Gerda Koepff
deutsche Unternehmerin, Glassammlerin und Stifterin
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Gerda Koepff, geborene Stoess (* 5. Mai 1919 in Eberbach; † 2006 in Heidelberg), war eine deutsche Unternehmerin, Glassammlerin und Stifterin. Gerda Koepff zählte heute zu den herausragenden Pionierinnen und Fachkennerinnen im Bereich der Sammlung von französischen Jugendstilgläsern. Im Jahr 1984 gehörte sie zu den Mitgliedern des Gründervorstandes der Kurt-Hahn-Stiftung zur Förderung der Schule Schloss Salem.[1]
Leben
Gerda Stoess, wurde 1919 in Eberbach bei Heidelberg als Tochter des Chemikers und Gelatineindustriellen Walter Stoess (1889–1972) und seiner Ehefrau Käte Stoess geb. Mietling geboren.[2] Ihr jüngerer Bruder Harald Stoess (* 21. November 1921, † 25. Juli 1942)[3] fiel im Alter von 20 Jahren im Zweiten Weltkrieg,[4] dies war ein großer Verlust für die Familie und das Familienunternehmen Chemische Werke Stoess. Noch 1940 nach Abschluss des Gymnasiums hatte Harald das Kriegsabitur in der Schule Schloss Salem abgelegt und hoffte auf seinen baldigen Einstieg in die Firma.
Ausbildung und Karriere
Gerda Stoess besuchte im Heidelberger Stadtteil Wieblingen das Mädcheninternat. Diese Schule war eine evangelisches Privatgymnasium und Reformschule, gegründet als Verein Evangelisches Landerziehungsheim Wieblingen e. V. von der Pädagogin und Sozialarbeiterin Elisabeth von Thadden heute Elisabeth-von-Thadden-Schule als Andenken an die Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Gerda wechselte dann auf die Reformschule Schloss Salem, wo sie gemeinsam mit ihrem Bruder Harald lernte. In der Schule freundete sie sich zwischen 1937 und 1938 mit Hildegard Hamm-Brücher geb. Brücher an, die aber die Schule verlassen musste, da ihre Großmutter Jüdin war.[5]
“Liebe Hildegard, als man mich bat, für die Festschrift zu Deinem 70. Geburtstag einen Beitrag zu schreiben, bin ich doch ziemlich erschrocken. Schreiben ist ja nicht mein Metier. Wie schreibt man über einen Menschen, der Teil eines Langen Lebens ist – in durch Jahre vertiefter Freundschaft –, die zu gleich zu den herausragenden Persönlichkeiten unseres Landes gehört?”
Studium in München
Nach dem Abschluss der Schule studierte Gerda Stoess im München verschiedene Fächer wie, Deutsche und Englische Literatur und Kunstgeschichte. Um das Familienunternehmen zu unterstützen, brach sie das Studium ab und absolvierte die Handelsschule in München. Nach ihrem Abschluss in Wirtschaftswissenschaft nahm sie Privatunterricht, um sich in das kaufmännische Umfeld der Bilanzanalyse und das kaufmännische Rechnen geschäftstüchtig zu machen. Anmerkung: In den 1950er Jahren war es nicht üblich, dass Frauen Karriere machten und führende Positionen einnahmen und sich dort behaupteten. Selbst ihr Vater Walter hatte erst Zweifel, sie in das sogenannte operative Tagesgeschäft der Firma einzugliedern, doch Gerda Stoess überzeugte ihren Vater im Jahr 1957 vom Gegenteil und leistete über Jahrzehnte hervorragende unternehmerische Arbeit.[5]
Familienunternehmen Stoess
Das Unternehmen war 1888 vom Großvater Carl Wilhelm Heinrich Stoess (* 23. Oktober 1856 auf dem Krayerhof bei Maria Laach bei Andernach, † 26. November 1938 in Heidelberg)[7] als Heidelberger Gelatine-Fabrik H. Stoess & Co gegründet worden und kooperierte im Bereich der Produktion von Photo-Gelatine mit der Eastman Kodak Company in New York. In der Nachfolge wurde es von ihrem Vater Walter Stoess und ihrem späteren Ehemann Heinrich Koepff geführt, der ebenfalls einer Familie von Gelatineherstellern entstammte. Gerda Stoess agierte von 1960 bis 1975 als Geschäftsführerin. ihr Vater Water Stoess hatte, als er im Jahr 1960 in den Ruhestand ging, sie soweit befähigt als Geschäftsführerin, ohne festen Geschäftsbereich, die Verantwortung für das weiter expandierende Unternehmen zu übernehmen. Nach dem Beschluss der Gesellschafterversammlung vom 14. April 1960, trat Gerda Stoess als allein vertretungsberichtigte Geschäftsführung, die Nachfolge ihres Vaters Walter Stoess an.[8] Gerda Stoess legte zu dieser Zeit ihr Augenmerk auf soziale Angelegenheiten und auf das Personalmanagement.[9]
