Gerson Wolf
österreichischer Religionslehrer und Historiker
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Gerson Wolf (16. Juli 1823 in Holleschau, Mähren – 29. Oktober 1892 in Wien) war ein österreichischer jüdischer Religionslehrer und Historiker.



Leben
Gerson Wolf wollte zunächst Rabbiner werden und studierte in Wien. Ab Mitte der 1850er Jahre arbeitete er als Religionslehrer der jüdischen Gemeinde Wien. Im Rahmen dieser Tätigkeit übernahm er die Aufsicht über die jüdischen Religionsschulen in Wien.
Er beschäftigte sich mit dem Darwinismus und beteiligte sich am Ehrengeschenk der deutschen Anhänger zu Darwins 69. Geburtstag, einem vom Rechnungsrat und Naturforscher Emil Rade (1832–1931) initiierten, von Ernst Haeckel geförderten und im Wesentlichen von Arthur Fitger mit insgesamt 21 Blättern gestalteten mit Silber-(und Gold-)beschlägen reich verzierten 50 cm hohen und 43 cm breiten Album (Darwin-Album von 1877),[1] in dem ab Blatt 3 zahlreiche Fotografien seiner Anhänger in je ein bis zehn passepartoutartig geschnittenen Feldern eingefügt sind. Als Dr. Gerson Wolf, Professor an der k. k. Oberrealschule mit dem auch handschriftlich auf seinem Bild geschriebenen Vermerk An Charles Darwin Esqu. Will man dich preisen, so ist das beste „schweigen“ wurde er auf Blatt 7 (Wien II) in diesem Album, das Darwin im Februar 1877 überreicht wurde, aufgenommen.[2]
Gerson Wolf veröffentlichte zahlreiche Schriften, die sich vor allem mit der Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Österreich beschäftigten. Er starb im Alter von 69 Jahren in Wien und wurde im alten israelitischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs bestattet (Gruppe 20, Reihe 21, Nr. 11).
Werke (Auswahl)
- Die Juden unter Ferdinand II. Nach Aktenstücken in den Archiven der K. K. Ministerien des Innern u. Äussern. In: Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums. Institut zur Förderung der Israelitischen Literatur, Leipzig 1860, S. 238–239.
- Geschichte der Israelitischen Cultusgemeinde in Wien, Wien 1861.
- Zur Geschichte der Juden in Worms und des deutschen Städtewesens, Beilage XXVII, H. Skutsch, Breslau 1862, S. 95.
- Judentaufen in Oesterreich, Verlag von Herzfeld & Bauer, 1863, S. 14 (online)
- Joseph Wertheimer. Ein Lebens- und Zeitbild. Beiträge zur Geschichte der Juden Oesterreich's in neuester Zeit. Mit Benützung archivalischer Quellen. Herzfeld & Bauer, Wien 1868. Vorschau in der Google-Buchsuche
- Geschichte der Juden in Wien (1145–1876). A. Hölder, Wien 1876 (Online in der Google-Buchsuche-USA); Nachdruck: Geyer, Wien 1974.
- Die jüdischen Friedhöfe und die "Chewra kadischa" (fromme Bruderschaft) in Wien. Alfred Hölder, Wien 1879, S. 27.
- Die Juden. Mit einer Schlußbetrachtung von Dr. Wilhelm Goldbaum. Die Völker Österreich-Ungarns. Ethnographische und culturhistorische Schilderungen, Buch 7. Prochaska, Wien 1883 Digitalisat
Literatur
- Klaus-Dieter Alicke: Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum. Band 2: Großbock – Ochtendung. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2008, ISBN 978-3-579-08078-9 (Online-Ausgabe).
- Constantin von Wurzbach: Wolf, Gerson. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 57. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1889, S. 284–290 (Digitalisat).
- Adolf Brüll: Wolf, Gerson. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 750 f.
Weblinks
- Digitalisierte Werke von Gerson Wolf in der Bibliothek des Leo Baeck Instituts