Gerhard Hüsch

deutscher Opern- und Liedsänger (Bariton) From Wikipedia, the free encyclopedia

Gerhard Hüsch (* 2. Februar 1901 in Hannover; † 23. November 1984 in München) war ein deutscher Opernsänger (lyrischer Bariton).

Person stehend von vorn ab Becken in schwarzweiß.
Gerhard Hüsch (1952)

Leben

Gerhard Hüsch begann seine Theaterkarriere als Schauspieler am Schauspielhaus Hannover. Er begann dann eine Gesangsausbildung bei Hans Emge und debütierte 1923 am Stadttheater Osnabrück. Zwischen 1925 und 1942 sang Hüsch regelmäßig an deutschen, britischen und italienischen Opernhäusern. Ab 1930 lag der Schwerpunkt seiner Tätigkeit in Berlin. Am besten in Erinnerung geblieben ist Hüsch für seine Darstellung des Papageno in Mozarts Die Zauberflöte, so etwa auf der ersten Gesamtaufnahme dieser beliebten Oper mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Thomas Beecham aus den Jahren 1937/38. Hüschs Repertoire umfasste die meisten Standardpartien für leichten Bariton, einschließlich der Werke von Wagner (er trat bei den Bayreuther Festspielen auf, vor allem als Wolfram in Tannhäuser) und Richard Strauss (er sang bei der Premiere von Strauss’ Intermezzo). Hüsch beeindruckte weniger durch ein besonders großes Stimmvolumen als durch seine klare Diktion und die elegante Stimmführung.

Diese Qualitäten werden besonders deutlich auf seinen Lieder-Einspielungen aus der Vorkriegszeit. Hüsch nahm die ersten weitgehend ungekürzten Fassungen der großen Liederzyklen Winterreise und Die schöne Müllerin von Franz Schubert auf, ebenso wie Beethovens An die ferne Geliebte. Seine Platten mit Liedern von Hugo Wolf stellten das Werk dieses bis dato eher unbekannten Komponisten erstmals einem größeren Publikum vor. Außerdem nahm Hüsch zahlreiche Lieder von Hans Pfitzner auf, bei denen dieser selbst die Begleitung am Klavier übernahm. Der noch unbekannte finnische Komponist Yrjö Kilpinen fand in Hüsch einen stetigen Befürworter. Hüsch wirkte auch bei Oratorien mit. Bemerkenswert ist seine Darstellung des Jesus in einer kriegsbedingt stark gekürzten Fassung von Bachs Matthäus-Passion.

Hüsch wurde mit Erlass vom 19. April 1937 durch Adolf Hitler zum Kammersänger ernannt.[1] Er stand 1944 in der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. Bedingt durch seine politische und persönliche Nähe zu führenden Nationalsozialisten (besonders sein Verhältnis mit Rosalind, der Schwester von Baldur von Schirach) galt Hüsch nach Kriegsende als NS-belastet und bekam kaum noch Engagements. Er musste sich zunächst mit privaten Unterrichtstätigkeiten über Wasser halten, erhielt aber schließlich eine Stellung als Professor an der Münchner Hochschule für Musik, wo u. a. der britische Tenor Nigel Rogers und der deutsche Chorleiter Clytus Gottwald seine Schüler waren. Hüschs Meisterklassen fanden nicht nur in Europa, sondern auch in Japan statt. Heute liegen die meisten seiner zahlreichen Schallplatten-Aufnahmen auch als CD vor. Auch seine Platten von 1934 werden als NS-Devotionalien gehandelt: Das Hakenkreuz (TELEFUNKEN A1381 mx 19038) und Deutschland erwache (TELEFUNKEN A1381, mx 19039) mit Mitgliedern des Berliner Philharmonischen Orchesters (siehe OPAL-CD The Rise of Fascism).

Literatur

Einzelnachweise

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