Gertraud Plattensteiner
österreichische Mitarbeiterin der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien
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Gertraud Plattensteiner, verheiratete Goldmann, (* 22. November 1908 in Klotzsche; † 3. September 1982) war eine österreichische Mitarbeiterin der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien.
Leben
Plattensteiner war die Tochter des österreichischen Schriftstellers und Mundartdichters Richard Plattensteiner und von Leopoldine Plattensteiner geborene Sigmund aus Hainburg. Sie hatte drei Brüder. In den 1930er-Jahren trat sie regelmäßig zusammen mit ihrem Vater als Rezitatorin von dessen Gedichten und Erzählungen auf.
In der NSDAP-Ortsgruppe war Plattensteiner Leiterin der Presseabteilung und stellvertretende Geschäftsleiterin der NS-Frauenschaft. 1939 wurde sie über das Arbeitsamt an die Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien vermittelt und arbeitete zunächst für den Leiter der Buchhaltungsabteilung Karl Grewenig; später wechselte sie als Verwaltungsbeamtin zu Alois Brunner. Dort war sie in der Abteilung für Vermögenssicherungen für den Einzug der „Passumlage“ verantwortlich, eine nach Vermögen gestaffelte Zwangsabgabe, die ab August 1938 von „auswanderungswilligen“ Juden erhoben wurde. Mindestens zweimal war sie auch bei sogenannten „Kommissionierungen“ im Sammellager in der Kleinen Sperlgasse 2a anwesend. Die „Kommissionierung“ war die unmittelbare Vorbereitung der Deportation jüdischen Einwohner in die Vernichtungslager. Nach der Registrierung jeder Person wurden die eingereichten Vermögenserklärungen mit dem tatsächlichen Besitz abgeglichen. Die Menschen mussten sämtliche Bargeldbestände, Wertpapiere und verbliebenen Schmuck abgeben. Das erlaubte Gepäck (meist 50 kg) wurde streng kontrolliert. Wertgegenstände, die die Menschen heimlich mitzunehmen versuchten, wurden hier endgültig „kommissioniert“ – das heißt beschlagnahmt.
Ende Juli 1941 schied Plattensteiner aus unbekannten Gründen aus dem Dienst in der Zentralstelle aus. Im März 1942 arbeitete sie als Buchhändlerin und zog mit ihrem verwitweten Vater von Purkersdorf nach Wien-Döbling in die Dollinergasse 10. Die Wohnung befand sich in einem „arisierten“ Mehrfamilienhaus, das zuvor einer jüdischen Witwe und deren ledigen Töchtern gehört hatte.
Nach Kriegsende wurde sie mehrfach als Zeugin vernommen und belastete ihre ehemaligen Kollegen schwer. 1947 gab sie an, dass alle Angehörigen der Zentralstelle gewusst hätten, dass die Deportation den Tod bedeutete.
Plattensteiner heiratete 1956 den aus Posen stammenden Industrietechniker Joachim Goldmann, der später in München Studioleiter beim Bayerischen Rundfunk wurde.[1]
Literatur
- Florian Wenninger, Marie-Sophie Egyed (Hrsg.): Schaltstelle des Terrors : Geschichte und Personal der Zentralstelle für jüdische Auswanderung Wien 1938-1943. Böhlau-Verlag, Wien 2025, ISBN 978-3-205-22381-8.