Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland
Freiwilligen-Verein
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Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e. V. ist ein deutscher Verein mit Sitz in Berlin, der sich gegen Rechtsextremismus einsetzt. Der Verein ermutigt Menschen, gegen Xenophobie, Rassismus, Antisemitismus und jede Form rechter Gewalt aktiv zu werden. Ziel sind die Stärkung des gesellschaftlichen Engagements und die Sensibilisierung für jede Art von Diskriminierung. Ein weiteres Thema, mit dem sich Gesicht Zeigen! beschäftigt, ist Hate Speech.
10243 Berlin
Stand: März 2021
Silke Zimmermann (2. Vorsitzender)
Rana Deep Islam (Vorstand Finanzen), Sophia Oppermann, Rebecca Weis
| Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland | |
|---|---|
| Rechtsform | gemeinnütziger eingetragener Verein |
| Gründung | 2000 |
| Sitz | Franz-Mehring-Platz 1 10243 Berlin Stand: März 2021 |
| Vorsitz | Peter Ruhenstroth-Bauer (1. Vorsitzender) Silke Zimmermann (2. Vorsitzender) |
| Geschäftsführung | Sophia Oppermann, Rebecca Weis |
| Mitglieder | fast 500 davon etwa 485 Einzelmitglieder, etwa 12 Unternehmen, Vereine, Verbände, Städte und Gemeinden Stand:März 2024 |
| Website | www.gesichtzeigen.de |
Vereinsgründung
Der Impuls zur Gründung einer zivilgesellschaftlichen Vereinigung kam dem damaligen Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye angesichts einer Reihe rassistischer und rechtsextremer Gewalttaten, die zwischen 1999 und 2000 verübt wurden.[1][2][3] Nach einem weiteren antisemitischen Brandanschlag auf die Synagoge in Düsseldorf reiste Heye zum Präsidenten des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, um seine Solidarität und Unterstützung im Widerstand gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus zu bekunden.
Seine Idee, über eine Kundgebung hinaus, die mit über 200.000 Teilnehmern in Berlin stattfand, eine Initiative zur langfristigen Bekämpfung der Gewalt und Diskriminierung zu gründen, fand bei Spiegel und dem Zentralratsvizepräsidenten Michel Friedman Zuspruch.[4][3] Der Verein sollte als Basis dazu dienen, die zivile Opposition gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit zu organisieren, Stellung zu den Vorgängen im Land zu beziehen und Menschen zu mobilisieren, sich für ein weltoffenes Deutschland einzusetzen.[5][3][6]
Der Verein wurde am 17. August 2000 auf Initiative Heyes zusammen mit Spiegel und Friedmann gegründet. Weitere Gründungsmitglieder waren Jürgen Hogrefe, Hans-Roland Fäßler, Sabine Haack und Sophia Oppermann. Die Schirmherrschaft für den Verein übernahm der damalige Bundespräsident Johannes Rau.[7][8][4]
Binnen weniger Wochen konnten Vereinsstrukturen, eine Geschäftsstelle sowie eine Internetpräsenz aufgebaut werden. Über 800 Vereinigungen und Personen sagten dem Verein ihre Unterstützung zu. Ende September 2000 nahm Gesicht Zeigen! seine Arbeit auf und veranstaltete aus diesem Anlass eine Pressekonferenz, auf der die Ziele der Initiative formuliert wurden und Vertreter bereits bestehender Zusammenschlüsse gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu Wort kamen, die vom Verein unterstützt werden sollten.[7][5]
Profil
Arbeitsweise
Der Verein arbeitet in den Bereichen der Aufklärungs- und Projektarbeit.[9][10] Die Konzeption und Realisation von Projekten für die Einwanderungsgesellschaft sollen Vorurteile abbauen und das demokratische Miteinander fördern. Gesicht Zeigen! initiiert öffentliche Kampagnen für Zivilcourage, die auch von zahlreichen Prominenten unterstützt werden. Projektübergreifend veranstaltet der Verein regelmäßig Diskussionen, Lesungen, Konzerte, Fachforen und runde Tische.
