Gerry Taggart
nordirischer Fußballspieler
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Gerald Paul „Gerry“ Taggart (* 18. Oktober 1970 in Belfast) ist ein ehemaliger nordirischer Fußballspieler. Als Innenverteidiger gelang ihm zu Beginn der 1990er-Jahre beim englischen Zweitligisten FC Barnsley der sportliche Durchbruch, bevor er 1995 zu den Bolton Wanderers in die Premier League wechselte. Seine erfolgreichste Zeit hatte er zwischen 1998 und 2004 bei Leicester City, wo er in den Jahren 1999 und 2000 jeweils das Endspiel im Ligapokal erreichte und nach der Niederlage im ersten Versuch bei der Zweitauflage die Tranmere Rovers mit 2:1 besiegte. Darüber hinaus absolvierte er 51 A-Länderspiele für die nordirische Nationalmannschaft zwischen 1990 und 2002.
| Gerry Taggart | ||
Gerry Taggart (2009) | ||
| Personalia | ||
|---|---|---|
| Voller Name | Gerald Paul Taggart | |
| Geburtstag | 18. Oktober 1970 | |
| Geburtsort | Belfast, Nordirland | |
| Größe | 188 cm | |
| Position | Innenverteidiger | |
| Junioren | ||
| Jahre | Station | |
| Glenavon FC | ||
| Herren | ||
| Jahre | Station | Spiele (Tore)1 |
| 1989–1990 | Manchester City | 12 (1) |
| 1990–1995 | FC Barnsley | 212 (16) |
| 1995–1998 | Bolton Wanderers | 69 (4) |
| 1998–2004 | Leicester City | 117 (9) |
| 2003–2004 | → Stoke City (Leihe) | 8 (2) |
| 2004–2006 | Stoke City | 47 (3) |
| 2007 | FC Tamworth | 2 (0) |
| Nationalmannschaft | ||
| Jahre | Auswahl | Spiele (Tore) |
| Nordirland U-15 | 4 (0) | |
| Nordirland U-16 | 6 (1) | |
| Nordirland U-17 | 1 (0) | |
| Nordirland U-18 | 2 (0) | |
| 1989–1990 | Nordirland U-23 | 2 (0) |
| 1990–2002 | Nordirland | 51 (7) |
| Stationen als Trainer | ||
| Jahre | Station | |
| 2007 | Leicester City (interim) | |
| 1 Angegeben sind nur Ligaspiele. | ||
Sportlicher Werdegang
Aktive Spielerlaufbahn
Manchester City
Nach Anfängen in seiner nordirischen Heimat in der Jugendabteilung des Glenavon FC[1] zog es Taggart, der schon diverse nordirische Jugendnationalmannschaften durchlaufen hatte, zum Ende der 1980er-Jahre nach England zum damaligen Zweitligisten Manchester City. Er erreichte im Jahr 1989 mit dem Nachwuchs des Vereins das Endspiel im FA Youth Cup, verlor dort aber gegen die Jugendmannschaft des FC Watford. Zuvor hatte er am 4. Februar 1989 für die Profielf beim 1:0-Auswärtssieg gegen den FC Portsmouth debütiert und dem Klub mit zehn weiteren Einsätzen zum Aufstieg in die höchste englische Spielklasse verholfen. Dort konnte er sich jedoch nicht behaupten und nach einem einzigen Erstligaeinsatz am 2. Dezember 1989 gegen den FC Liverpool ging er zurück in die zweite Liga zum FC Barnsley für die recht geringe Ablösesumme von 75.000 Pfund. Für die „Citizens“ hatte er insgesamt 13 Pflichtspiele bestritten und sein einziges Tor gegen den späteren Zweitligameister FC Chelsea (2:3) erzielt.[2]
FC Barnsley
Taggart folgte damit seinem Ex-Trainer Mel Machin, der nach seiner Entlassung in Manchester ab Dezember 1989 die Verantwortung bei den „Tykes“ übernommen hatte. Bereits bei seinem Einstand gegen Brighton & Hove Albion zeigte der robuste Innenverteidiger seine Stärken bei Standardsituationen, indem er ein Tor zum 1:1-Remis beisteuerte. Dabei hatte er sich zuvor in einer Partie mit der Reservemannschaft sein Handgelenk gebrochen und seine Bandage wurde von zahlreichen Anhängern im Stadion imitiert. Es war der Beginn einer großen Zuneigung der Barnsley-Fans, die vor allem Taggarts kraftvolle Vorstöße aus der Defensive mochten. Machin, der maßgeblichen Einfluss auf Taggarts Frühphase in der sportlichen Entwicklung nahm, beförderte ihn bereits in seinem zweiten Jahr zum Kapitän einer Mannschaft, die zunächst knapp den Klassenerhalt bewerkstelligte und im Jahr darauf als Aufstiegsapirant nur knapp die Qualifikation für die Play-offs verpasste.