Firmenfusion 1965
Im Jahr 1965 heiratete Gerda Stoess den Diplom-Ingenieur und Naturwissenschaftler Heinrich Koepff (1911–1986), im selben Jahr, als die Familienfirmen Koepff und Stoess zu Chemische Werke Stoess & Co. GmbH fusionierten und daraus im Jahr 1972 die Deutsche Gelatine-Fabriken Stoess GmbH entstand,[9] deren Gesamtgeschäftsführer Heinrich Koepf[10] wurde. Im Jahr 1989 wurde die Gesellschaft in eine Aktiengesellschaft (AG) umgewandelt. Heute heißt die Firma Gelita AG, ist einer der Weltmarktführer der Gelatineproduktion und noch immer in Familienbesitz. Gerda Koepff wurde Vorstandsvorsitzende und später, bis zu ihrem 80. Geburtstag am 5. Mai 1999, stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Mit dem Tag ihres Geburtstages verabschiedete sie sich in den Ruhestand.[11] Zu ihrer Verabschiedung würdigte der Vorstandsvorsitzende Jörg Siebert Gerda Koepff in seiner Laudatio:
„[...] als Kampfgefährtin im Ringen um das Beste für die Firma, Denkgefährtin bei vielen Überlegungen und Planungen, Opposition bei kritischen Fragen und Problemsituationen und standfeste Koalitionspartnerin bei schwierigen Entscheidungen. [...] Ich danke ihnen persönlich und im Namen des Unternehmens DGF STOESS und seiner Belegschaft für mehr als vier Jahrzehnte sehr erfolgreicher uns außerordentlichen Einsatz! Eine große Strecke ihrer Beirats- und Aufsichtsratstätigkeit hatte ich das Glück und die Ehre, Sie begleiten zu dürfen“
Kurt-Hahn-Stiftung
Zum Kurt-Hahn-Stiftung Gründungsvorstand gehörten 1983:
- Gerda Koepff
- Ambros Schindler (Geschäftsführer des Stifterverbandes der Deutschen Wissenschaft)
- Marcus Bierich (Vorsitzender der Robert-Bosch AG)
- Carl-Jochen Winter
- Ulrich Wackerhagen
- Heinz A. Lessing
- Alfred Mauritz
- Den Vorsitzender des Kuratoriums übernahm der Schirmherr von Salem Max Markgraf von Baden[1]
Am 24. Januar 1984 fand die konstituierende Sitzung der Kurt-Hahn-Stiftung statt, die bis heute tätig ist.[13]
Widmung
- Unterstützung von förderungswürdigen Talenten, um den begabten Kindern und Jugendlichen mit Stipendien die Aufnahme in die Internats Schule Schloss Salem zu ermöglichen.[14]
Harald Stoess Erinnerungsstiftung
Im Jahr 2002 gründete Gerda Koepff gemeinsam mit ihrer Tochter Benita Koepff die gemeinnützige Harald Stoess Erinnerungsstiftung in Eberbach, Uferstraße 7, in Gedenken an ihren im Zweiten Weltkrieg gefallenen Bruder.[15]
Widmung
- Sozialprojekte
- Sprachreisen
- Vergabe von Stipendien
- Musische Förderung,
- Begabtenförderung sowie Unterstützung von unverschuldet in Not geratenen Mitarbeitern und Ruheständler der GELITA AG.[16]
Wirken als Sammlerin
Gerda Koepff begann sich gegen den damaligen modernistischen Zeitgeist in den 1960er Jahren mit französischem Jugendstilglas zu beschäftigen und es zu erwerben, zunächst als Dekoration für ihr Zuhause. Ermutigt durch einen Kunsthändler in München, vertiefte sie ihr Wissen um die qualitativen Unterschiede in der Glaskunst, noch bevor das Sammeln von Jugendstil populär und teuer wurde. Zu ihren ersten Erwerbungen gehörten Werke der Compagnie Française du Cristal Daum in Nancy, als die Produkte dieses Herstellers noch als minderwertig gegenüber Kunstwerken von Émile Gallé galten. In ihre Kunstsammlung fanden auch Werke von nicht so bekannten Künstlern wie Eugène Michel (1848–1904) aus Paris Zugang. Ihre Sammlung von Art Nouveau Glasobjekten zeigt ihren nach und nach geschärften Blick für herausragende Qualität.