Finanzierung
Gesicht Zeigen! finanziert sich überwiegend über Fördergelder und durch Spenden. Seit seiner Gründung erfährt der Verein eine breite Unterstützung von anderen Vereinen, Gruppen und Einzelpersonen, dadurch sind im ersten Jahr rund 1 Million DM durch Spenden erworben wurden, außerdem haben Medien Anzeigenplätze im Wert von fast 10 Millionen DM zur Verfügung gestellt. Gesicht Zeigen! hat laut Jahresbericht 2017 die meisten Einnahmen über Spenden und Mitgliedsbeiträge erhalten.[11][12]
Förderer Stand 2021: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz; Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie; Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen; Berliner Landesprogramm Demokratie. Vielfalt. Respekt.; Nemetschek Stiftung; Deutsche Bahn, Deutsche Telekom und Bundeszentrale für politische Bildung.[13]
Ziele
Gesicht Zeigen! möchte durch seine Tätigkeit für die Stärkung einer toleranten, diskriminierungsfreien Gesellschaft eintreten und Menschen- und Minderheitenrechte schützen. Ziel ist es, zu rechtsextremen Einstellungen, Antisemitismus, Xenophobie und Rassismus Stellung zu beziehen, diesen Aggressionen eine weltoffene Haltung entgegenzusetzen sowie die Ursachen von Diskriminierung zu bekämpfen.[14][15]
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit soll durch öffentliche Thematisierung sichtbar gemacht werden, um damit ein Bewusstsein für Ungerechtigkeiten zu schaffen und Einfluss auf politische und gesellschaftliche Debatten zu nehmen.[4][15] Mit breit angelegter Aufklärungsarbeit verfolgt der Verein die Absicht, Menschen zu ermutigen, sich aktiv gegen Hass und Gewalt zu engagieren und Zivilcourage zu zeigen.[6][16]
Ein wichtiges Element ist die Bildung von Kindern und Jugendlichen in Form von pädagogischen Projekten an Schulen und auch im außerschulischen Kontext. Ziel ist es, Gefahren wie Rechtsextremismus präventiv zu begegnen. Die Auseinandersetzung mit historischen sowie aktuellen Diskriminierungsprozessen soll die demokratische Werteentwicklung der Heranwachsenden fördern.[14][15][16]
Gesicht Zeigen! möchte Initiativen von und für Betroffene von Diskriminierung unterstützen, die sich gegen rechte Gewalt einsetzen und Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen zusammenbringen, um das Miteinander zu fördern und Vorurteile abzubauen. Mit Projekten gegen Hate Speech soll eine respektvolle Kommunikation und ein konstruktives gesellschaftliches Debattenklima erreicht werden.[16][17][18]
Für den Kampf gegen Rechtsextremismus forderte Heye einen Krisengipfel mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Der Verein sieht als Ursachen für das Erstarken rechter Einstellungen die gesamte Gesellschaft betreffende Probleme, wie die großen Einkommens- und Vermögensunterschiede sowie eine anhaltenden Chancenungleichheit in Bezug auf Bildung und Beruf.[19][20]
Projekte
Der Verein engagiert sich vor allem auf dem Gebiet der Rechtsextremismus-Prävention an Schulen. Anlässlich des UN-Tages zur Überwindung des Rassismus veranstaltet der Verein seit 2007 jährlich bundesweit Veranstaltungen wie Schulaktionstage, Lesungen, Filmvorführungen oder Podiumsdiskussionen.
Es werden zudem mehrmodulige Präventionsprojekte in drei Brandenburger Landkreisen durchgeführt. Seit Juni 2010 ist die innovative erlebnispädagogische Ausstellung 7x jung für Kinder und Jugendliche zum Thema Ausgrenzungserfahrung am Berliner S-Bahnhof Bellevue zu besichtigen. Darüber hinaus hat der Verein in einem Projekt mit Schülern und Lehrern an einer Hauptschule in Berlin gemeinsam Strategien entwickelt, wie man in der Schule mit Jugendlichen umgehen kann, die sich dem Rechtsextremismus zuwenden. Zum weiteren Repertoire gehören die Aufführung von Theaterstücken für Grundschüler zur Demokratiefrüherziehung. Im Rahmen des mit Zeit Online betriebenen Internetprojektes Störungsmelder geht ein Expertenteam gemeinsam mit Prominenten an Schulen und diskutiert mit Schülern.[21]