Der Klub verfügte nur über wenig finanzielle Mittel und war auf ein gutes Recruiting angewiesen. Dazu war die taktische Ausrichtung oft ungewöhnlich mit drei Innenverteidigern, was die Mannschaft aber gut umsetzen konnte. In seinem ersten halben Jahr waren neben seiner Verpflichtung die ebenfalls angeheuerten Andy Saville und Brendan O’Connell wichtige Faktoren für den Klassenerhalt. Dass der Verein stetig wichtige Spieler verkaufte, darunter Carl Tiler, Mark Robinson und David Currie (der zwar kurz darauf wieder nach Barnsley zurückkehrte, aber nicht mehr an die alte Form anknüpfte), machte es in den folgenden Jahren schwer, sich wieder in Richtung Aufstiegsränge zu bewegen. In seiner letzten Saison 1994/95 unter dem neuen Trainer Danny Wilson führte Publikumliebling Taggart die Mannschaft mit seiner gewohnt hohen Einsatzbereitschaft und dem kompromisslosen Abwehrverhalten wieder ins oberste Tabellenviertel, aber der sechste Abschlussrang genügte ausnahmsweise nicht für die Play-off-Qualifikation, da sich die übergeordnete Premier League verkleinerte und somit nur zwei Aufsteiger aus der zweiten Liga zugelassen wurden. Nach der verpassten Chance wechselte Taggart dann im Sommer 1995 für die Ablösesumme von 1,5 Millionen Pfund in die Premier League zu den Bolton Wanderers. Bestandteil des Vertrags war, dass der vorherige Klub Manchester City 50 % der Transfersumme erhielt.[3]
Über die Bolton Wanderers zu Leicester City
In Bolton war er zwar Teil einer besseren Mannschaft (angeführt von Torjäger John McGinlay), in der Taggart problemlos mithalten konnte, aber er hatte Pech mit Verletzungen, so dass er in seinem ersten Jahr nur elf Premier-League-Spiele absolvierte. Dazu kam der Abstieg als Tabellenletzer. In der folgenden Zweitligasaison 1996/97 meldete sich die Mannschaft eindrucksvoll zurück und errang mit 100 Toren und 18 Punkten Vorsprung auf den Ex-Klub Barnsley die Zweitligameisterschaft. Taggart war nun unumstrittener Stammspieler im Abwehrzentrum und wurde im Anschluss in die „Mannschaft des Jahres“ (PFA Team of the Year) gewählt. Erneut konnte sich Teggart mit Bolton danach nicht in der Premier League halten, wenngleich der Abstieg nun sehr knapp war, trotz einer vergleichsweise guten Ausbeute von 40 Punkten, aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber dem FC Everton. Ablösefrei zog er daraufhin im Juli 1998 weiter zu Leicester City und damit zurück in die Premier League.[3]
In Leicester spielte Taggart unter seinem nordirischen Landsmann und Trainer Martin O’Neill. Dabei erreichte er in seinem ersten Jahr mit den „Foxes“ einen soliden Mittelfeldplatz und zog dazu bis ins Endspiel im Ligapokal vor. Hier stand Taggart in der Startelf gegen Tottenham Hotspur und verlor nach einem späten Gegentreffer in der Nachspielzeit durch Allan Nielsen mit 0:1 Toren. Im Jahr darauf erreichte der Klub erneut das Finale, behielt nun mit 2:1 gegen die Tranmere Rovers die Oberhand und somit gewann Taggart die erste bedeutende Trophäe („Major Trophy“) in seiner Laufbahn. Kritiker relativierten anschließend gelegentlich den Erfolg und betonten die Unterklassigkeit der Tranmere Rovers, die aber im Wettbewerb über sich hinausgewachsen waren; dazu hatte der Sieg im Halbfinale zuvor gegen Aston Villa sehr überrascht, da die „Villans“ in den 1990ern oft gute Pokalergebnisse erzielt und zweimal den Ligapokal gewonnen hatten. Mit dem Ligapokalsieg qualifizierte sich Leicester für den UEFA-Pokal. Hier traf Taggart mit seinen Mannen in der ersten Runde auf Roter Stern Belgrad und im Hinspiel daheim erzielte Taggart ein Tor. Die Partie endete jedoch 1:1 und nach einer 1:3-Niederlage im Rückspiel in Wien (dorthin hatte der serbische Klub ausweichen müssen) schied Leicester aus dem Wettbewerb aus.