“Die Koepff-Kollektion spiegelt den persönlichen Geschmack und das Auge des Sammlers wider. Sie hat keine starre Struktur und kein Prinzip, und obwohl der Fokus auf dem französischen Jugendstil liegt, strebte Gerda Koepff nie nach Vollständigkeit im wissenschaftlichen Sinne. Es enthält eine Reihe von Künstlern und Herstellern, vor allem aber ist es eine persönliche Auswahl von Einzelstücken. Die Vasen, Teller und Schalen ihrer Kollektion erzählen von Poesie, Symbolik, der Liebe zur Natur und der kontinuierlichen Erweiterung der Grenzen des Glases.
"Irgendwann", sagte sie in einem Interview, "hatte ich das Gefühl, am Ende angekommen zu sein; Die Kollektion hatte einen Blick. Und das war der Punkt, an dem ich aufhören wollte."”
- Sammelobjekte Jugendstilglas
- Orchideenschale, Glas (ca. 1878), Vase mit orientalischem Dekor (1889) und Cabochon-Vase, Émile Gallé (ca. 1889)
- Clevelandart 1983.225, Émile Gallé
- Paar Tischkerzenhalter, Maison Daum, Nancy ca. 1900–1905
- Vase Eugène Michel, Paris um 1898
Ihre Sammlung wurde 1998 in Düsseldorf ausgestellt und von Gerda Koepff dem Glasmuseum Hentrich nach ihrem Tod als Schenkung überlassen, wo sie dauerhaft im Ehrenhof ausgestellt ist. Ihr männliches Pendant Helmut Hentrich war ein bedeutender Sammler von Objekten und Glasgestaltung des Jugendstils und antiker und islamischer Glaskunst. Im Jahr 1969 gelangte seine Sammlung als Schenkung an das Museum, was seinen Namen trägt.
Gerda Koepff starb im Jahr 2006 im Alter von 87 Jahren in Heidelberg.
Familie
- Benita Koepff gemeinsame Tochter des Ehepaars Koepff, heute Vorsitzende des Kuratorium der Harald Stoess Erinnerungsstiftung
- Ehemann Heinrich Koepff (* 1911)
- Schwiegervater Paul Koepff (1856–1942)
- Großvater Heinrich Stoess
Ausstellungen (Auswahl)
- 2016 Tourt die Glassammlung Gerda Koepff mit Meisterwerken des Art Nouveau 18 Monaten lang durch japanische Museen.[18]
Literatur und Publikationen
- Glas des Art Nouveau: Die Sammlung Gerda Koepff, Prestel Verlag, 1998
- Art nouveau glass Munich : Prestel, 2004, Rev. ed. of the orig. German book
Weblinks
- Jugendstilglas Sammlung Gerda Koepff mit 313 Objekten der Sammlung Koepff, mit jeweiligen Erklärung zu den Kunstobjekten auf d:kultur online, emuseum.duesseldorf, Düsseldorf Nähe trifft Freiheit
- Artist Info Gerda Koepff Eberbach 1919–2006 Heidelberg (en) mit 146 Objekten der Sammlung Koepff auf d:kultur online, emuseum.duesseldorf, Düsseldorf Nähe trifft Freiheit
- Beautiful Glasses in Glas Museum Hentrich Düsseldorf Germany Vermächtnis Gerda Koepff auf youtube.com (12:25 Minuten)
- The Digital Horizon 02: „Gerda Koepff, pioneering collector of Art Nouveau glass“ (en) Deutsche Digitale Bibliothek