und gesellschaftliches Engagement
Auf kommunaler Ebene engagierte sich Favey von 1890 bis 1897 als Mitglied des Lausanner Gemeinderats (Legislative) für die liberale Partei.[1] Im Schweizer Militär erreichte er den Rang eines Obersten der Infanterie und war Mitglied des Generalstabes.[1]
Favey war zudem tief im kulturellen und historischen Leben der Romandie verwurzelt. Er war Mitglied der Studentenverbindung Société de Belles-Lettres, die er 1870 präsidierte.[1] Sein historisches Interesse manifestierte sich in seiner Präsidentschaft der Société d'histoire de la Suisse romande (1885–1890) sowie als Mitbegründer der Société vaudoise d'histoire et d'archéologie im Jahr 1903.[1] Auch in der nationalen Rechtswissenschaft übernahm er Verantwortung und stand von 1904 bis 1907 dem Schweizerischen Juristenverein als Präsident vor.[1]
Literatur
- Generalstab. Band 8, S. 116.
- Professeurs Lausanne. S. 401 f.