Gerhard Taschner

deutscher Violinist From Wikipedia, the free encyclopedia

Gerhard Franz Philipp Taschner (* 25. Mai 1922 in Jägerndorf, Tschechoslowakei; † 21. Juli 1976 in Berlin[1]) war ein deutscher Geigenvirtuose.

Gerhard Taschners Totenmaske und Handabformungen

Leben

Ehrengrab, Stubenrauchstraße 43–45, in Berlin-Friedenau

Taschner debütierte als Siebenjähriger in Prag mit einem Violinkonzert von Mozart. Später studierte er bei Jenő Hubay in Budapest, bei Bronisław Huberman und Adolf Bak in Wien. 1939 wurde er Konzertmeister am Stadttheater von Brünn. Im Juli 1941, mit 19 Jahren, von Wilhelm Furtwängler als jüngster erster Konzertmeister zum Philharmonischen Orchester Berlin geholt, etablierte er sich in den Kriegsjahren schnell als gefeierter Solist. Taschner stand 1944 in der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.[2] Bei Kriegsende verließ er das Orchester wieder.

Von 1945 bis 1950 lebte er in Rüdesheim, wirkte als Solist und bildete er mit dem Cellisten Ludwig Hoelscher und dem Pianisten Walter Gieseking ein erfolgreiches Trio. 1950 wurde er als Professor an die Berliner Hochschule für Musik berufen. Bis Anfang der 60er Jahre trat er bei Konzerten in aller Welt auf, dann musste Taschner aufgrund eines Rückenleidens seine Karriere beenden. Danach widmete er sich ausschließlich seiner pädagogischen Tätigkeit. Ab März 1943 war er mit der Pianistin Marie Gerda Rothe, geb. Nette (Künstlername Gerda Nette-Taschner, * 21. November 1906 in Lintelermarsch; † 15. Oktober 2012 in Berlin) verheiratet. Gerhard Taschner litt gegen Ende seines Lebens unter psychischen Problemen, für die er keine Lösung fand. Er gab sich dem Alkohol hin und starb nach einer Operation an einer Lungenentzündung im Klinikum Steglitz.[3]

Sein Grab auf dem Friedhof Schöneberg III in Berlin-Friedenau wurde von 1990 bis 2014 als Ehrengrab des Landes Berlin geführt.

Von 2001 bis 2005 vergab die Universität der Künste Berlin den Gerhard-Taschner-Preis für Violine.

Tondokumente

Mittlerweile wiederveröffentlichte Aufnahmen (ab 1997 bei EMI und bei MDG, zum größten Teil aus Rundfunkarchiven stammend; die relativ wenigen Studioaufnahmen bei Archiphon) zeugen vom überragenden Rang dieses Geigers, dessen Karriere merkwürdig im Sande verlief und der jahrzehntelang völlig der Vergessenheit anheimgefallen war. Zu den diskographischen Höhepunkten gehört seine Kreutzer-Sonate mit dem Pianisten Walter Gieseking, die spontan in einer Pause bei Orchesteraufnahmen entstand.

Medien

  • Radiosendung Der Geiger Gerhard Taschner von Beate Bartlewski, br-klassik vom 24. Februar 2011[4]

Literatur

  • Gerstberger, Walter (Hrsg.): Der legendäre Geiger Gerhard Taschner: vom ersten Bogenstrich gefangen. Wißner, Augsburg 1998, 437 S., ISBN 3-89639-126-7. 2., erg. Aufl. 2000, ISBN 3-89639-214-X
  • Weiler, Klaus: Gerhard Taschner – das vergessene Genie: eine Biographie. Wißner, Augsburg 2004, 272 S., ISBN 3-89639-443-6
  • Stiftung Berliner Philharmoniker: Variationen mit Orchester – 125 Jahre Berliner Philharmoniker, Band 2: Biografien und Konzerte. Henschel, Berlin 2007, ISBN 978-3-89487-568-8, S. 120.
Commons: Gerhard Taschner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege und Nachweise

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