Trotz des Weggangs von Trainer O’Neill zu Celtic Glasgow im Jahr 2000 war Leicester auch in der Saison 2000/01 in der Premier League formstark und belegte im März 2001 den vierten Platz, bevor die Manschschaft auf Abschlussrang 13 „durchgereicht“ wurde. Taggart war leistungsmäßig auf seinem Zenit, obwohl er sich aufgrund einer Knieverletzung „fit spritzen“ lassen musste und nur freitags trainieren konnte. Im April 2001 verschlimmerten sich die Knieprobleme und Taggart musste über ein Jahr bis zu seiner Genesung pausieren. Sein Comeback feierte er am 11. Mai 2002 am letzten Spieltag gegen Tottenham Hotspur (2:1). Zu dem Zeitpunkt hatte allerdings Leicesters Abstieg in die zweite Liga schon festgestanden. Es folgte der direkte Wiederaufstieg, zu dem Taggart in 37 von 46 Ligapartien maßgeblich beigetragen hatte. Kurz nach Beginn der folgenden Saison 2003/04 verlor er seinen Stammplatz und er wurde im Dezember 2003 an den Zweitligisten Stoke City ausgeliehen.[4]
Stoke City & FC Tamworth
Bei den „Potters“ überzeugte Taggart seinen neuen Trainer Tony Pulis schnell mit seinen Führungsqualitäten[5] und so wurde die Leihe im Januar 2004 um einen weiteren Monat verlängert.[6] Nach einer kurzen Rückruf-Aktion seines Stammklubs aus Leicester[7] verpflichtete ihn Stoke City dann Ende Februar 2004 „fix“[8] und erneuerte den Kontrakt im August 2004 um ein weiteres Jahr – eine gleichzeitige Offerte von Derby County wurde abgelehnt.[9] Gemeinsam mit Michael Duberry bildete Taggart in der Saison 2004/05 das Abwehrzentrum von Stoke City. Als dann Pulis zum Ende der Spielzeit entlassen wurde, setzte ihn sein Nachfolger Johan Boskamp vermehrt in seinem Trainerstab ein, bevor der zum Ende der Saison 2005/06 auslaufender Vertrag nicht verlängert wurde.[10]
Taggart war in der Saison 2006/07 Teil des Trainerstabs seines Ex-Klubs aus Leicester, während er seine Trainerlizenz erwarb. Als Spieler absolvierte er dazu noch zwei Spiele für den Sechstligisten FC Tamworth[11], bevor er Assistenztrainer bei Leicester City wurde.[4][12]
Nordirische Nationalmannschaft
Taggart debütierte am 27. März 1990 im Alter von 19 Jahren für die nordirische A-Nationalmannschaft in einem Freundschaftsspiel daheim gegen Norwegen (2:3). Knapp ein Jahr später war er Doppel-Torschütze im Februar 1991 beim 3:1-Sieg gegen Polen. Insgesamt absolvierte er 51 A-Länderspiele bis Oktober 2002 und traf siebenmal. Das seiner Meinung nach schönste Tor gelang ihm am 9. November 1996 gegen den amtierenden Europameister Deutschland (1:1) in der Qualifikation für die WM-Endrunde 1998 in Frankreich in Nürnberg zur 1:0-Führung per Halbvolley vom Strafraumeck. Nachdem ihn Trainer Lawrie McMenemy im Jahr 1998 aus der Mannschaft genommen hatte, blieb er 21 Monate außen vor, bevor ihm der neue Verantwortliche Sammy McIlroy zu einem Comeback verhalf.[13] Sein letztes Länderspiel endete mit einer 0:3-Niederlage gegen Spanien.[3][1] Knapp ein Jahr später verkündete Taggart seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft.[14]
Traineraktivitäten
Ab September 2007 arbeitete Taggart bei Leicester City als Teil des Trainerstabs von Gary Megson.[15] Nur kurz darauf übernahm er gemeinsam mit Frank Burrows interimistisch die Cheftrainerrolle, nachdem Megson Ende Oktober 2007 den Klub in Richtung der Bolton Wanderers verlassen hatte.[16] Taggart selbst kehrte dem Klub im Juni 2010 den Rücken, um Co-Trainer unter seinem Ex-Mitspieler Paul Dickov beim Drittligisten Oldham Athletic zu werden. In Folge einer Serie schlechter Resultate in der ersten Hälfte der Saison 2012/13 wurde er zum Jahreswechsel von Oldham Athletic beurlaubt.[17]
Nach der Fußballerkarriere
Ab Juli 2014 begann Taggart für die Regionalberichterstattung von BBC Radio Leicester als Kommentator für Spiele von Leicester City und folgte dabei dem populären Alan Young nach. Dazu war er Teil der wöchentlichen Talkshow Leicester City Football Forum. Sein Ausflug in die Medienwelt blieb kurz und nach nur weniger als drei Wochen übernahm er die Rolle des Chefscouts bei den Doncaster Rovers. Er trat von seinem Posten im Oktober 2015 zurück, kurz nachdem Trainer Paul Dickov entlassen worden war.[1]
Titel/Auszeichnungen
- Englischer Ligapokal (1): 1999/2000
- PFA Team of the Year (1): 1996/97 (2. Liga)
- Northern Ireland International Personality of the Year (1): 1991
Weblinks
- Gerry Taggart in der Datenbank von soccerbase.com (englisch)
- Gerry Taggart in der Datenbank von weltfussball.de