Gilberte Brossolette
französische Politikerin, Mitglied der Nationalversammlung
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Gilberte Brossolette (geboren als Gilberte Bruel am 27. Dezember 1905 in Paris; gestorben am 28. Februar 2004 in Fontainebleau)[1] war eine französische Journalistin und Politikerin, die sich gemeinsam mit ihrem Ehemann Pierre Brossolette während der deutschen Besatzung in der französischen Résistance engagierte. Sie war die erste Frau, die das Amt des Vizepräsidenten des Conseil de la République (Name des Senats in der IV. Republik) bekleidete.

Leben
Gilberte Bruel besuchte das Institut Sainte-Clotilde, wo sie ihr Abitur machte, und studierte anschließend an der Sorbonne. 1926 heiratete sie Pierre Brossolette, Absolvent der École Normale supérieure und Agrégé d'histoire.[A 1] Nach ihrem Abschluss an der Sorbonne begann sie eine Karriere als Journalistin. Sie war in der sozialistischen Bewegung aktiv.[2]
Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs organisierte sie ab Herbst 1940 gemeinsam mit ihrem Mann in ihrem Haus geheime Treffen, um die Résistance in Paris aufzubauen, und verschickte heimlich Post. Da sie aufgrund ihres politischen Engagements für die Linke ihren Beruf nicht ausüben durften, eröffneten die Eheleute Brossolette ein russisches Buch- und Schreibwarengeschäft in der Rue de la Pompe 89 im 16. Arrondissement von Paris, das als Treffpunkt und Briefkasten für die Widerstandsbewegung diente, für die sie während des Zweiten Weltkriegs kämpften.[3]
Sie übermittelte Informationen zwischen London und Paris und engagierte sich gemeinsam mit ihrem Mann sehr effektiv für das Freie Frankreich. Nach zwei Durchsuchungen ihres Wohnsitzes durch die französischen und deutschen Behörden im Mai 1942, die sie zwangen, ihren Sohn sogar bei der Gestapo zu suchen, floh sie im Juli 1942 nach London. Ihr Weg führte sie mit einer Feluke nach Gibraltar und von dort mit ihren beiden Kindern Anne und Claude auf einem Frachtschiff nach London. Dort fungierte sie als Verbindungsfrau zwischen dem Innenkommissariat des freien Frankreichs und der BBC und kümmerte sich um die Aufnahme und Bewertung von Franzosen, die für das freie Frankreich tätig waren. Für ihre Tätigkeit in dieser Zeit wurde sie mit der Ehrenlegion und der Médaille de la Résistance ausgezeichnet.[4]
Nach ihrer Rückkehr nach Paris im Jahr 1944 wurde sie mit der Leitung der Frauensendungen beim französischen Rundfunk betraut und stieg später zur stellvertretenden Chefredakteurin auf. Von November 1944 bis Oktober 1945 war sie außerdem Mitglied der Assemblée consultative provisoire (Provisorische Beratende Versammlung) und gehörte den Ausschüssen für Jugend und Sport, Inneres sowie Arbeit und Soziales an.[4]
Anschließend wurde sie als Kandidatin der Section française de l’Internationale ouvrière (SFIO) zur Abgeordneten der Verfassungsgebenden Versammlung gewählt. Sie war Mitglied der Familien- und der Pressekommission und beteiligte sich an der Diskussion über die Ausweitung der 1945 für die Wahl zur Verfassungsgebenden Versammlung geltenden Unwählbarkeiten auf die für 1946 geplanten Parlamentswahlen. Sie forderte erfolglos, dass die Träger des höchsten Ordens des Vichy-Regimes, der Francisque, unwählbar sein sollten.[4]
Nach der Verabschiedung der Verfassung der IV. Republik wurde sie im Dezember 1946 von der Nationalversammlung als Vertreterin der sozialistischen Fraktion in den Conseil de la République berufen. Als Spitzenkandidatin der SFIO für das Département Seine wurde sie im November 1948 zur Senatorin gewählt und im Mai 1952 wiedergewählt. Von 1946 bis 1954 war sie Vizepräsidentin des Conseil de la République und war die erste Frau, die eine Sitzung des Oberhauses leitete.[5]
Im Mai 1948 nahm Brossolette am Haager Europa-Kongress teil.
Am 2. und 3. Juni 1958 stimmte sie gegen die erweiterten Vollmachten für de Gaulle und gegen die Verfassungsänderung. Bei den Kommunalwahlen 1953 wurde sie zur Stadträtin von Montrouge gewählt. Für die Senatswahlen 1958 kandidierte sie nicht mehr, da ihr die SFIO keinen chancenreichen Platz anbot.[4]
Nach ihrem Ausscheiden aus dem Senat nahm sie ihre Tätigkeit als Radiojournalistin wieder auf und schrieb eine Kolumne über Außenpolitik. Sie trat der Parti socialiste autonome (Autonome Sozialistische Partei) und später deren Nachfolgerin, der Parti socialiste unifié (Vereinigte Sozialistische Partei) bei.[2]
Ehrungen

Sie wurde als Ritter der Ehrenlegion und mit der Médaille de la Résistance[6] ausgezeichnet. In Paris ist die Promenade Gilberte-Brossolette im 17. Arrondissement nach ihr benannt.
Werke
- Il s’appelait Pierre Brossolette. Albin Michel, 1976 (Prix Femina und Prix de la Résistance 1976).
Literatur
- Dominique Missika: Résistantes 1940–1944. Gallimard, 2021, ISBN 978-2-07-294029-3.
- Guillaume Piketty: Pierre Brossolette; Un héros de la Résistance. Editions Odile Jacob, 1998, ISBN 978-2-7381-0539-4.
- Guillaume Piketty: Résister; les archives intimes des combattants de l’ombre. Textuel, 2011, ISBN 978-2-84597-424-1.
Weblinks
- Gilberte Brossolette Née Bruel. In: Assemblée nationale. (französisch).
- BROSSOLETTE Gilberte Ancien sénateur élue par l’Assemblée Nationale puis de la Seine. In: Sénat. (französisch).
- Guillaume Piketty: BROSSOLETTE Gilberte. In: Le Maitron. (französisch).
- Mariage de Pierre Brossolette et Gilberte Bruel. In: Musée de la Résistance. (französisch).
- Biographie de Gilberte Brossolette. In: Pierre Brossolette. (französisch).
- Interview de Gilberte Brossolette. In: Ina. 23. Oktober 1976 (französisch).
- Angaben zu Gilberte Brossolette in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
Anmerkungen
- Französisches Staatsexamen für das Höhere Lehramt im Fach Geschichte, entspricht dem deutschen 2. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien. (Übersetzung mistral) Siehe weiterführend Agrégation d'histoire in der frankophonen Wikipédia.