Das Projekt, Die Freiheit, die ich meine ist ins Leben gerufen worden, um die Bedürfnisse muslimischer Mädchen und Frauen zu unterstützen. Begründet wird das Engagement damit, dass sich die öffentliche Diskussion in der Vergangenheit viel mit den Themen der Migration sowie dem Islam beschäftigt hat und dabei zu Polarisierungen geführt hat. Das Angebot richtet sich vor allem an die obengenannte Zielgruppe, da diese sich mit Ausgrenzung und Diskriminierung konfrontiert sehen, die sich gegen ihre Religionszugehörigkeit richten. Das Projekt umfasst ein vielfältiges Bildungsprogramm, das vor allem das Empowerment stärken soll, sodass die Zielgruppe sich selbstbewusst und -sicher den Herausforderungen entgegenstellen kann. Außerdem könnten sie so als eine Art Botschafter fungieren, die für Werte wie Toleranz oder Demokratie stehen.[22]
Weitere Angebote stellen außerdem MEDIA RESIDENTS – das Netzwerk für Menschen mit Publikationshintergrund oder der Berliner Ratschlag für Demokratie dar. Erstgenanntes verfolgt das Ziel geflüchtete und einheimische Medienschaffende zusammenzubringen, die dann gemeinsam multimediale Inhalte schaffen, wie beispielsweise einen Aufklärungs- oder einen Literaturpodcast.[23] Das zweite Angebot will zu Diskussionen anregen und mit einer Projektplattform außerdem andere Berliner Initiativen dazu animieren, sich und ihre Arbeit vorzustellen, um so mehr Aufmerksamkeit zu erhalten.[24]
Kompetenznetzwerk Rechtsextremismusprävention (Komprex)
Seit Anfang 2020 hat sich Gesicht Zeigen! mit anderen Initiativen und NGOs zum Kompetenznetzwerk Rechtsextremismusprävention (Komprex) zusammengeschlossen, um gemeinsam von den gesammelten Erfahrungen zu partizipieren. Dazu gehören Amadeu Antonio Stiftung, Lidice Haus Jugendbildungsstätte, Aktion Sühnezeichen e. V. der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus und cultures interactive e. V.
Durch diesen Zusammenschluss gibt es nun eine zentrale Anlaufstelle, die durch die unterschiedlichen Träger in den folgenden Schwerpunkten unterstützend wirken kann: Justiz und Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Netz, menschenrechtsorientierte Jugend(sozial)arbeit, Kirche und Familie.[25]
Love Speech
Bei der internationalen Woche gegen Rassismus im Jahr 2018 hat sich der Verein zum 17. Mal beteiligt. Hierbei hat er u. a. die neue Kampagne Love Speech vorgestellt.[26] Sie soll eine präventive Wirkung haben und verfolgt das Ziel, wieder eine gesunde Diskussionskultur zu etablieren, die von einem freundlichen Umgangston und einem ausgewogenen Miteinander geprägt ist. So soll Hate Speech etwas entgegengestellt werden: Diejenigen, die Hassrede nutzen, sollen weniger Unterstützung erfahren, um so auch die gesellschaftliche Akzeptanz für menschenverachtende Äußerungen zu reduzieren. Love Speech schlägt hierfür unterschiedliche Maßnahmen vor, wie zum Beispiel ein Lächeln, freundliches Ansprechen von Mitmenschen oder das Zeigen von Zivilcourage im virtuellen und öffentlichen Raum. Es gibt die Möglichkeit, an entsprechenden Workshops zu der Thematik teilzunehmen.[27]
Prominente Unterstützer
Der Verein wird unterstützt von:[28]
Auszeichnungen
- 2006 Buber-Rosenzweig-Medaille
- Grimme Online-Award für den Internetblog „Störungsmelder“
- 2016 Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage des Zentralrats der Juden in Deutschland[29]
Kritik
Kritik wurde im Zusammenhang mit Gesicht Zeigen! von anderen Vereinen formuliert. So zum Beispiel im Jahr 2005 von der Amadeu-Antonio-Stiftung. Die Vorstandsvorsitzende Kahane äußerte sich in einem Interview insofern kritisch, dass kleinere Vereine wie der eigene so finanzielle Konkurrenz bekämen, statt gemeinsam zu arbeiten. Ein weiterer Kritikpunkt kam von der Internet-Plattform Mut gegen rechte Gewalt, welche zu dem damaligen Zeitpunkt die Vernetzung von Gesicht Zeigen! als schwach bezeichnet und keine starke Wirksamkeit der Aktionen in dem Alltag der Betroffenen erkennen konnte.[30] Diese Kritikpunkte liegen bereits ein paar Jahre zurück; sie wurden durch die Weiterentwicklung von Gesicht Zeigen! und den Zusammenschluss unterschiedlicher Träger berücksichtigt.[25]