Georgios Ainian

griechischer Politiker und Senator; erster Gouverneur von Euböa From Wikipedia, the free encyclopedia

Georgios Ainian (griechisch Γεώργιος Αινιάν; * 1788 in Ypati;[1]1847[2] oder Januar 1848[1] in Athen)[1][2] war ein Politiker der Griechischen Revolution und des Königreichs Griechenland.[1]

Porträt von Georgios Ainian; aufbewahrt im Nationalen Historischen Museum Athen

Er nahm an mehreren Nationalversammlungen der Revolution teil und war später unter König Otto Staatsrat und Senator.[1]

Frühes Leben und Familie

Georgios Ainian war der älteste Sohn von Zacharias Ainian, Priester und Lehrer aus dem Dorf Mavrilo (in Fthiotida) des Tymfristos.[1][3] Er hatte zwei Brüder, Dimitrios und Christodoulos. Die Familie ließ sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Konstantinopel nieder und änderte ihren ursprünglichen Namen Oikonomou-Anagnostou in Ainian, nach den antiken Ainianen, die ihre Heimatregion bewohnten. Zacharias Ainian stellte in seinem Haus im Stadtteil Therapia dem Revolutionär Papaflessas zeitweise ein Zimmer zur Verfügung.[1]

Georgios besuchte das Griechische Gymnasium Fener und unterrichtete dort Kinder des Dragoman Dimitrios Mourousis. Über Kontakte der Phanarioten lernte er führende Revolutionäre wie Papaflessas, Perraivos und Anagnostaras kennen und wurde in die Filiki Eteria aufgenommen. 1818 kehrte er nach Fthiotida zurück und beteiligte sich an den Vorbereitungen der Griechischen Revolution.[1]

Georgios Ainian zeigte auch Interesse an Geographie. 1818 führte er eine kleine Ausgrabung in Pyra am Oiti durch und war im selben Jahr Abonnent der geographischen Schriften von Dionysios Pyrrhos.[1][4]

Beteiligung an der Griechischen Revolution

Während des Unabhängigkeitskriegs war Ainian Mitglied des Areopags von Ostgriechenland und Delegierter der Ersten Nationalversammlung in Epidaurus, der Zweiten Nationalversammlung in Astros sowie der Dritten Nationalversammlung in Epidaurus.[1] Die deutschsprachige Zeitung Der Friedens- u. Kriegs-Kurier nannte Ainian 1825 als einen der „wichtigsten Männer in frühen Perioden der Insurrection“.[5]

Aus dem belagerten Mesolongi schrieb er am 28. Januar/9. Februar 1826 einen Brief an den Anführer der Regierung, Lazaros Koundouriotis, in dem er vor der Abberufung Alexandros Mavrokordatos und einem möglichen Abzug von Lord Byron warnte und die schwierige Versorgungslage nach jahrelanger osmanischer Verwüstung schilderte.[6] Außerdem berichtete Ainian über die Vorbereitungen des Ausbruchs aus Mesolongi und schilderte, dass die Druckpressen der Zeitung Ellinika Chronika vergraben und die Lettern verstreut wurden, um sie vor den Osmanen zu bewahren.[7]

Georgios Aenian verweist in einem Brief an Ioannis Kolettis auf die Haltung der Großmächte gegenüber den griechischen Angelegenheiten und äußert die Hoffnung auf eine Annexion weiterer Gebiete an das griechische Territorium.

Im Dezember 1826 stand er zudem in engem Kontakt mit Ioannis Kolettis und berichtete ihm aus Nafplio über politische Entwicklungen und den Streit um den Tagungsort der Dritten Nationalversammlung.[8][9]

Zudem schloss er sich der von Kolettis gegründeten Gesellschaft zur Befreiung des griechischen Festlands (Εταιρεία της Ελευθερώσεως της Χέρσου Ελλάδος) an.[9]

Um diese Zeit zog Ainian nach Athen, wo er zunächst im Haus Barbati in der Adrianou-Straße lebte und später ein Gebäude an der Ecke der heutigen Panepistimiou- und Charilaou-Trikoupi-Straße bewohnte, das als „Haus Lindermeier“ bekannt war.[2]

Laut der französischsprachigen Zeitung Le Constitutionnel war Georgios Ainian 1826 Mitglied einer Kommission für Finanzen, die das Vertrauen internationaler Gläubiger sichern sollte.[10] Laut dem Österreichischen Beobachter befasste sich die siebenköpfige Kommission mit Ainian zudem mit dem Vorhaben, Anleihen von den Ionischen Inseln zu beschaffen.[11]

Er hielt die Position des Generalinspekteurs der Truppen in Sterea Ellada und hielt im April 1827 die Trauerrede auf Georgios Karaiskakis Beerdigung.[1][12] Im Jahr 1829 vertrat er Ypati in der Vierten Nationalversammlung in Argos. Nach dem Krieg ernannte ihn Ioannis Kapodistrias zum Senator.[1] Während der Amtszeit von Ioannis Kapodistrias stellte sich Georgios Ainian jedoch zunehmend in Opposition zur Regierung. Laut der Allgemeinen Zeitung vom 17. Juni 1831 distanzierte sich Ainian öffentlich von Kapodistrias’ Politik.[13]

Zeit unter König Otto

Bei der Übergabe von Chalkida an Griechenland am 25. März 1833 war Georgios Ainian anwesend und wurde von der neuen Regierung unter König Otto zum ersten Gouverneur (Ναύαρχος κυβερνήτης) der Insel Euböa ernannt. Er gründete in Chalkida rasch eine Lancasterschule (αλληλοδιδακτικό σχολείο) und eine Druckerei, in der kurz darauf die erste Zeitung Euböas, Ellin, erschien.[14]

Er verfasste mehrere Studien und Zeitschriftenbeiträge und war 1836 Mitbegründer des Arsakeio, dessen Vorstand er bis etwa 1840 angehörte.[1] Im Jahr 1838 schrieb er zudem eine Biographie über Eugenios Voulgaris, die trotz einiger nachgewiesener Ungenauigkeiten bis heute als wichtigste Quelle für dessen frühe Lebensjahre bis zu dessen Übersiedlung nach Russland gilt.[15] 1840 wurde Georgios Ainian in der Allgemeinen Zeitung als einer der „berühmten Häuptlinge der Kapodistrianischen Partei“ genannt und als Kandidat für ein Ministeramt gehandelt.[16]

Laut Der Bayerische Landbote wurde Georgios Ainian 1843 mit 96 Stimmen zum dritten von insgesamt vier Sekretären der Nationalversammlung gewählt.[17]

Er beteiligte sich an der Revolution des 3. September 1843, wirkte an der Verfassung von 1844 mit und wurde anschließend [wieder] Senator.[2]

Nach einem königlichen Dekret vom 11. September 1843 gehörte er außerdem einem vierköpfigen Komitee an, das die Aufgabe hatte, Ortsnamen griechischer Städte, Flüsse und Landschaften zu erfassen, zu überprüfen und bei Bedarf durch Bezüge zur antiken Geographie oder zu Persönlichkeiten der griechischen Geschichte zu erneuern.[18]

Ainian starb 1847[2] oder im Januar 1848[1] in Athen und wurde auf dem Ersten Athener Friedhof beigesetzt.[19]

Seine Tochter Aganiki Ainianos wird als erste Dichterin Fthiotidas angesehen.[20]

Commons: Georgios Ainian – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI