Gerhard Ruhenstroth-Bauer
deutscher Biochemiker und Mediziner
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Leben und Wirken
Ruhenstroth-Bauer absolvierte ein Chemiestudium an den Universitäten Prag sowie Königsberg und wurde 1943 von der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin zum Dr. rer. nat. promoviert.
Ruhenstroth-Bauer beantragte am 1. Januar 1939 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. November 1938 aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.801.208).[1] Er schloss sich auch der SS an und war während des Zweiten Weltkrieges Stabsarzt der Luftwaffe.[2] Er führte als Assistent Adolf Butenandts am Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut für Biochemie im September 1943 mit Hans Nachtsheim Versuche an epileptischen Kindern aus der psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalt Brandenburg-Görden durch. Dabei sollten im Auftrag der deutschen Luftwaffe in einer mindestens zweimal von KWI-Forschern benutzten Unterdruckkammer die Folgen von Sauerstoffmangel untersucht werden.[3][4] Zum experimentellen Forschungsgebiet von Ruhenstroth-Bauer gehörten sogenannte Hämopoietine, Wirkstoffe zur Vermehrung von Erythrozyten und zur Verbesserung der Sauerstoffaufnahme insbesondere in größeren Höhen.[5]
Seine Habilitationsschrift zum Dr. med. habil. legte er 1951 an der Eberhard Karls Universität Tübingen vor, wo er anschließend als Privatdozent tätig war. 1957 wechselte er an die Universität München, wo er 1958 zum außerplanmäßigen Professor für Experimentelle Medizin berufen wurde. Er war Mitherausgeber der 1955 begründeten hämatologischen Zeitschrift Blut. Außerdem war Ruhenstroth-Bauer Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft sowie von 1962 bis zu seiner Emeritierung 1981 Direktor des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Martinsried.
Im Jahr 1980 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Naturwissenschaftlichen Klasse der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste in München berufen.
Dem Biochemiker Benno Müller-Hill drohte Ruhenstroth-Bauer (ebenso wie es Adolf Butenandt tat) mit einer Klage, wenn dieser eine Publikation zur Wissenschaftsgeschichte der biomedizinischen Forschung im Nationalsozialismus veröffentliche.[6]
Populärwissenschaftlich bekannt wurde Gerhard Ruhenstroth-Bauers Name im Zusammenhang mit der Beantwortung der Frage nach dem Sauerwerden von Milch bei Gewitter. Christoph Drösser zitierte ihn in seiner Zeit-Kolumne Stimmt’s? mit der Aussage, dass dafür sogenannte Sferics ursächlich seien.[7]
Literatur
- Hans-Walter Schmuhl: Grenzüberschreitungen. Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik 1927–1945 (Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, Bd. 9). Wallstein-Verlag, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-799-3 (enthält ausführliche Darstellung der Menschenversuche).
- Klaus Kühn, Hans-Walter Schmuhl: Gerhard Ruhenstroth-Bauer. 2. Juni 1913 bis 2. August 2004. In: Jahrbuch der Max-Planck-Gesellschaft 2005, ISSN 0341-0218, S. 123–125 (Nachruf auf Ruhenstroth-Bauer).
Weblinks
- Literatur von und über Gerhard Ruhenstroth-Bauer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste: Die verstorbenen Mitglieder – Gerhard Ruhenstroth-Bauer (mit Foto)
